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  • Die Rolle der Motivation bei der Behandlung von Magersucht

    Die Rolle der Motivation bei der Behandlung von Magersucht

    Da Anosognosie (die Unfähigkeit, eine Erkrankung der eigenen Person wahrzunehmen) ein Hauptsymptom von Anorexia nervosa (AN) ist, haben die meisten Patienten während ihrer Erkrankung wenig oder gar keine Einsicht oder Motivation.

    Wenn nun eine Person sich selbst nicht als krank wahrnimmt, wird sie auch nicht motiviert sein, wieder gesund zu werden. Wenn eine Person sich selbst als überlegen wahrnimmt, während sie unterernährt, abgemagert und hyperaktiv ist, wird sie wiederum einen hohen Antrieb haben, ihre AN aufrechtzuerhalten.

    Glücklicherweise ist Motivation nicht notwendig, um mit der Genesung von AN zu beginnen. Bei der Familienbasierten Behandlung (FBT) wird Motivation von den Patienten in Phase I (Refeeding und Gewichtswiederherstellung) weder erwartet noch verlangt. Solange die Eltern hoch motiviert sind, ihr Kind wieder gesund zu machen (was bei den meisten Eltern sicherlich der Fall ist), ist eine Motivation des Patienten nicht erforderlich.

    Es gibt zwei Arten von Motivation:

    Extrinsische Motivation ist der Antrieb, eine Tätigkeit auszuführen, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Extrinsische Motivation kommt von außerhalb des Individuums. So ist ein Oberstufenschüler beispielsweise motiviert, zu lernen, um gute Noten zu erzielen und zum Studium zugelassen zu werden.

    Intrinsische Motivation ist ein innerer Antrieb, eine Tätigkeit aus persönlichen Gründen auszuführen, welche auf dem Interesse oder der Freude an der Aufgabe selbst beruht. Intrinsische Motivation besteht auch dann, wenn es keine äußere Belohnung gibt. Beispielsweise verbringt eine junge Künstlerin, die leidenschaftlich gerne malt, viele Stunden im Atelier und vertieft sich in ihre Kunst.

    In der Erziehung wird oft schon früh auf extrinsische Motivation gesetzt, um die intrinsische Motivation zu entwickeln. Ein Kleinkind wird motiviert, auf die Toilette zu gehen, indem es zur Belohnung einen Sternaufkleber auf seiner Karte bekommt; ein Vorschulkind wird motiviert, die Regeln der Eltern zu befolgen, um eine Bestrafung zu vermeiden; ein Teenager wird motiviert, zur verabredeten Zeit zu Hause zu sein, um keinen Hausarrest zu bekommen.

    Das oberste Ziel der Erziehung ist natürlich, dass die Kinder zu unabhängigen Erwachsenen heranwachsen, die nicht mehr auf extrinsische Motivation angewiesen sind, um in der Gesellschaft zu bestehen. Schließlich fühlt sich das Kind intrinsisch motiviert, die Toilette zu benutzen, weil es unangenehm ist, in einer schmutzigen Unterhose zu sitzen; es ist freundlich zu seinen Freunden und Geschwistern, weil es moralisch richtig ist und es gute Beziehungen zu ihnen pflegen will; es kommt zu einer angemessenen Zeit nach Hause, damit es gut schlafen kann und am nächsten Tag fit ist.

    In ähnlicher Weise besteht ein langfristiges Ziel der Behandlung von Anorexia nervosa darin, dass die Patientin oder der Patient intrinsisch motiviert ist, gesund zu bleiben und sich zu erholen. Doch während wir darauf warten, dass sich eine intrinsische Motivation entwickelt, ist es völlig in Ordnung und in vielen Fällen sogar absolut notwendig, externe Motivationen zu schaffen, um die Person auf dem Weg zur Genesung vorwärts zu bringen.

    Patienten mit Anorexia nervosa haben in der akuten Krankheitsphase oft keine oder nur eine geringe intrinsische Motivation zur Genesung. Vielmehr sind die meisten Patienten getrieben, ihr Essverhalten fortzusetzen, weil sie durch starke biologische, psychologische und soziale Kräfte dazu gezwungen werden. Aus diesem Grund ist es oft unabdingbar, extrinsische Motivationen zu nutzen, um die Patienten dazu zu bringen, genesungsorientiertes Verhalten an den Tag zu legen, z.B. Mahlzeiten zu essen, Gewicht zuzunehmen, sich nicht zu übergeben und die Termine mit dem Behandlungsteam wahrzunehmen.

    AN-Patienten sind oft gehorsame, regelkonforme Menschen, die es allen recht machen wollen. Wir können diese Eigenschaften positiv nutzen, um die Genesung zu fördern. Häufig berichten Patienten, dass sie essen und zunehmen, um ihre Eltern glücklich zu machen oder um ihren Ärzten zu gefallen. Noch häufiger kommt es vor, dass Patienten sich an die Ernährungsumstellung halten und ihr Idealgewicht beibehalten, um einen Krankenhausaufenthalt zu vermeiden oder den Sport, den sie lieben, weiter betreiben zu können.

    Eltern haben oft Sorgen, dass ihr Kind, wenn es sich selbst überlassen bliebe, sicher zu wenig essen, zu viel Sport treiben, wieder mit dem Erbrechen beginnen und ein weiteres Mal einen Rückschlag erleiden würde. Diese Sorge ist durchaus berechtigt. Genau deshalb brauchen die Patienten lange Zeit nach der Diagnose sehr viel Unterstützung und Überwachung. Im Übrigen besteht dieser Bedarf nach einem hohen Maß an Unterstützung und Überwachung noch viel, viel, viel länger, als es die meisten Behandlungsprogramme vorsehen oder die meisten Versicherungen bezahlen. Einer der Gründe, warum die Patienten so lange viel Unterstützung benötigen, ist, dass eine intrinsische Motivation für die meisten Patienten weder realistisch noch möglich ist, bis sie in der Genesung weiter fortgeschritten sind.

    Während akut erkrankten Patienten oft die Motivation zur Genesung fehlt, sind viele Patienten, die ihr Gewicht wiederhergestellt haben und in ihrer psychologischen Genesung weiter fortgeschritten sind, sehr motiviert, gesund zu bleiben. Meiner Meinung nach gibt es mehrere Gründe für diesen Motivationswandel:

    1. Die Fähigkeit, klarer zu denken, dank eines gut ernährten Gehirns und Körpers.
    2. Reife. Die Patienten werden mit fortschreitender Genesung älter und reifer, und dank eines besser entwickelten präfrontalen Kortex‘ können sie vorausschauend denken, Pläne machen und ihre Absichten durchsetzen.
    3. Perspektive. Patienten in den späteren Phasen der Genesung sind oft durch die Hölle und zurück gegangen. Sie haben sich ihr Leben zurückerobert. Obwohl sie sich vielleicht nicht mehr an die akute Phase ihrer Krankheit erinnern können, wissen sie, dass diese schrecklich war und sie haben nicht die Absicht, dorthin zurückzukehren.
    4. Elterliche Intervention. Eltern, die ihre Kinder bei der Genesung von AN unterstützt haben, sind in der Regel äußerst motiviert, ihnen zu helfen, gesund zu bleiben. Vielleicht noch wichtiger ist, dass die Eltern sich befähigt fühlen, die in der Behandlung erlernten Hilfsmittel und Strategien einzusetzen, um ein Umfeld aufrechtzuerhalten, das der Genesung förderlich ist, und jedem Verhalten, das die Genesung gefährdet, ohne zu zögern Grenzen zu setzen.

    Motivation scheint die natürliche Folge von wiederhergestellter Gesundheit und verbesserter Einsicht zu sein. Sobald ein Jugendlicher oder junger Erwachsener nicht mehr durch die AN belastet ist, beginnt er zu erkennen, wie krank er einst war und wie sehr die AN sein Leben ruiniert hat. Mit der Rückkehr in die Schule, zum Sport, zu Hobbys und zu einem aktiven sozialen Leben beginnt er, sich ein lebenswertes Leben aufzubauen. Dieses neue Leben motiviert ihn, den Genesungsprozess aufrechtzuerhalten. Es hält ihn gleichzeitig davon ab, Verhaltensweisen an den Tag zu legen, die zu einem Rückfall führen könnten.

    Ich habe festgestellt, dass ältere Jugendliche und junge Erwachsene oft motiviert sind, gesund zu bleiben, um ihre Ziele zu erreichen. Sie wollen zum Beispiel Abitur machen, sie wollen im Ausland studieren, sie wollen heiraten und Kinder haben, sie wollen die Welt bereisen, sie wollen ein reiches und sinnvolles Leben führen, welches nicht von aufdringlichen Gedanken über Kohlenhydrate, Kalorien oder den Umfang ihrer Oberschenkel beherrscht wird.

    Wie kann man nun die Motivation von Menschen, die sich von AN erholen, steigern? Nun, intrinsische Motivation muss per Definition von innen heraus wachsen und gedeihen. Sie kann nicht von außen aufgezwungen werden. Es gibt jedoch einige Dinge, die Familienmitglieder und Ärzte tun können, um die Entwicklung einer intrinsischen Motivation zu fördern:

    Der Person helfen, ein erfülltes, reiches und sinnvolles Leben aufzubauen. Erinnern Sie die Person regelmäßig (nicht aufdringlich oder häufig) daran, dass ihr neues Leben ohne kontinuierliche Genesung nicht möglich wäre. Heben Sie die persönlichen Eigenschaften hervor, die der Person geholfen haben, ihre Genesung zu erreichen und aufrechtzuerhalten (z. B. „Du bist ein so starker, mutiger und engagierter Mensch, dass Du es geschafft hast, diese Krankheit zu überwinden“)

    Helfen Sie der Person, ihre Grundwerte zu erkennen und unterstützen Sie sie dabei, ein Leben zu führen, das mit diesen Werten übereinstimmt. Was ist das Wichtigste im Leben? Wie möchte er von seinen Angehörigen nach seinem Tod in Erinnerung behalten werden? Sofern die Person nicht akut an AN erkrankt ist, wird sie wahrscheinlich nicht sagen, dass es zu ihren Grundwerten gehört, schlank zu sein, übermäßig viel Sport zu treiben oder Zucker und Mehl zu vermeiden.

    Die Konzentration auf die Grundwerte und das Streben nach einem sinnvollen Leben sind starke Motivatoren und wirksame Gegenmittel gegen die anorektischen Gedanken, die Zeit zu Zeit auftauchen werden.

    Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
    https://blog.drsarahravin.com/­eating-disorders/­after-weight-restoration-­the-role-of-motivation

  • Elternabende und Lehrerfortbildungen

    Elternabende und Lehrerfortbildungen

    Wir haben ein Paket für Elternabende und ein Paket für die Lehrerfortbildung geschnürt, die in jeweils 90 Minuten einen Einblick in aktuellen Erkenntnisse rund um die Krankheit Anorexie und aktuell empfohlene Therapieansätze geben.

    Lehrkräfte, Medien und Ärzte beschreiben eine augenscheinlich zunehmende Zahl von erkrankten Jugendlichen und gerade Eltern fühlen sich oft hilflos. Eltern, Lehrern und pädagogischen Fachkräften fehlt Wissen, um die Erkrankung Magersucht frühzeitig zu erkennen, um schnell handeln zu können. Wie bei vielen Erkrankungen sind Prävention und Früherkennung ganz entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Behandlung.

    Es werden relevante Themen für Prävention, wie „Gesunde Ernährung, Sport und Bodyimage“ sowie der Einfluss sozialer Medien in Hinblick auf Essstörungen reflektiert und diskutiert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten nützliche Adressen und Informationen, die betroffene Eltern auf ihrem schwierigen Weg weiterhelfen können.

    Die kompletten Ausschreibungen und weitere Informationen:

    Download Ausschreibung Elternabend (PDF) Download Ausschreibung Fortbildung Lehrkräfte (PDF)

  • Elternnetzwerk Magersucht gewinnt startsocial Beratungs­stipendium

    Elternnetzwerk Magersucht gewinnt startsocial Beratungs­stipendium

    Das Elternnetzwerk überzeugte die Juroren mit einem professionellen Webauftritt und der in Deutschland einmaligen Unterstützung durch eine fast 24/7 online Hilfe für betroffene Eltern.

    Unter dem Motto „Hilfe für Helfer“ vergibt startsocial seit 20 Jahren Beratungsstipendien und 25 Auszeichnungen, darunter sieben Geldpreise, an herausragende soziale Initiativen mit dem Ziel, ehrenamtliches Engagement in Deutschland zu stärken.

    In der Bewerbung punktete das Elternnetzwerk Magersucht u.a. mit seinem großen ehrenamtlichen Aufwand, Eltern, Angehörige und Fachleute im deutschsprachigen Raum zu vernetzen und über das Thema Magersucht sowie moderne Behandlungsmethoden aufzuklären.

    Die 100 geförderten startsocial Initiativen kommen aus 15 Bundesländern und wurden von unabhängigen Jurorinnen und Juroren aus 236 Bewerbungen ausgewählt.

    In jeder Wettbewerbsrunde bringen rund 500 Fach- und Führungskräfte als ehrenamtliche Coaches sowie Jurorinnen und Juroren ihr Know-how ein. Hauptförderer sind die Unternehmen Allianz Deutschland AG, Deutsche Bank AG, SAP SE, ProSiebenSat.1 Media SE und McKinsey & Company.

  • Seminar 2022 – Fortbildung Maudsley Methode

    Seminar 2022 – Fortbildung Maudsley Methode

    Dieses systemische Behandlungsmodell betont die Bedeutung einer guten Kooperation mit Familien, ist stärken- und ressourcenorientiert und will zugleich Eltern als auch die betroffenen Jugendlichen stärken.

    In diesem Workshop werden die theoretischen und empirischen Grundlagen des Maudsley Modell von erfahrenen Mitgliedern des Maudsley Centre for Child and Adolescent Eating Disorders/London vorgestellt. Besonderer Wert wird auf die Vermittlung von praktischen Kenntnissen und Behandlungskompetenzen gelegt. Der Workshop gliedert sich in zwei Teile, einen zweitägigen Workshop im Mai und einen weiteren eintägigen vertiefenden Workshop im November, in dem praktische Erfahrungen der TeilnehmerInnen reflektiert und die Umsetzung der Behandlungstechniken vertieft werden.

    Das Seminar findet in englischer Sprache statt. Das Helm Stierlin Institut ist eines der führenden Weiterbildungsinstitute für Systemische Therapie und Beratung in Deutschland.

    Information und Anmeldung:

  • Das Gehirn nach der Gewichts­wiederherstellung

    Das Gehirn nach der Gewichts­wiederherstellung

    Gehirnveränderungen

    AN wird von Stimmungsänderungen und affektiven Störungen des Denkens begleitet. Patienten haben häufig Angst- und Depressionssymptome, die nicht vor der Essstörung aufgetreten sind oder die von der AN verschlimmert werden. Die Minnesota-Studie von Ancel Keys dokumentierte, dass Angstzustände und Depressionen zu den Symptomen gehörten, die bei gesunden Männern auftraten, die sich im Rahmen einer Studie halb zu Tode hungerten.

    Darüber hinaus ziehen sich Menschen mit AN häufig sozial zurück, werden starrer und rigider in ihrem Denken und haben häufig wenig Einsicht in ihre Krankheit.

    Ein Elternteil beschrieb ihre Tochter wie folgt: „Als ob der körperliche Verfall nicht beängstigend genug wäre, wurde sie eine andere und angstauslösende Person. Sie würde lügen und manipulieren, um nicht mehr essen und trainieren zu müssen. Sie würde lügen und manipulieren, um die zunehmende Isolation von Freunden zu erklären. Wenn ich versuchen würde, meinem Ehemann zu berichten, wie es gelaufen sei als ich versucht habe sie zum Essen zu bewegen, dann müsste ich sagen: „Ihr Kopf drehte sich dreimal wie bei einem Exorzisten, und Gift begann aus ihrem Mund zu spritzen.“

    Forschungsergebnisse

    Es besteht allgemeine Übereinstimmung, dass zur Genesung von AN eine Wiederherstellung des Gewichts und eine Rehabilitation des Ernährungsverhaltens erforderlich ist. Dies muss Vorrang vor einsichtsorientierter therapeutischer Arbeit haben. Drei aktuelle Studien zum Gehirn veranschaulichen, warum dies so wichtig ist.

    Eine Studie von Roberto und Kollegen (2010) verwendete MRT-Bildgebungstechniken, um das Gehirn von 32 erwachsenen Frauen mit AN vor und nach der Wiederherstellung des Gewichts (auf 90 Prozent ihres idealen Körpergewichts) zu untersuchen und sie mit dem Gehirn von 21 Frauen zu vergleichen, die nicht an AN erkrankt waren. Die Ergebnisse zeigten:

    • Untergewichtige Personen mit AN hatten im Vergleich zu gesunden Kontrollenpersonen signifikante Defizite beim Volumen der grauen Hirnsubstanz.
    • Diese Defizite beim Volumen der grauen Hirnsubstanz verbesserten sich bei der kurzfristigen Wiederherstellung des Gewichts, normalisierten sich jedoch im Verlauf der 51-wöchigen Studie nicht vollständig.
    • Die Forscher folgerten: „Die Korrelation zwischen BMI und Volumenänderungen lässt darauf schließen, dass das Verhungern bei Patienten mit AN eine zentrale Rolle bei Defiziten im Gehirn spielt, obwohl der genaue Mechanismus, durch den das Verhungern das Gehirnvolumen beeinflusst, unklar bleibt.“

    Eine Studie von Wagner und Kollegen (2005) führte MRT-Gehirnscans bei 40 Frauen durch, die sich langfristig von Essstörungen erholten (Patienten mit AN und Bulimia nervosa). Ihre Genesungsdauer lag zwischen 29 und 40 Monaten (viel länger als in der Roberto-Studie). Die Ergebnisse zeigten:

    • Alle Hirnstrukturen der erholten Frauen waren normal und denen der Kontrollpersonen ähnlich.
    • Diese Studie legt nahe, dass strukturelle Gehirnanomalien bei einer langfristigen Wiederherstellung des Gewichts reversibel sind.

    Eine Studie von Chui und Kollegen (2008) bewertete 66 erwachsene Frauen mit einer AN-Vorgeschichte in ihrer Jugend und verglich sie mit 42 gesunden weiblichen Frauen. Die Teilnehmer erhielten eine MRT und eine kognitive Auswertung. Die Ergebnisse zeigten:

    • Teilnehmerinnen mit AN, die bei niedrigem Gewicht blieben, hatten abnormale MRT-Scans.
    • Patientinnen bei denen das Gewicht wieder vollständig hergestellt wurde, hatten normale Gehirnvolumina.
    • Teilnehmerinnen, die gegenwärtig ihren Menstruationszyklus verloren hatten oder eine unregelmäßige Menstruation hatten, zeigten signifikante Defizite in einem breiten Spektrum von kognitiven Bereichen, einschließlich verbaler Fähigkeiten, kognitiver Effizienz, Lesen, Mathematik und verzögerter verbaler Erinnerung (selbst wenn die strukturellen Gehirnveränderungen abgeklungen waren).

    Wiederherstellung des Gehirns

    Zusammengenommen legen diese Studien ein komplexes Zusammenspiel zwischen Gewichtsstatus, Gehirnstruktur und optimaler Gehirnfunktion nahe. Hirnsubstanz schrumpft tatsächlich während der AN und braucht Zeit, um sich zu erholen. Sechs Monate nach der Wiederherstellung des vollen Gewichts ist das Gehirn oft noch nicht wieder normal aufgebaut. Doch mit genügend Zeit bei einem gesunden Gewicht scheint das Gehirn völlig zu genesen. Die Forschung legt nahe, dass drei Jahre nach dem Erreichen der Gewichtswiederherstellung das Gehirn der meisten Personen wahrscheinlich physisch wieder komplett normal erscheint.

    Obwohl des Gehirns nach der Gewichtswiederherstellung wieder normal aussieht, ist die normale Funktion des Gehirns möglicherweise noch nicht wiederhergestellt. Es scheint, dass die Menstruationsfunktion ein besserer Anzeiger für die kognitive Erholung ist als das Gewicht (bei Frauen), und dass die volle kognitive Funktion möglicherweise erst wieder hergestellt wurde, wenn die Menstruation mindestens sechs Monate lang aufrechterhalten wurde. Dies ist ein Grund, warum die Rückkehr und fortgesetzte Menstruation ein so wichtiger Marker für die Genesung ist.

    Eltern von Patienten mit Anorexie berichten von einem Zeitraum von sechs Monaten bis zu 2+ Jahren, in dem eine vollständige „Hirnheilung“ stattfindet. Was Eltern normalerweise meinen, wenn sie über Hirnheilung berichten, ist, dass sie einen verbesserten Zustand bemerken, „als ob der Patient aus einem Nebel herauskommt.“ Darüber hinaus berichten Eltern, dass Hirnheilung Veränderungen in der Stimmung und im Verhalten mit sich bringt, in denen Patienten stabiler erscheinen bei ihrer Genesung und „zurück zu ihrem früheren (vor der Krankheit) Selbst finden“. Ein Buch für Eltern trägt sogar den Titel „Mein Kind ist zurück“.

    Es ist wichtig, die Zwickmühle einer AN-Erholung zu erkennen. Personen mit AN sind in der Regel kognitiv beeinträchtigt und benötigen eine längere Zeit bei einem gesunden Gewicht, damit sich die kognitiven Beeinträchtigungen vollständig verbessern können. Zum Teil sind es jedoch die kognitiven Symptome von AN, die die Betroffenen zu der Annahme bringen, dass „nichts falsch“ mit ihnen ist, und so die Behandlung ablehnen, was als „Anosognosie“ bezeichnet wird.

    Implikationen für Patienten und Familien

    Laut Dr. Ovidio Bermudez, Chief Clinical Officer und Ärztlicher Direktor der Abteilung für Kinder- und Jugendhilfe im Eating Recovery Center in Denver, können es sich Eltern und Behandler nicht leisten, bei der Gewichtszunahme Kompromisse einzugehen. Dr. Bermudez lehrt, dass kranke untergewichtige Patienten zuerst eine „Gehirnrettung“ benötigen, damit dann „Psychotherapie und Verhaltensänderungen einen Unterschied machen können“.

    Dies ist wahrscheinlich ein Grund dafür, dass FBT (Familienbasierte Therapie) für jüngere Patienten häufig erfolgreicher ist als eine konventionelle Therapie. Eltern müssen häufig die schwere schwere Arbeit für ihre Kinder tun, die unterernährt sind. Es zeigt auch die Herausforderung der Behandlung für ältere Patienten mit Anorexie, die möglicherweise versuchen, sich mit einem verhungernden Gehirn zu erholen. Untersuchungen belegen, dass Personen nur mit einer vollständigen und dauerhaften Gewichtszunahme in der Lage sind, ihre eigene Genesung aufrechtzuerhalten.

    22.05.2020 Lauren Muhlheim, Psy.D., FAED, CEDS-S
    https://www.verywellmind.com/brain-starvation-and-recovery-in-anorexia-nervosa-1138303
    Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.

  • Setzen wir die Zielgewichte zu niedrig an?

    Setzen wir die Zielgewichte zu niedrig an?

    Sie wies darauf hin, dass Definition von Genesung die folgenden drei Bereiche umfassen sollten und schlug folgende Kriterien für jeden Bereich der Genesung von Essstörungen vor:

    • Körperlich – definiert als BMI größer als 18,5
    • Verhalten – definiert als Abwesenheit von Essanfällen, Erbrechen, Abführmittelgebrauch oder Fasten innerhalb der letzten 3 Monate
    • Kognitiv – definiert als EDE-Q Subskalen innerhalb von 1 Standardabweichung der altersentsprechenden Normen (Anm. der Redaktion.: es handelt sich um einen speziellen Fragebogen für strukturierte Essstörungsinterviews: https://econtent.­hogrefe.com/­doi/abs/10.1026/­0012-1924.53.3.144?j­ournalCode=dia)

    Moment mal – das Gewichtskriterium, das in den meisten Studien zur Definition der Genesung von Anorexia nervosa verwendet wird, ist ein BMI von nur 18,5?

    Die meisten Teilnehmer im vollbesetzten Plenarsaal waren sich einig, dass ein BMI von 18,5 für die Genesung von Anorexia nervosa ein zu niedriges Kriterium ist, um alle Menschen für genesen zu erklären. Ich stimme Laura Collins Lyster-Mensh (Anm. der Redaktion: Gründerin von FEAST, Essstörungsaktivistin, Authorin) zu, die die folgenden Tweets machte:

    • Ist es nicht möglich, dass wir durch die Festlegung von Zielgewichten am unteren Ende der Skala in chronischen psychischen Erkrankungen festhalten.
    • Das Festlegen von niedrigen, generellen bevölkerungsbasierten Gewichtszielen für ALLE ESSSTÖRUNGEN bedeutet Gewichtsreduzierung und Fehlernährung und verhindert die psychiatrische Genesung für alle, außer für diejenigen, die genetisch für einen kleineren Körper ausgelegt sind.

    Ich stimme dem völlig zu. Wenn wir zudem anerkennen, dass Anorexie bei Menschen mit höherem Gewicht auftreten kann – ein Phänomen, das oft und problematischerweise als „Atypische Anorexie“ bezeichnet wird -, sollte dann nicht ein BMI-Zielwert von nur 18,5 zugunsten von individualisierten Zielgewichten aufgegeben werden?

    In der Tat war der Gewichtsabnahme-Forscher Michael Lowe bei der Plenarsitzung anwesend. Während der Frage- und Antwortrunde schlug er vor, dass wir statt einer kategorischen Definition von Zielgewichten (eine einzelne BMI-Zahl) individuelle Zusammenhänge verwenden sollten – zum Beispiel den BMI des erholten Patienten im Verhältnis zu seinem BMI vor der Krankheit.

    Wie werden Zielgewichte ermittelt?

    Leider gibt es kaum einen Konsens darüber, wie man feststellt, ob ein Patient mit einer restriktiven Essstörung ein genesenes oder gesundes Gewicht hat. Dies wirkt sich auf Forschung und Praxis aus. Wenn Forscher die Genesung anhand eines BMI von 18,5 definieren und dieses Gewicht für viele Menschen mit Magersucht tatsächlich zu niedrig ist, was bedeutet das dann für Forschungsstudien? Zum einen wird in klinischen Studien dann ein zu großer Prozentsatz von Menschen als „genesen“ eingestuft, was zeigt, dass unsere Behandlungen noch weniger erfolgreich sind, als wir glauben.

    Aber es hat noch größere Auswirkungen auf das Potenzial der Patienten, wirklich zu genesen. Wenn wir die Erholungswerte höher ansetzen, werden vielleicht mehr Menschen bis zur vollständigen Genesung behandelt. Wenn wir den BMI so niedrig ansetzen, bedeutet das, dass wir nicht darauf bestehen, dass alle Menschen ihr Gewicht vollständig wiedererlangen. Wie Laura Collins hervorhebt, hat dies zur Folge, dass nur diejenigen, die das Privileg haben, in genetisch kleineren Körpern zu leben, tatsächlich Genesung erreichen können.

    Und was sind die Auswirkungen für Praktiker? Es gibt vielleicht noch keine etablierte Methode, um ein Genesungsgewicht zu bestimmen – folglich werden viele Patienten vielleicht nie genesen. Wenn wir anerkennen, dass das Erreichen eines gesunden Körpergewichts eine Voraussetzung für eine vollständige psychische Genesung ist, dann verdammen wir viele Menschen mit größeren Körpern zu einem Leben im Fegefeuer, weil sie nicht „ausreichend krank“ sind, um eine intensive Behandlung zu erhalten, sie werden niemals eine vollständige Genesung erreichen.

    In einer kürzlich erschienenen Arbeit befragten Jocelyn Lebow, Leslie A. Sim und Erin C. Accurso 113 Anbieter von Behandlungen für Kinder und Jugendliche mit Essstörungen nach den Methoden, die in der klinischen Praxis zur Bestimmung der Gewichtswiederherstellung verwendet werden. Ihre Ergebnisse zeigen:

    • 40,7% der Behandler verwendeten Wachstumskurvendaten
    • die übrigen (fast 60%) verwendeten eine Vielzahl von Ansätzen
    • Anbieter, die sich auf FBT spezialisiert haben, verwendeten signifikant häufiger einen individualisierten Ansatz als solche, die Präferenzen der Jugendlichen berücksichtigen

    Lebow und Kollegen schlossen daraus:
    Obwohl es ein gewisses Maß an Befürwortung für die Verwendung von Wachstumskurven zur Vorhersage des zu erwartenden Körpergewichts gibt, ist dies keine allgemeingültige Praxis und steht im Widerspruch zu den in Behandlungsstudien verwendeten Methoden. Das Fehlen einer evidenzbasierten Methode zur Berechnung des erwarteten Körpergewichts – oder sogar eines Konsenses über die beste Vorgehensweise bei der Berechnung dieser Zahl – ist ein großes Versäumnis in diesem Bereich, das empirische Aufmerksamkeit erfordert.

    Aus welchem Grund könnten die Zielgewichte zu niedrig angesetzt sein?

    Einige der Gründe, warum die Zielgewichte zu niedrig ansetzen sein könnten:

    • Kein empirischer Konsens oder Richtlinien für die Festlegung des Zielgewichts
    • Mangel an verfügbaren Wachstumsdaten, um ein individuelles Zielgewicht zu bestimmen
    • Finanzielle Einschränkungen – Versicherungsgesellschaften reduzieren die Kosten durch niedrigere Behandlungsgrenzen, was durch niedrigere Gewichtsziele erleichtert wird
    • Widerstand der Patienten – um ein höheres Gewicht zu erreichen, müssen größere Widerstände und Ängste des Patienten und manchmal auch der Familie gegenüber einem höheren Gewicht überwunden werden.
    • Gewichtsstigmatisierung – selbst Behandlungsanbieter können anfällig für den Krieg der Gesellschaft gegen Fettleibigkeit sein und sich daher auf die Seite der Unterversorgung eines Teenagers in der Genesung schlagen.

    Eine Mutter reagierte auf meine Konferenz-Tweets (18,5 BMI als Genesungsziel zu niedrig) und twitterte das Folgende:

    • Es ist wichtig, dass alle Fachleute die Notwendigkeit eines höheren Zielgewichtes verstehen. Bei der Genesung geht es um den Zustand des Patienten, nicht um das Gewicht („state not weight“). So viele Eltern wissen das, geraten aber an unwissende professionelle Unterstützer, die ihre Arbeit untergraben.
    • Wenn Fachleute eine Rückkehr zu den ursprünglichen Wachstumsmustern vor der Essstörung in Bezug auf Größe und Gewicht als Wiederherstellung des Gewichts betrachten, dann sagen wir Eltern: das ist falsch. Die Stimmen der Essstörung sind bei diesem Gewicht sehr laut. Wir empfehlen zumindest für die ersten Jahre der Genesung eine zusätzliche Gewichtszunahme von 10%. Das bringt die Stimme der Essstörung zum Schweigen und die Genesung der Patienten ist eher wahrscheinlich.
    • Ich möchte, dass alle derzeitigen Fachleute weltweit dies verstehen. Es gibt so viele Eltern in unserer internationalen Gruppe, deren Fachleute das nicht verstehen. Vielleicht ist es nicht offiziell untersucht worden, aber anekdotisch beobachten wir dieses Phänomen sehr oft.
    • Wenn es nicht Teil ihrer Ausbildung ist, dann sollten professionelle Unterstützer den Eltern zumindest zuhören und sie dabei unterstützen. Wir sind genauso an der Genesung unserer Kinder interessiert wie sie.
    • Es dauert eine Weile, bis auch die Eltern es kapieren. Es ist frustrierend für Fachleute, wenn Eltern diesen Ansatz untergraben. Ich war entsetzt über das erste vorgeschlagene Zielgewicht und hatte Angst, dass mein Kind dick gemacht wird. Aber ich wurde ziemlich schnell aufgeklärt, öffnete meine Augen und erkannte, dass ich weiter gehen musste, um eine vollständige Genesung zu erreichen.

    Stephanie Zerwas, Ph.D. (nicht auf der Konferenz) meldete sich über Twitter und fragte die Eltern:

    Was hat Ihnen als Eltern geholfen, „das zu verstehen“? Eltern glauben oft, dass ein wenig Untergewicht ihrem Kind helfen kann, sich keine Sorgen über eine Gewichtszunahme zu machen, ohne zu erkennen, dass dies die Kinder in der Schwebe hält und hypervigilant macht.

    Die Eltern haben geantwortet:

    • Was uns Eltern geholfen hat, „es zu verstehen“, war zu sehen, wie diejenigen in unserer Selbsthilfegruppe, die mutig genug waren, ihre Kinder auf ein höheres Gewicht zu bringen, berichteten, dass die Stimmen der Essstörung ihrer Kinder endlich verstummten. Wir wiederholen es immer wieder: „state not weight“ = Genesung und erkannten, dass die Zielgewichte meist zu niedrig angesetzt sind.
    • Zu viele Eltern sind verärgert darüber, dass Fachleute für Essstörungen sagen, dass ihre Kinder genesen sind und nicht auf sie hören, wenn sie sagen, dass ihre Kinder immer noch verletzlich sind, anorektische Verhaltensweisen benutzen und ein höheres Gewicht brauchen. Das ist die Macht der Elterngruppen. Wir wissen, dass sich das ändern muss.
    • Manche Eltern verstehen auch nicht, dass die Wiederherstellung des Gewichts ein bewegliches Ziel ist. Sie kommen in unsere Gruppen und behaupten, ihr Kind sei gewichtsmäßig wiederhergestellt, haben aber immer noch zu kämpfen und klammern sich oft an ein vor Jahren gesetztes Gewichtsziel. Es gibt kein „wiederhergestelltes Gewicht“ in der Genesung von Essstörungen, nur einen „wiederhergestellten Zustand“.
    • Wir sehen, dass diese zusätzlichen 10% bei vielen unserer Kinder, die immer noch mit essgestörtem Verhalten kämpfen (bei wiederhergestellten Wachstums-Perzentilen) sehr effektiv sind. In der Zwischenzeit, solange die Patienten noch kämpfen und die Eltern dies wollen, sollten wir unterstützt werden. Aber ja, her mit den Studien!!

    Was sagen Eltern über Zielgewichte?

    Da ich der Meinung bin, dass Eltern ihre Kinder am besten kennen und eine ungenutzte Ressource sind, um dieses Thema weiter zu untersuchen, habe ich Eltern auf Twitter gebeten, ihre Erfahrungen mit zu niedrig gesetzten Zielgewichten zu teilen. Ich erhielt eine überwältigende Antwort. Im Folgenden finden Sie einige Auszüge dessen, was mir Eltern geschickt haben:

    Bei ihrem niedrigsten Gewicht hatte unsere Tochter einen BMI von 21,9. Unser Arzt sagte uns: „Sie hat kein magersüchtiges Gewicht.“ Derzeit hat sie einen BMI von 31,6. Wir hatten das Gefühl, dass ihre Art zu Denken begonnen hat sich zu ändern, als sie bei einem BMI von 29,5 war.

    Als meine Tochter 17 war, verlor sie 25 Pfund. Auf dem niedrigsten Stand fiel ihr BMI nie unter 20. Dennoch war sie extrem krank. Nachdem sie etwa 14 Pfund wieder zugenommen hatte, kehrte ihre Periode zurück, aber ihr „Zustand“ war immer noch furchtbar. Sie befindet sich jetzt in einem Bereich von BMI 25,5 bis 26. Der Unterschied, den diese letzten 5 Pfund gemacht haben, war erstaunlich. Ihre Einsicht und Flexibilität ist viel höher. Erstaunlicherweise ist sie mit sich und ihrem Körper zufriedener, je höher ihr Gewicht ist. Wenn ich zurückdenke, bin ich dankbar, dass uns niemand gesagt hat, sie sei „genesen“, als sie ihre Periode wieder bekam. Sie musste gemäß ihrer persönlichen Wachstumskurve wieder auf die 80 bis 85% kommen und bleiben. Im Alter von fast 20 Jahren ist sie dann noch ein bisschen gewachsen. Wenn das kein Beweis dafür ist, dass sie mehr Gewicht brauchte, dann weiß ich nicht, was es ist! Ich höre in unserer Gruppe so viele Geschichten von Eltern, denen gesagt wird, dass sie zu früh mit der Gewichtswiederherstellung aufhören sollen. Fachkräfte fühlen sich im Allgemeinen nicht wohl dabei, die Gewichte wieder auf oder über die persönliche Wachstumskurve zu schieben. Wir haben Glück, dass unser Team eine Ausnahme war! In unserer Online-Selbsthilfegruppe haben wir immer wieder gesehen, dass höhere Gewichte einen Unterschied machen. Und das zusätzliche Gewicht ist in der Regel mit einem geringen Risiko verbunden.

    Bei meiner Tochter wurde im Alter von 10,5 Jahren Anorexie diagnostiziert. Das ursprüngliche Ziel war es, meine Tochter bei einem BMI von 15,5 auf einen BMI von 18 zu bringen. In den nächsten 2,5 Jahren benötigte meine Tochter 6.000 Kalorien pro Tag und eine sehr fettreiche Ernährung. Sie wuchs fast 15 cm, durchlief die volle Pubertät und verdoppelte ihr ursprüngliches Körpergewicht. Als sich ihr Wachstum verlangsamte und ihr Stoffwechsel sich stabilisierte, konnten wir ihr Gewicht auf einen BMI von etwa 22 bringen, und dann begann die WAHRE GENESUNG . Sie begann, „extra“ zu essen. Sie begann, nach Dingen zu fragen. Sie begann, selbstständig zu essen. In den letzten 4 Jahren hat sie auf natürliche Weise etwa 20 bis 25 Pfund zugenommen. Ihr BMI liegt jetzt bei 24 – 25 und sie ist zu 100% gesund. Sie isst intuitiv, unabhängig und berichtet, dass sie frei von der Stimme der Essstörung ist. Fette, hohe Kalorien und ein VIEL höheres Gewicht waren wesentlich, um unsere Tochter in die Genesung zu bringen. Wenn ich auf die „Experten“ gehört hätte, glaube ich, dass sie immer noch kämpfen würde.

    Meine Tochter hatte im Alter von 13 Jahren einen BMI von 24,2, als sie anfing, exzessiv zu trainieren und sich einzuschränken. Sie verlor ein Viertel ihres Körpergewichts in 7 Monaten und unser neuer Kinderarzt sagte ihr, sie solle 10 Pfund zunehmen und in 6 Wochen wiederkommen. Wir fütterten sie 6 Mal am Tag mit insgesamt 4.000 Kalorien. Sie bekam schließlich ihre Periode bei einem BMI von 21,8 und innerhalb weniger Monate hatte sie sehr große Angstzustände und das Behandlungs-Team schlug vor, dass es an der Zeit sei, zu Trainieren zu beginnen. Meine Online-Selbsthilfegruppe verbrachte viel Zeit damit, mir zu helfen, meine eigene Fettphobie zu verstehen, und arbeitete hart daran, mir zu helfen, ein höheres Zielgewicht festzulegen. Meine Tochter wuchs um weitere acht Zentimeter. Sie hat jetzt einen BMI von 23,5 und das ist das gesündeste, was ich je gesehen habe. Wenn ich auf die Spezialisten gehört hätte, wäre sie genauso krank wie vorher.

    Bei ihrem niedrigsten Gewicht und ihrem kränksten Zustand lag der BMI meiner Tochter bei 19,3. Wir sahen Verbesserungen in ihrem Zustand, als sie über BMI 25 und somit im Bereich „Übergewicht“ war. Hätte ich eine Reduzierung ihrer Nahrungsaufnahme bei einem BMI von 23 erlaubt, als es mir vorgeschlagen wurde, wäre meine Tochter in einem ewigen Fegefeuer der Essstörung gewesen.

    Der aktuelle BMI meiner Tochter liegt bei 24,6. Wenn sie darunter liegt oder mehr Muskeln als Fett hat, ist es, als ob ihr Körper in den „Hungermodus“ geht und sie wird ganz furchtbar und launisch und ihre Periode verzögert sich.

    Meinem Sohn wurde von seinem Arzt ein Ziel-BMI von 19 vorgegeben. Das war nicht von einer Wachstumstabelle, sondern von einer generischen BMI-Tabelle. Mein Sohn fühlte sich bei diesem BMI noch sehr unwohl. Die Gedanken waren sehr stark, und der Wunsch, sich einzuschränken, war groß. Er lebte Halb-Leben, gequält von der Magersucht. Er warf sein Essen weg und manipulierte sein Gewicht. Seine Klinikerin beharrte darauf, dass er nicht mehr Gewicht und nicht mehr Essen brauche, obwohl ich sehen konnte, dass er tatsächlich hungerte. Sie würde mich nicht dabei unterstützen, sein Gewicht zu erhöhen oder seinen Essensplan zu erweitern. Meine Online-Selbsthilfegruppe warnte mich, dass dies ein häufiger Fehler bei Klinikärzten sei. Ich bekam meinen Sohn (mit großen Schwierigkeiten, nachdem die Klinikerin darauf bestanden hatte, dass niedriger in Ordnung sei), auf einen BMI von 24. Wir haben nie zurückgeblickt. Wir haben unser Kind zurück, er ist 16 Jahre alt, er ist seit einiger Zeit in einer sehr starken Genesung. Ich weiß, dass das zusätzliche Gewicht das ist, was er brauchte, um die Genesung zu sehen. Er lebt jetzt ein normales Teenagerleben, ist glücklich und voll funktionsfähig. Wir sind jetzt im dritten Jahr, und er braucht immer noch 3 Mahlzeiten und 2 Snacks pro Tag mit mindestens 4.000 Kalorien, um in der Genesung zu bleiben. Wir verdanken die Genesung unseres Sohnes den wunderbaren Ratschlägen von Eltern, die vor uns in unserer Situation waren. Sie wussten von anderen Eltern vor ihnen, dass ein allgemeiner BMI-Wert keine Genesung bedeutet. Genesung ist ein Zustand und nicht ein Gewicht. Das macht auch absolut Sinn. Schließlich erwarten wir auch nicht, dass jeder die gleiche Schuhgröße hat.

    Bei meiner Tochter wurde vor ca. 18 Monaten Atypische Anorexie diagnostiziert und es ging ihr mit einem BMI von 19 sehr schlecht. Ich habe mich einer Selbsthilfegruppe angeschlossen, kurz bevor sie sich in Behandlung begab. Zum großen Teil aufgrund der anekdotischen Ratschläge und Erfahrungen anderer in der Gruppe war ich der festen Überzeugung, dass wir mein Mädchen auf ihr eigenes, individuelles Gewicht zurückbringen müssen, nicht auf einen bestimmten BMI oder eine bestimmte Zahl. Glücklicherweise war unser Behandlungs-Team damit einverstanden, dass ich mit diesem Ansatz die Führung übernahm, und wir förderten die Gewichtszunahme bis zu dem Punkt, an dem ihr Verhalten nachließ und sich ihr Gewicht auf natürliche Weise von selbst einpendelte, ohne dass sie ihre Nahrungsaufnahme reduzierte. Das endete bei einem BMI von etwa 26, was die meisten Kliniker meiner Meinung nach nicht unterstützen würden. Aber ich habe wirklich mein glückliches Mädchen zurück, und ich bereue kein einziges dieser zusätzlichen Kilos. Ihr Körper hat sich auf ein Gewicht eingependelt, bei dem es ihr sehr gut geht. Ich glaube, wenn man uns eine Obergrenze vorgegeben hätte, die sie nicht überschreiten konnte, hätten wir sie noch viel länger unnötig in ihrer Magersucht gefangen gehalten.

    Meine Tochter schien sich erst dann wirklich zu erholen, als sie einen BMI von 23,5 erreichte. Das war höher, als es den Fachleuten angemessen erschien, aber ich ging mit halbem Vertrauen vor (nachdem ich die Ergebnisse von höheren Gewichten bei anderen Patienten durch die Geschichten ihrer Betreuer gesehen hatte) und das wurde auch nie in Frage gestellt. Vor diesem höheren BMI kämpfte sie so sehr mit Essstörungs-Gedanken und -Verhaltensweisen – sehr wenig konnte zu ihr durchdringen…. Therapie, Gespräche, Coaching, nichts war sehr hilfreich… nur ERNÄHRUNG, in größeren Mengen, als einige Fachleute empfehlen (speziell in Bezug auf Fette – Avocados, Ghee/Butter, Olivenöl). Bei BMI 23,5 schien sich einfach etwas zu „bewegen“. Sie begann, für sich selbst zu sorgen. Sie hatte immer noch viele anorektische Verhaltensweisen und -gedanken, konnte diese aber die meiste Zeit beiseite schieben. Sie verlor die meisten ihrer Probleme mit dem Körperbild und begann, nach Essen außerhalb des Essensplans zu fragen – vor allem nach Dingen, die sie früher genossen hatte (Schokolade usw.). Unglaublicherweise begann sie, nach MEHR Essen zu fragen. Der Konsens unter den Betreuern in den Gruppen scheint zu sein, dass 22-25 BMI der Punkt ist, an dem die meisten Betroffenen echte Fortschritte bei der Genesung sehen. Es ist sehr, sehr selten, dass BMI unter 22 erfolgreich ist, zumindest wenn man in den Peer-to-Peer-Selbsthilfegruppen für Pflegende fragt wird. Meistens scheint es, als ob 23-24 der „sweet spot“ für viele ist. Meine Tochter ist bei diesem BMI (knapp 24) seit fast 6 Monaten geblieben.

    Zusammenfassung einer Umfrage einer Online-Selbsthilfegruppe

    Eine Online-Selbsthilfegruppe führte ihre eigene Umfrage durch: „Bei welchem BMI haben Sie eine echte Genesung erlebt?“
    Hier sind die Antworten (beachten Sie, dass die meisten von ihrem Arzt einen Ziel-BMI von 19 vorgegeben bekamen und dagegen ankämpfen mussten oder sich von ihrem Behandlungs-Team abwenden mussten, um ihr Kind in die Genesung zu bringen):

    • BMI 21-22: 4
    • BMI 22: 3
    • BMI 22-23: 4
    • BMI 23: 1
    • BMI 23-44: 5
    • BMI 24: 4
    • BMI 24-25: 4
    • BMI 25: 4

    Von den 29 Befragten hat keiner sein Kind bei BMI 19 ODER 20 in die Genesung gebracht.

    Zusätzliche Quellen

    Jocelyn Lebow, Leslie A. Sim & Erin C. Accurso (2017): Is there clinical consensus in defining weight restoration for adolescents with anorexia nervosa?, Eating Disorders, DOI: 10.1080/10640266.2017.1388664

    11.05.2018 Lauren Muhlheim, Psy.D., FAED, CEDS-S
    https://www.eatingdisorder­therapyla.com/­are-we-setting-­recovery-weights-too­-low/
    Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.

  • Keine Angst vor Fearfood!

    Keine Angst vor Fearfood!

    Aber wogegen kämpfen wir eigentlich beim Thema Fearfood, gegen die Angst vor einem Nahrungsmittel, gegen eine Süssigkeit, eine Coca Cola, gegen ein Krankheitssymptom oder gar gegen ein gesellschaftliches Phänomen?

    Diätwahn, soziale Netzwerke und riskante Verhaltensweisen – die Schlankheisepedemie

    Es handelt sich bei der Anorexie keineswegs um eine ansteckende Krankheit, wie manche magersüchtige Teenager befürchten. Was übertragen und ansteckend wirkt, ist die in ihr verborgene Ideologie und es sind die damit einhergehenden riskanten Verhaltensweisen. Die Angst vor dem Dicksein und das Dünnsein als oberster Wert der Teenagerkultur und nicht nur der Teenager sondern auch erwachsener junger Frauen, sind Mythen.

    Sie sind Teil eines beinahe religiösen Kults – Ernährungstrends, Diäten, eine Welt in Light, ZERO-Zucker, Gesund, Vegan, Rituale. Die Indoktrination der Kinder und Jugendlichen erfolgt über die Medien, sozialen Netzwerke, die Schule, durch das Elternhaus und nicht zuletzt durch die Mädchen selbst.

    Die Gesellschaft hat in den letzten Jahrzehnten ihre Aufmerksamkeit – und damit auch die Werbung – auf den weiblichen Körper und allmählich auch auf das Teenager-Mädchen gelenkt. Die schlanke Teenagerin ist das Identifikationsmodell schlechthin. Von Mädchen und jungen Frauen wird erwartet, dass sie sich diesem Modell anpassen WOLLEN. Ein Teil der Heranwachsenden akzeptiert diese Herausforderung. Er fühlt sich nahezu verpflichtet diesem Vorbild zu folgen (vgl. Toro J. Riesgo y causas de la anorexia nerviosa. 1ª ed. Barcelona: Ariel; 2004)

    Die Schlankheitsepidemie wird von Mensch zu Mensch weitergegeben, durch Druck, Identifikation, Nachahmung und nicht zuletzt auch durch Wettbewerb. Es gibt Mädchen, die Überträgerinnen sind, die ansteckend wirken und andere, die anfällig für eine Ansteckung sind. Diejenigen, die mit einem hohen Body-Mass-Index (BMI) in die Pubertät kommen, mit ihrem Körper unzufrieden sind, und das Leben sehr ernst nehmen, sind am meisten gefährdet. (vgl. Huon G. et al. Accounting for differences in dieting status: steps in the refinement of a model. Int J Eat Disord 1999; 26 (4): 420-33)

    Dieser gesellschaftliche Kontext lässt sich beim Thema Fearfood nicht ausblenden. Und es stellt sich in der Folge auch die Frage, wie sieht das eigentlich bei mir selbst aus? Welchen Ernährungstrends folge ich? Habe ich Fearfoods? Wie steht es um meine eigene Einstellung zum Essen? Für welche Coca Cola entscheide ich mich? Light, Zero? Und abends, doch lieber das Salätchen statt der Pizza? Ernähre ich mich vegetarisch oder gar vegan? Wie ist das mit dem Zucker im Müsli? Vielleicht bin ich Befürworter einer Ernährungsampel? Ist mir eine gesunde Ernährung wichtig?

    Bevor man sich überhaupt mit dem sogenannten Refeeding und Fearfoods beschäftigt, macht es Sinn, sich zu allererst mit seinen eigenen Ernährungsangewohnheiten, Einstellungen und Ritualen auseinanderzusetzen. AN stellt für einige Jahre unser Leben auf den Kopf. Sie ist der ungewünschte Gast, der kommt ohne anzuklopfen und er kommt, um zu bleiben. Er kommt mit den gleichen gesunden Ideen, Ritualen, Trends und Anschauungen, die ich vielleicht vor einiger Zeit noch selbst gutgeheissen habe oder noch immer gutheisse. Und dies bedeutet in vielen Fällen ein Umdenken auf ganzer Linie:

    Es gibt ab jetzt keine ungesunden Lebensmittel! Essen ist nun Medizin für mein Kind!

    Um gesund zu werden MUSS mein Kind wieder ALLES essen können! Gesund werden heisst sämtliche Restriktionen aufgeben! Gesund werden heisst, essen, in Mengen, die ich mir bisher vielleicht nicht vorstellen konnte! Es bedeutet auch eigene Essgewohnheiten umzustellen. Ein Refeeding klappt nicht, wenn ich selbst beim Abendessen im Salat herumstochere, ein Refeeding braucht meine Mitarbeit und die Mitarbeit der gesamten Familie. Refeeding heisst Vorbild sein, Essen geniessen, mal über die Stränge schlagen ohne wenn und aber, ohne schlechtes Gewissen. Refeeding heisst keine Angst vor den eigenen Fearfoods. All das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass mein Kind überhaupt eine Chance hat wieder gesund zu werden.

    Das Thema Fearfood ist in den meisten Fällen eine lange Reise mit vielen Haltestellen, Richtungsänderungen und Entgleisungen. Es kann zusätzlich nicht aus dem Kontext der gesamten Ernährungsstrategie gelöst werden.

    Voraussetzung für eine Genesung ist zu allererst ein Auslöschen des krankhaften Essverhaltens und eine Wiederherstellung eines ausgewogenen Ernährungsverhaltens, zu dem eben genau diese Fearfoods gehören. Eine vegetarische und vegane Ernährung ist im Falle einer AN kontraindiziert. Wird Essen als Medizin betrachtet, dann gehören auch Fleisch, Fisch und Eier dazu. Hinzu kommt, dass im Jugendalter die Veränderung des Essverhaltens hin zu einer vegetarischen Ernährung nicht selten die Eingangstür zu einer Essstörung öffnet.

    Wie erreicht man nun ein ausgewogenes Ernährungsverhalten? In unserer Therapie geschieht das durch eine über Monate -in einigen Fällen Jahre- andauernde Umkonditionierung des Essverhaltens, anfänglich über einen Essensplan und feste Regeln bei der Zusammenstellung der Nahrungsmittel und der jeweiligen Mengen. Aber wie sieht das genau aus?

    Fearfood von Beginn der Behandlung an

    Bei uns in Spanien erhält das Kind bereits in der Klinik einen sehr ausgewogenen Essensplan, der eine Menge Fearfoods enthält, mit denen das Kind, nach einer kurzen Schonkostphase konfrontiert wird. Der Grundstein für das Essen in der folgenden ambulanten Phase, auch von Fearfoods, wird in der Klinik gelegt. Das Kind muss essen, es ist alternativlos.

    Es hat 20-30 Minuten für die Nebenmahlzeiten und 45 Minuten für die Hauptmahlzeiten. Schafft es das Kind nicht, in dieser Zeit alles, wirklich alles zu essen und das Öl aus dem Salatschüsselchen zu trinken, bekommt, es einen Shake. Trinkt es auch diesen nicht, wird es sondiert. Es gibt keine Möglichkeit nicht zu essen, keine Möglichkeit die Nahrung zu verweigern.

    Wenn in Spanien das Kind dann nach ca. fünf Wochen aus der Klinik wieder nach Hause kommt, wird es Pommes, Pizza, Pudding, Eis, frittierte Calmares, mit Käse überbackene Nudeln, Aufläufe mit Sossen, Kuchen, Kekse usw. essen. Die Kinder KÖNNEN von Anfang an alles essen. Sie können bereits nach kurzer Zeit wieder grosse Mengen essen. Über einen langen Zeitraum gibt es feste Regeln, z.B. drei verschiedene Frühstücksalternativen, bei den Hauptmahlzeiten (mittags und abends warm) immer Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise und Brot auf unterschiedlichen Tellern serviert, fünf Mahlzeiten täglich, alle drei bis vier Stunden etwas essen. Das AUGE muss lernen, das Kind muss ein Gefühl für die Mengen visuell regelrecht antrainiert bekommen, da sich das Hungergefühl in manchen Fällen erst nach 1-2 Jahren oder später einstellt. Solange das Kind kein Hungergefühl verspürt, wird es kaum in der Lage sein eigenständig über Mengen zu entscheiden. Es braucht visuelle Hilfen. Hier wird, sobald der Essensplan abgebaut ist, mit der sogenannten Faustregel gearbeitet, die den Kindern vor allem ausserhalb der eigenen vier Wände das Essen erleichtern soll, z.B. in der Schulmensa: eine Faust Fleisch, Fisch oder Eier, eine Faust Kartoffeln, Reis oder Nudeln, eine Faust Gemüse, dazu Salat, Brot und ein Nachtisch.

    Innerhalb der Fearfoods gibt es für mich ganz klar die MUSS-Foods und die KANN-Foods, bei denen ich mich aus meiner Erfahrung nicht stressen würde. Zu bedenken ist ebenfalls, dass die Art der Zubereitung, die ja auch häufig angstbesetzt ist, im Wochenverlauf variiert.

    Von Anfang an stehen hier folgende Lebensmittel auf dem Plan. Sie sollten möglichst zu Beginn des Refeedings in den Ernährungsplan integriert werden.

    Die MUSS-Foods:

    • Fleisch, Fisch, Eier
    • Kartoffeln (frittiert, gekocht, überbacken), Reis, Nudeln
    • Eintöpfe, Kartoffel- und Gemüsepürees
    • Aufläufe
    • Gemüse, Obst, Nüsse
    • Brot, Müsli, Kuchen, Kekse, Sandwich
    • Butter, Öl
    • Marmelade, Honig
    • Milch, Kakao, Joghurt, Shakes verschiedener Geschmacksrichtungen, Pudding, Flan, Eis, Sahne
    • Käse, Wurst, Schinken
    • Säfte
    • Zucker

    Die KANN-Foods:

    • Fastfood, Burger etc.
    • Schokolade, Pralinen, Schokoriegel, etc.
    • Gummibärchen
    • Chips
    • Erfrischungsgetränke wie Coca Cola, Fanta
    • Nutella etc.

    Enge Zusammenarbeit mit der Klinik

    Das Refeeding wird hier in Spanien durch eine enge Zusammenarbeit mit der Klinik erleichert. Sollte das Kind sein Essen nicht in der vorgegebenen Zeit essen, besteht die Möglichkeit es in die Klinik zu fahren. Nach einem Gespräch mit dem diensthabenden Arzt bekommt das Kind an Ort und Stelle einen oder mehrere Shakes verabreicht, um den Kalorienverlust auszugleichen.

    Erfahrungsgemäss muss man eher selten zu diesem Mittel greifen. Allein der Umstand, ins Krankenhaus zu fahren, die lange Wartezeit im Wartezimmer, das Gespräch und der nachfolgende Shake, das Wissen um die elterliche Konsequenz, führt dazu, dass das Kind in der Regel seine Mahlzeit in der dafür vorgesehen Zeit einnehmen kann.

    Vielleicht findet sich ja in deinem Ort ein Kinderarzt, den man von dem FBT-Grundsatz Essen ist Medizin überzeugen kann und zu dem du fahren kannst, wenn dein Kind nicht essen möchte.

    Zuletzt möchte ich dir Mut machen! Dein Kind wird früher oder später wieder ALLES essen. Schau, dass du dein Kind aus dem gefährlichen Untergewicht herausbringt, iss selber mit Lust, mach dir keine Gedanken über Schokolade und Co, hab vor allem keine Angst vor dem AN- Monster, strahle Sicherheit aus, in dem, was du tust.

    Essen ist die normalste Angelegenheit der Welt. Dies gilt es den Kindern wieder zu vermitteln.

    Gib AN keinen Raum!

  • Phase II erfolgreich bewältigen

    Phase II erfolgreich bewältigen

    In Phase II geben die Eltern die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme an ihr Kind zurück, wenn es wieder gesund genug und bereit zu sein scheint, selbständig zu essen. Phase III beinhaltet die Unterstützung des Heranwachsenden bei der Rückkehr zur normalen Entwicklung und beim Aufbau einer gesunden Identität.

    Die Wiederherstellung des Gewichts ist ein wesentlicher erster Schritt zur Überwindung von AN, aber es ist nur der erste Schritt. Genauso wichtig ist die Fähigkeit, sich richtig zu ernähren und ein gesundes Gewicht selbständig zu halten. Ohne die Fähigkeit, sich selbständig zu ernähren, sind die Möglichkeiten eingeschränkt und die Lebensqualität wird stark gemindert. Bei der Genesung von einer Essstörung geht es um mehr als nur die Wiederherstellung eines gesunden Körpers – es geht auch um die Wiederherstellung eines gesunden Geistes und eines erfüllten Lebens.

    Phase I ist meist die turbulenteste und anstrengendste Phase für die Familie und die quälendste für die Patientin, aber die Aufgabe, die es zu bewältigen gilt, ist sehr klar und eindeutig: mehr essen und Gewicht zulegen.

    Phase II hingegen ist viel unklarer. Eltern und Ärzte tun sich schwer damit, festzustellen, wann eine Patientin bereit ist, Phase II zu beginnen. Die Patientin selbst kann gemischte Signale aussenden – sie kann um die Freiheit betteln, in der Schulcafeteria zu mit ihren Freunden zu Mittag zu essen, ist aber eindeutig nicht in der Lage, auch nur einen einzigen Bissen Nahrung zu sich zu nehmen, der nicht „vorgeschrieben“ und „beaufsichtigt“ ist. Für Außenstehende scheint die Patientin normal zu sein – sie sieht gesund aus, sie verhält sich mehr oder weniger wie ein typischer Teenager (zumindest zwischen den Mahlzeiten), aber der Schein trügt: es gibt einen unverändert wütenden Kampf, der sich in ihrem Kopf abspielt. Immer noch von den magersüchtigen Gedanken und Zwängen gequält, fühlt sie sich hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, in die Sicherheit des Hungerns zurückzukehren und dem Wunsch, sich kopfüber in das normale Leben zu stürzen, das sie vermisst hat.

    Zur Orientierung, wann dein Kind bereit ist, in Phase II einzutreten, empfehle ich folgende Richtwerte

    • Die Patientin hat ihr Gewicht seit mindestens mehreren Wochen wieder vollständig auf die historische Wachstumskurve gebracht (in Übereinstimmung mit vorhandenen ärztlichen Aufzeichnungen von Perzentilenwerten). Während das FBT-Handbuch (Locke & Le Grange, 2001) empfiehlt, Phase II zu beginnen, wenn der Patient 90 % seines idealen Körpergewichts erreicht hat, habe ich in der Praxis festgestellt, dass die große Mehrheit der Patienten nicht bereit ist, ihre Nahrungsaufnahme zu kontrollieren, bevor sie 100 % ihres idealen Körpergewichts erreicht haben. Meiner Erfahrung nach müssen viele Patienten ihr ideales Körpergewicht sogar einige Monate lang halten, bevor sie bereit sind, in Phase II einzutreten.
    • Der Stoffwechsel der Patientin hat sich soweit normalisiert, dass sie keine sehr hochkalorische Ernährung mehr benötigt. Es ist schon schwer genug für die Patientin, sich normal zu ernähren – machen Sie es ihr nicht noch schwerer, indem Sie von ihr erwarten, dass sie sehr kalorienreiche Mahlzeiten verzehrt.
    • Die Patientin zeigt keine essgestörten zwanghaften Verhaltensweisen mehr, wie z. B. Nahrungsrestriktion, Fressattacken mit/ohne Erbrechen, exzessives Sporttraining oder sonstige Versuche, Nahrung durch sich Übergeben, Abführmittel oder Verstecken wieder loszuwerden.
    • Die Patientin isst die gesamte Nahrung, die ihr die Eltern zur Verfügung stellen, in einer angemessenen Zeitspanne und ohne große Angst oder Widerstand. HINWEIS: Die Patientin wird zu diesem Zeitpunkt immer noch eine gewisse Angst vor dem Essen haben – das ist zu erwarten. Der Punkt ist, dass die Patientin in der Lage sein muss, diese Angst zu überwinden und zu essen, was sie braucht, ohne zu kämpfen.
    • Die Familie befindet sich nicht mehr im „Krisenmodus“. Die Eltern fühlen sich zuversichtlich, dass sie ihrem Kind helfen können, die Essstörung zu besiegen, und das Kind hat akzeptiert, dass seine Eltern die Verantwortung übernommen haben.
    • Die Patientin drückt ihre Bereitschaft aus, eine gewisse Kontrolle über ihr Essen zu übernehmen und vertraut darauf, dass sie sich angemessen ernähren kann. HINWEIS: Viele Patienten äußern den Wunsch, die Kontrolle über ihr Essen wiederzuerlangen, lange bevor sie tatsächlich dazu bereit sind. Dieser verfrühte Drang nach Unabhängigkeit kann teilweise durch einen normalen jugendlichen Freiheitsdrang motiviert sein, er kann aber auch motiviert sein durch den Wunsch der Essstörung, sich wieder einzuschränken und Gewicht zu verlieren. Daher ist es ein Fehler, die geäußerte Bereitschaft des Kindes als einziges Kriterium für den Eintritt in Phase II zu verwenden. Vielmehr solltest Du die geäußerte Bereitschaft des Kindes zusätzlich zu den vorherigen Kriterien betrachten.

    Im Folgenden stelle ich eine Reihe allgemeiner Prinzipien vor, die betroffenen Familien dabei helfen können, durch die unruhigen Gewässer der Phase II zu navigieren:

    Habe eine Vision

    Ich beginne Phase II gerne mit einer Vision, wie das Leben der Patientin am Ende von Phase II aussehen wird. Am Ende von Phase II muss die Patientin in der Lage sein, selbständig zu essen und dabei ihr Gewicht zu halten, und zwar auf altersgerechte Weise, im Rahmen ihrer Familie und ihres normalen Lebens.

    Alle Patienten, unabhängig von ihrem Alter, werden in Phase II auf die gleiche Art und Weise essen – mit den Eltern als Kontrolle darüber, was, wann und wie viel sie essen. Das Endziel der Phase II ist jedoch für einen 10-Jährigen anders als für einen 16-Jährigen oder einen 22-Jährigen. Ein guter Anhaltspunkt bei der Erstellung deiner Vision für Phase II ist es, das Ausmaß an Autonomie zu berücksichtigen, welche die Freunde des Patienten in Bezug auf ihr Essen haben.

    Zum Beispiel sollte eine Patientin im Grundschulalter am Ende von Phase II in der Lage sein, mit ihren Freunden in der Schulcafeteria zu Mittag zu essen, von einer Restaurantkarte zu bestellen, ihren eigenen Snack nach der Schule auszuwählen und ihn ohne Aufsicht zu essen. Sie sollte in der Lage sein, ein paar Mahlzeiten und Snacks bei Freunden einzunehmen, wenn sie bei ihnen übernachtet, oder den Tag ohne ihre Eltern auf einem Ausflug zu verbringen. Sie sollte immer noch weitestgehend jeden Tag zusammen mit ihrer Familie die Mahlzeiten einnehmen und das essen, was die Familie isst.

    Am Ende von Phase II sollte eine Patientin im Schulalter in der Lage sein, sich bei Bedarf ein einfaches Frühstück und Mittagessen zuzubereiten, sich beim Abendessen selbst angemessene Portionen zu servieren, gelegentlich eine Mahlzeit in Abwesenheit der Eltern einzunehmen (z. B. allein zu Abend zu essen, wenn die Eltern abends nicht da sind) und mit Freunden essen zu gehen. Regelmäßige Familienmahlzeiten sind für Teenager nach wie vor wichtig, damit die Eltern das Essverhalten ihres Kindes im Auge behalten können, auch wenn das Kind viele seiner Mahlzeiten und Snacks alleine zu sich nimmt.

    Ein junger erwachsener Patient, der sich auf ein unabhängiges Leben vorbereitet, sollte in der Lage sein, seinen Speiseplan zu planen, Lebensmittel einzukaufen, für sich selbst zu kochen und ohne elterliche Aufsicht zu essen.

    Mache kleine Schritte, gehe sehr langsam vor und akzeptiere, dass diese Phase lange dauern wird

    Meiner Erfahrung nach dauert Phase II in der Regel zwischen 3 und 12 Monaten, durchaus auch länger, abhängig von der Schwere der Erkrankung und anderen individuellen Unterschieden.

    Akzeptiere die Tatsache, dass Phase II ein inhärentes (= der Behandlung innewohnendes) Risiko darstellt

    Wie bei vielen Dingen im Leben, ist es mit einem gewissen Risiko verbunden einer genesenden Anorexiekranken mehr Kontrolle über ihre Nahrungsaufnahme zu geben. Es ist wahrscheinlich, dass die Patientin während der Phase II Kämpfe und Rückschläge erleben wird. Versuche, aus diesen Ausrutschern zu lernen und zu wachsen, und helfe deinem Kind, das Gleiche zu tun.

    Denke daran, dass du das Risiko bis zu einem gewissen Grad in den Griff bekommen kannst, indem du sicherstellst, dass die Patientin vor Beginn der Phase II wirklich bereit dafür ist, und indem du sie während dieser Phase genau beobachtest und sie bei Bedarf unterstützt. Ich vergleiche diesen Prozess damit, einem Baby beim Laufenlernen zu helfen. Man wartet, bis es sicher krabbeln kann. Natürlich wird es gelegentlich stolpern und hinfallen, aber es wird jedes Mal, wenn es sich wieder hochzieht, stärker werden. Und du kannst ihm eine weiche, mit Teppich ausgelegte Oberfläche zur Verfügung stellen, auf der es seine Schritte üben kann.


    Lasse die Patientin die Auswahl und Zubereitung ihrer Nahrung unter Aufsicht üben, bevor sie unbeaufsichtigt essen darf

    In der Regel beginne ich Phase II damit, dass ich die Patientin jeden Tag einen Snack unter Aufsicht der Eltern auswählen und zubereiten lasse. Die Eltern beobachten die Essensauswahl des Kindes und leiten es bei Bedarf sanft in die richtige Richtung.

    Nehmen wir zum Beispiel an, das Kind wählt Cracker mit Erdnussbutter und nimmt 4 Cracker mit einer dünnen Schicht Erdnussbutter. Du als Elternteil könntest dann sagen: „Das ist eine gute, ausgewogene Wahl, aber von der Menge her zu noch wenig. Bitte nimm noch zusätzlich 6 Cracker mit mehr Erdnussbutter dazu.“
    Normalerweise verlange ich von einer Patientin, dass sie mindestens eine Woche lang erfolgreich eine Mahlzeit/einen Snack unter Aufsicht zubereitet hat, bevor sie zur nächsten Mahlzeit/zum nächsten Snack übergeht.


    Sei systematisch

    In der Regel leite ich die Patienten an, Phase II zu durchlaufen, indem ich ihnen sukzessive die Kontrolle über eine Mahlzeit nach der anderen zurückgebe. Das heißt, eine Patientin darf erst die nächste Mahlzeit auf der Liste in Angriff nehmen, wenn sie die aktuelle Mahlzeit bzw. den Snack erfolgreich beherrscht.

    Zum Beispiel kann das Kind Phase II damit beginnen, dass es die Kontrolle über seinen Snack während der Schule übernimmt, während die Eltern die Kontrolle über alle anderen Mahlzeiten und Snacks behalten.

    Beurteile den Fortschritt regelmäßig

    Die Patientin sollte in dieser Phase wöchentlich gewogen werden, und die Familienmitglieder sollten ihren mentalen Zustand und ihr Verhalten täglich beobachten. Wenn sie ihr Gewicht im gesunden Bereich hält und ihre Stimmung und ihr Verhalten in Bezug auf das Essen gut sind, dann ist es an der Zeit, zu mehr Unabhängigkeit überzugehen.

    Wenn ihr Gewicht sinkt oder wenn sie eine Zunahme von essgestörtem Verhalten zeigt (auch ohne Gewichtsverlust), dann ist es an der Zeit, dass die Eltern wieder mehr Kontrolle über ihre Nahrungsaufnahme übernehmen.


    Übernimm wieder die Kontrolle, wenn es nötig sein sollte

    Fast jede Patientin hat in dieser Phase ein paar Rückschläge. Es liegt in der Verantwortung der Eltern, unter Anleitung des Arztes wieder mehr Kontrolle über das Essen der Patientin zu übernehmen, wenn sie nicht in der Lage war, das Essen selbst zu kontrollieren.

    Der Schritt zurück ist eine vorübergehende Maßnahme, um ihr zu helfen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen, und ihr wird die Verantwortung wieder übertragen, wenn sie die Bereitschaft dazu zeigt.


    Manche Patienten brauchen einen sanften Schubs, um vorwärts zu kommen

    Während viele Patienten bereitwillig und zügig die Kontrolle über ihre Nahrungsaufnahme zurückerlangen, bleiben einige übermäßig abhängig von ihren Eltern und haben große Schwierigkeiten, in Phase II vorwärts zu kommen. Dies Sinn, angesichts der Natur der einer Anorexie – von den Eltern gefüttert zu werden ist ein passiver Prozess, der keine Übernahme von Eigenverantwortung beinhaltet.

    Die „Essstörungs-Stimme“ verstummt nach einigen Monaten der des Refeedings, und die Patientin ist in der Lage, ohne allzu große Schuldgefühle gut zu essen, wenn sie „gezwungen“ wird. Das Zubereiten eigenen Essens, die Entscheidung, was man von einer Restaurant-Karte bestellt, oder die Entscheidung, ob man einen Snack zu sich nimmt, wenn niemand zuschaut – all das sind Akte des Widerstands gegen die „Essstörungs-Stimme“. Die Patienten werden mit Angst, Unentschlossenheit und Schuldgefühlen überflutet, wenn die Zeit kommt, diese Entscheidungen zu treffen. Es ist ein beängstigender Schritt für Eltern und Patienten gleichermaßen. Manche Patienten brauchen viel Ermutigung, um in ihrem Essen unabhängiger zu werden. Ich finde es oft hilfreich, den Patienten an die Vorteile zu erinnern, die es mit sich bringt, selbstständig essen zu können, wie z. B. mehr Zeit mit Freunden zu verbringen und andere Aktivitäten außerhalb des Hauses zu unternehmen. Einige jüngere Patienten sprechen gut auf konkrete, kurzfristige Belohnungen für das selbstständige Essen an. Zum Beispiel kann ein Sechstklässler, der eine Woche lang erfolgreich jeden Tag seinen Nachmittagssnack einnimmt, ohne Gewicht zu verlieren, mit einem Kinobesuch belohnt werden.


    Sei realistisch

    Viele Eltern beklagen sich darüber, dass ihr genesendes Kind nicht mehr aus einer Laune heraus Eis essen geht oder in die Küche stürmt, um sich ein paar Kekse zu holen, oder sich großzügig Nachschlag von seinen Lieblingsspeisen nimmt.

    Ich rate Eltern, dass es unrealistisch ist, von einer genesenden Anorexiekranken zu früh zu erwarten, dass sie frei oder spontan isst. Viele Menschen, die sich von AN erholt haben, sind irgendwann in der Lage, wieder intuitiv zu essen, aber erst, wenn es ihnen mindestens schon ein oder zwei Jahre lang gut geht.


    Zwinge Phase II nicht in einen äußeren Zeitrahmen

    Überstürze in dieser Phase nichts, nur damit die Patientin mit ihren Freunden zu Mittag essen kann, wenn das Schuljahr oder Semester beginnt. Der einzige Zeitrahmen, der zählt, ist das Genesungstempo der Patientin, ob er ihr (oder dir) gelegen kommen mag oder nicht.

    Die Genesung eines jeden Menschen schreitet in einem individuellen Tempo voran.


    Denke daran, dass das, was auch immer passiert, nur ein Feedback ist, kein Versagen

    Denke daran, dass die Patientin anfangs wahrscheinlich ziemlich zu kämpfen haben wird. Nach einer Anorexie-Erkrankung wieder zu lernen, wie man sich richtig ernährt, ist eine sehr schwierige Aufgabe. Wenn eine Patientin nicht in der Lage ist, eine Mahlzeit oder einen Snack zu sich zu nehmen, sagt das nichts über ihren Charakter oder ihre Bemühungen oder ihre Prognose für die Genesung aus.

    Es bedeutet einfach, dass sie für diesen Schritt noch nicht bereit ist. Erwarte, dass die Patientin Fehler macht, und hilf ihr, diese zu korrigieren, ohne sie zu tadeln oder zu verurteilen. Denke daran, dass sie das Beste tut, was ihr möglich ist.


    Behalte die Dinge im Blick

    So herausfordernd Phase II auch sein kann, verliere nicht aus den Augen, wie weit dein Kind gekommen ist. Es isst gut, hat ein gesundes Gewicht, ist medizinisch stabil und befindet sich in effektiver Behandlung.

    Ob dein Kind die Phase II schnell durchläuft oder ob es dafür über ein Jahr brauchen wird, spielt langfristig keine große Rolle. Denn es isst ausreichend, es ist körperlich gesund und befindet sich in deiner sicheren Obhut, und wird somit unabhängig von der Dauer der einzelnen Phasen zu guter Letzt wieder vollständig genesen.

    25.07.2012 Dr. Sarah Ravin
    https://blog.drsarahravin.com/eating-disorders/navigating-phase-ii

    Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.

  • Der Übergang in die Selbständigkeit (in Zeiten von Corona)

    Der Übergang in die Selbständigkeit (in Zeiten von Corona)

    Der Zugang zur Behandlung ist schwieriger geworden. Social Distancing führt in den Behandlungszentren zu weniger Kapazitäten, und es bilden sich immer längere Wartelisten.

    Gleichzeitig hat die Pandemie ideale Bedingungen für Familien geschaffen, um eine familienbasierte Behandlung (FBT) für ihre Teenager mit Essstörungen zu beginnen. Da die Schulen für einen Großteil des Jahres geschlossen waren und die meisten Erwachsenen von zu Hause aus arbeiteten, war es noch nie bequemer, die Mahlzeiten ihrer Kinder mit Essstörung zu verwalten und zu beaufsichtigen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Eltern zur Schule fuhren, um mit ihren Kindern im Auto zu essen.

    Allerdings gibt es einen Haken. Wie Katie Grubiak, RDN, mir im Frühjahr 2020 erklärte: „Die Pandemie war großartig für Phase 1 von FBT, aber nicht wirklich gut für Phase 2.“

    FBT ist eine strukturierte Behandlung, die von den Eltern zu Hause durchgeführt wird. In Phase 1 übernehmen die Eltern die volle Verantwortung für alle Essensentscheidungen und beaufsichtigen jede Mahlzeit sowie die Aktivitäten zwischen den Mahlzeiten – falls erforderlich -, um Over-exercising und Erbrechen zu verhindern. In Phase 2 wird die Kontrolle schrittweise und bewusst an die jungen Menschen zurückgegeben.

    Genau die Bedingungen, die Phase 1 von FBT während einer Pandemie so einfach zu handhaben gemacht haben, haben den Übergang zu Phase 2 fast unmöglich gemacht. Da sich alle gemeinsam zu Hause aufhalten, fühlt sich die Schaffung von Möglichkeiten, Kindern mehr Unabhängigkeit zu gewähren, sehr konstruiert an – ist es zum Beispiel ein normales Verhalten, seine Kind nach draußen zu schicken, um mit seinen Geschwistern zu Mittag zu essen, während man selbst drinnen isst?

    Darüber mache ich mir schon seit Monaten Sorgen. Eines der Dinge, die ich an FBT am meisten schätze, ist die Art und Weise, wie Kontrolle durch eine Reihe von geplanten Experimenten schrittweise an die jungen Menschen zurückgegeben wird. Die Familien, mit denen ich arbeite, entscheiden, wie sie zunehmend herausfordernde Situationen gestalten, um dem Kind eine immer größere Unabhängigkeit beim Essen zu ermöglichen. Die ersten Schritte sind klein: Vielleicht darf es sich seinen eigenen Snack aussuchen, seinen eigenen Teller mit elterlicher Korrektur portionieren oder eine Mahlzeit bei seinem Freund einnehmen (wobei die Eltern des Freundes später bestätigen, dass die Mahlzeit gegessen wurde). Spätere Schritte sind bedeutsamer: Dein Kind könnte in der Schule mit Gleichaltrigen zu Mittag essen, oder mit einem Freund einen Snack kaufen gehen, oder bei einem Freund übernachten und dort Abendessen und Frühstück essen.

    Dieses allmähliche Fortschreiten gibt uns die Möglichkeit zur Beobachtung und Selbstkorrektur. Wir können sogar die Kontrolle zurücknehmen, wenn der Schritt nicht reibungslos verläuft: Wenn dein Kind zum Beispiel Schwierigkeiten hat, bei seinem Freund zu essen, können wir mehr Sicherheitsvorkehrungen treffen, bevor wir diesen Schritt in ein paar Wochen erneut versuchen. Ich empfehle in der Regel, jeweils nur eine unabhängige Mahlzeit hinzuzufügen und zu sehen, wie es läuft. Wir können versuchen, das Mittagessen mit Freunden in der Schule zunächst nur an einem Tag pro Woche einzuführen, und das Kind beobachten und wiegen, bevor wir weitere Tage hinzufügen. Ich empfehle in der Regel eine einzige Übernachtung bei einem Freund, bevor ein längerer Aufenthalt ansteht. Und so weiter.

    Während der Pandemie waren jedoch die natürlichen Gelegenheiten für Eltern, am Aufbau der Selbständigkeit zu arbeiten, nicht vorhanden. Die meiste Zeit des letzten Jahres sind die Kinder nicht zur Schule gegangen, die meisten Restaurants waren geschlossen, und niemand war in der Lage, Freunde für eine längere Zeit zu besuchen. Sowohl für die Familien, die FBT abgeschlossen haben, aber aufgrund der Pandemie nicht alle Aspekte der Phase 2 formell durcharbeiten konnten, als auch für die Familien, die noch in Behandlung sind und versucht sind, die Dinge zu überstürzen, wenn jetzt durch Lockerungen der Auflagen in der Öffentlichkeit wieder mehr Möglichkeiten entstehen, gibt es eine Reihe von Dingen zu beachten.

    Erstens: Da die Beschränkungen durch die Pandemie gelockert werden, möchte ich dich ermutigen, die Aufsicht noch ein wenig länger aufrechtzuerhalten. Ich verstehe vollkommen, dass du erleichtert sein wirst, dein Kind aus dem Haus und zurück in der Schule zu haben, und du wirst so sehr darauf brennen, mit der Pandemie und der Essstörung abschließen zu können – wer würde das nicht? Allerdings wird sich anhaltende Wachsamkeit auf lange Sicht auszahlen. Gehe nicht davon aus, dass ein Kind mit einer Essstörung in der Lage sein wird, einen reibungslosen Übergang von der Einnahme aller Mahlzeiten unter den wachsamen Augen der Eltern zu Hause zur plötzlichen Einnahme des Mittagessens und anderer Mahlzeiten auf eigene Faust zu schaffen. Wenn es so einfach wäre, wären Behandlungen wie FBT nie entwickelt worden.

    Die üblichen Kriterien, die zu berücksichtigen sind, bevor man damit beginnt, dem jungen Menschen die Kontrolle zurückzugeben, sind, dass das Gewicht größtenteils wiederhergestellt ist, die Mahlzeiten reibungslos ablaufen, Erbrechen und Sport unter Kontrolle sind und die Eltern sich sicher genug fühlen, um wieder einzugreifen, wenn es mit den neuen Maßnahmen doch noch nicht wirklich funktioniert. Dies sollten die Mindestvoraussetzungen dafür sein, dass dein Kind in der Schule zu Mittag essen darf.

    Wenn die oben genannten Kriterien erfüllt sind, schlage ich vor, einen Schritt weiter zu gehen und mit deinem Kind darüber zu sprechen, wie es sich mit dem Mittagessen in der Schule fühlt und ob es sich bereit fühlt, allein zu essen. Frage, mit wem es zusammensitzen wird, ob seine Freunde zu Mittag essen (du kannst nicht davon ausgehen, dass sie das tun) und ob es genug Zeit hat, die für sein Mittagessen benötigten Lebensmittel zu essen.

    Ich empfehle in der Regel, mit einem zu Hause vorbereiteten Mittagessen zu beginnen, auch wenn es ein späteres Ziel ist, in der Schule ein Mittagessen kaufen zu können. Sprich mit deinem Kind darüber, wie ein „einfaches“ Mittagessen aussehen könnte. Vereinbare, dass es ein einziges Mittagessen alleine zu sich nehmen kann und sieh dann, wie es läuft, bevor du die Aufsicht über alle Mittagessen abgibst. Wiege dein Kind weiterhin wöchentlich, um sicherzustellen, dass das Gewicht gehalten wird. Sprecht miteinander und sieh, wie jeder Schritt läuft, bevor du den nächsten Schritt gehst.

    Wenn es weitere Lockerungen gibt, kannst du weitere Situationen identifizieren, in denen dein Kind das Essen mit allmählich abnehmender Aufsicht durch dich üben kann. Einige andere Situationen, in denen du planen kannst, deinem Kind zu erlauben, Unabhängigkeit zu üben:

    • Ein Imbiss bei einem Freund
    • Ein Besuch mit einem Freund in einem Café, um einen Snack zu bestellen, den sie gemeinsam essen
    • Ein Besuch mit einem Freund in einem Restaurant für eine Mahlzeit

    In dem Maße, wie du deinem Kind mehr Freiheiten gibst, wird es einer größeren Anzahl von Situationen ausgesetzt sein, in denen es die für die Genesung relevanten Fähigkeiten noch nicht geübt hat. Du kannst dabei helfen, indem du diese Situationen vorwegnimmst und mit deinem Kind simulierst, bevor dein Kind diese Situationen alleine oder mit Gleichaltrigen erlebt.

    Mein wichtigster Rat ist, es nicht zu überstürzen. Während du deinem Kind mehr Selbstständigkeit zugestehst, solltest du es weiterhin beobachten und beobachten. Auch wenn du vielleicht versucht bist, schnell loszulassen, vor allem, wenn deine Familie die Rückkehr zur Normalität herbeisehnt, möchte ich dich ermutigen, einen Schritt nach dem anderen zu tun.

    2021 Lauren Muhlheim, Psy.D., FAED, CEDS-S
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