Kategorie: Land

  • Kompetenzzentrum

    Kompetenzzentrum

    Familienintegrierte Therapie FiT
    für Kinder und Jugendliche bei Magersucht

    Das Kompetenzzentrum FiT ist eine Plattform von Expertinnen und Experten, um Eltern in der anspruchsvollen Begleitung ihrer erkrankten Kinder zu unterstützen. Wir stellen Informationen und Angebote bereit, die Eltern stärken sollen. Unsere Schwerpunkte sind

    ​

    • Wiederherstellung des individuellen gesunden Gewichts zuhause
    • Kommunikation innerhalb der Familie und mit medizinischem Fachpersonal
    • Bereitstellung moderner wissenschaftlicher Forschungserkenntnisse
    • Förderung der persönlichen Resilienz und Selbstfürsorge

    ​

    Das Kompetenzzentrum FiT stellt keinen Ersatz dar für medizinische, psychologische und psychotherapeutische Behandlung. Es unterstützt und begleitet Eltern nach der Diagnose, während eines Klinikaufenthaltes des Kindes, beim Übergang von der Klinik nach Hause sowie beim ambulanten Refeeding.

    ​

    Vor-Ort-Angebote finden aktuell ausschliesslich in der Schweiz statt. Unsere Dienstleistungen werden nicht von Krankenkassen übernommen.

    Das Kompetenzzentrum FiT ist ein gemeinnütziger, nicht gewinnorientierter Verein nach Schweizer Recht, Art. 60ff. ZGB.

    Willkommen | Kompetenzzentrum FiT bei Anorexie

  • Informations-Zoom des Elternnetzwerks Magersucht

    Informations-Zoom des Elternnetzwerks Magersucht

    Familienbasiertes Refeeding – eine Option für unsere Familie?

    Informationen, Orientierung und Austausch für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Magersucht

    Ihr Kind ist aktuell in einer Klinik, die Entlassung steht bevor oder Sie stehen noch ganz am Anfang im Umgang mit der Erkrankung?

    Viele Eltern fragen sich: Wie können wir unser Kind auf dem Weg zur Genesung unterstützen? Was kommt nach der Klinik auf uns zu? Und könnte eine familienbasierte Unterstützung bei der Ernährung zu Hause ein Weg für uns sein?

    In unserem Informations-Zoom möchten wir Eltern Orientierung geben, Erfahrungen teilen und praktische Einblicke in die familienbasierte Pflege und das Refeeding zu Hause ermöglichen.

    Unsere Themen

    • Die Klinikzeit sinnvoll nutzen: Wie können Eltern sich über die Erkrankung informieren und auf die Zeit danach vorbereiten?
    • Den Übergang nach Hause gut gestalten: Was ist vor der Entlassung wichtig und wie kann die weitere Unterstützung vorbereitet werden?
    • Familienbasierte Pflege und Refeeding im Alltag: Was bedeutet es konkret, die Ernährung und Gewichtswiederherstellung zu Hause zu begleiten? Welche Herausforderungen können auftreten und welche praktischen Erfahrungen und Tipps können helfen?
    • Das Elternnetzwerk Magersucht kennenlernen: Welche Möglichkeiten der Information, Unterstützung und Vernetzung gibt es?

    Für wen ist das Treffen gedacht?

    Für alle Eltern aus unseren Notrufgruppen und Klinikgruppen sowie für Eltern, die erstmals Kontakt zum Elternnetzwerk Magersucht aufnehmen möchten.

    Ablauf und Dauer

    Gesamtdauer: ca. 90–120 Minuten

    • 45–60 Minuten: Kompakte Informationen zum Elternnetzwerk, zur familienbasierten Pflege und zum Refeeding zu Hause.
    • Anschließend: Zeit für Fragen, persönliche Erfahrungen und den Austausch mit anderen Eltern.

    Unser Ziel ist es, Eltern zu informieren, Mut zu machen und ihnen eine erste Orientierung zu geben, ob familienbasiertes Refeeding – in Abstimmung mit den behandelnden Fachpersonen – eine passende Option für ihre Familie sein könnte.

    Ihr seid herzlich eingeladen – unabhängig davon, an welchem Punkt ihr gerade steht.

     

    Weitere Termine:

    • 14.10.2026
    • 25.11.2026
    • 16.12.2026

    Anmeldungen per Mail bitte an kathrin.muenster@elternnetzwerk-magersucht.de. Den Zugangslink erhaltet ihr kurz vor der Veranstaltung.

  • Für Experten: Beratung und Begleitung von Familien mit einem an Anorexie erkrankten Kind (Regelmäßige Zoom Veranstaltung)

    Für Experten: Beratung und Begleitung von Familien mit einem an Anorexie erkrankten Kind (Regelmäßige Zoom Veranstaltung)

    Familie als wichtige Ressource im Recovery-Prozess stärken und nutzen

    Familien können im Genesungsprozess von Menschen mit Magersucht eine wichtige Ressource sein. Gleichzeitig stehen sie oft vor großen Herausforderungen und Belastungen.

    Wie können Fachpersonen Familien besser unterstützen, ihre Ressourcen stärken und sie als wichtige Partner im Recovery-Prozess einbeziehen? Welche Wünsche und Bedürfnisse haben betroffene Familien und Patient*innen? Und wie kann eine gute multiprofessionelle Zusammenarbeit gelingen?

    Das Elternnetzwerk Magersucht lädt Fachpersonen zu einem digitalen Informations- und Austauschtreffen ein. Wir geben Einblicke in die Erfahrungen und Perspektiven betroffener Familien, stellen die Arbeit des Elternnetzwerks vor und möchten gemeinsam Chancen, Herausforderungen und Möglichkeiten einer familienorientierten Begleitung diskutieren.

    Im Anschluss besteht Raum für Fragen, multiprofessionellen Austausch und Vernetzung.

    Zielgruppe: Ärztinnen, Therapeutinnen, Ernährungstherapeutinnen, Sozialarbeiterinnen, Lehrkräfte, Pflegefachpersonen und alle weiteren Berufsgruppen, die mit Menschen mit Magersucht oder deren Familien arbeiten.

    Wichtiger Hinweis: Diese Veranstaltung richtet sich ausschließlich an Fachpersonen und ist nicht für betroffene Eltern, Angehörige oder Familien vorgesehen. Für diese bietet das Elternnetzwerk eigene Veranstaltungen an.

    Dauer: ca. 90–120 Minuten, davon 45–60 Minuten Information und anschließend Zeit für Austausch und Vernetzung.

    Wir freuen uns auf einen offenen, fachübergreifenden Dialog – mit dem gemeinsamen Ziel, Familien als wichtige Ressource im Genesungsprozess zu stärken und die Zusammenarbeit zu verbessern.

     

    Letzter Termin 2026:

    • 11.11.2026 20:00

    Anmeldungen per Mail bitte an kathrin.muenster@elternnetzwerk-magersucht.de.

    Den Zugangslink erhaltet ihr kurz vor der Veranstaltung.

  • FIAT-Studie: Ist Ihr Kind schwer an Magersucht erkrankt?

    FIAT-Studie: Ist Ihr Kind schwer an Magersucht erkrankt?

    Die Familien-Basierte vs. Institutionelle Anorexia nervosa Therapie (FIAT)-Studie

    Die Anorexia nervosa, auch Magersucht genannt, ist eine schwere Erkrankung, die vor allem in der Kindheit und Jugend entsteht und einen chronischen Verlauf nehmen kann. Oft wissen Eltern nicht, wie sie ihren Kindern helfen können. Studien zeigen: eine frühe und spezialisierte Behandlung verbessert die Heilungsraten junger Menschen mit Magersucht.

    Die Charité in Berlin führt hierzu eine bundesweite Studie an 22 Kliniken mit spezialisiertem Essstörungsschwerpunkt durch, die zwei Therapieangebote miteinander vergleicht: die stationäre, multimodale Therapie und die ambulante, Familien-Basierte Therapie.

    Beide Therapieformen sind evidenzbasiert und wirksam. Die Studie untersucht, ob für schwer erkrankte Kinder und Jugendliche mit Magersucht die Familien-Basierte Therapie bei gleicher Heilungsrate die Zeit im Krankenhaus verringern kann.

    Suchen Sie spezialisierte, therapeutischen Hilfe für Ihr Kind? Hier können Sie sich über das Projekt informieren: ↗https://fbt-fiat.de ↗

    Mit Fragen zum FIAT-Programm wenden Sie sich gerne an: anfrage@fbt-fiat.de

  • FIAT-Studie: Eltern sind Teil der Lösung, nicht das Problem

    FIAT-Studie: Eltern sind Teil der Lösung, nicht das Problem

    Familienbasierte Therapie: Eltern als Schlüssel zur Heilung

    Das vollständige Interview finden Sie hier:

    📖 Markus Wallbrecher – FBT: Eltern sind Teil der Lösung, nicht das Problem

    Ein bedeutender Schritt zur Etablierung von FBT in Deutschland könnte die FIAT-Studie der Charité in Berlin werden. In den kommenden zwei Jahren soll an bis zu 20 deutschen Kliniken die Wirksamkeit von FBT untersucht werden. Ziel ist es, diese Therapieform als anerkannten Behandlungsstandard im deutschen Gesundheitssystem zu etablieren. Die Charité, als angesehene Forschungseinrichtung, leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Integration innovativer und effektiver Behandlungsmethoden für Essstörungen.

    Essstörungen bei Jugendlichen sind eine immense Herausforderung für Betroffene und ihre Familien. In Deutschland dominiert bislang die stationäre Behandlung, während die familienbasierte Therapie (FBT) weltweit erfolgreich eingesetzt wird. Diese evidenzbasierte Methode integriert Eltern aktiv in den Heilungsprozess ihrer Kinder.

    Dr. Verena Haas, Ernährungswissenschaftlerin, betont: „FBT hilft den Eltern dabei, ihrem Kind zu helfen!“ Sie sieht in den Eltern keine Verursacher, sondern wichtige Unterstützer. Kathrin Jacobi vom Elternnetzwerk Magersucht e.V. ergänzt: „Die Einbindung der Familie beschleunigt und stabilisiert den Heilungsprozess.“

    In Deutschland setzt sich das Elternnetzwerk Magersucht intensiv dafür ein, familienbasierte Ansätze wie FBT, Maudsley, HOT und MFT bekannt und als Kassenleistung nutzbar zu machen.

    Die Kombination aus international anerkanntem Ansatz, engagierten Eltern und wissenschaftlicher Unterstützung durch die Charité könnte einen Wendepunkt in der Behandlung von Essstörungen in Deutschland bedeuten.

    Mehr Information zum Autor Markus Wallbrecher:
    https://www.markus-wallbrecher.de/

    Informationen zur FIAT-Studie:
    https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/neue-versorgungsformen/fiat.641

  • F.A.Z. Gesundheitspodcast: Wenn das eigene Kind an Magersucht erkrankt, sind Eltern oft macht- und hilflos

    F.A.Z. Gesundheitspodcast: Wenn das eigene Kind an Magersucht erkrankt, sind Eltern oft macht- und hilflos

    Den Podcast der F.A.Z. findst du beim Podcast-Anbieter deiner Wahl:

  • Family Based Treatment (FBT) – Ein effektiver Ansatz zur Behandlung von Anorexie

    Family Based Treatment (FBT) – Ein effektiver Ansatz zur Behandlung von Anorexie

    FBT im deutschsprachigen Raum

    Familienbasierte Ansätze zur Behandlung von Anorexia nervosa werden in der S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung von Essstörungen“ ausdrücklich erwähnt und als erste Wahl empfohlen. Sie spielen aber in der aktuellen klinischen Arbeit keine nennenswerte Rolle. Familienbasierte Therapieformen sind leider sogar in Fachkreisen kaum bekannt.

    S3-Leitlinien werden von offiziellen Kommissionen erstellt und geben Empfehlungen, wie Erkrankungen diagnostiziert und behandelt werden sollen und richten sich vor allem an Ärztinnen und Ärzte, aber auch an Pflegekräfte und andere Fachleute im Gesundheitswesen.

    Die Forschung an deutschen und europäischen Universitäten hat begonnen. Erste große Kliniken in Deutschland haben angefangen, familienbasierte Ansätze und Home Treatments als außerklinische Behandlungsform bei Essstörungen einzusetzen.

    Es gibt aktuell fast keine FBT-Therapeuten im deutschsprachigen Raum. Die Möglichkeit einer klassischen FBT-Therapie vor Ort und in deutscher Sprache ist also im Normalfall aktuell leider nicht gegeben.

    Zur Entstehung von FBT

    FBT wird auch Maudsley Methode (Maudsley approach) genannt, weil die Behandlungsmethode in den 1970er und frühen 80er Jahren ursprünglich am Maudsley-Hospital in London von Prof. Gerald Russel, Dr. Ivan Eisler und Dr. Christopher Dare entwickelt wurde.

    Sie erkannten auch als Erste die Bedeutung einer schnellen und effizienten Wiederherstellung des Gewichts als ersten Schritt zur Genesung. FBT und Maudsley werden in der Praxis als Synonym verwendet.

    In den USA wird die Methode von Prof. Daniel Le Grange und Dr. James Lock bis heute weiterentwickelt und erforscht.

    Mithilfe von FBT sind seit 30 Jahren weltweit unzählige Kindern gesundgeworden und Familien der Anorexie-Falle entkommen.

    Es handelt sich bei FBT um eine manualisierte Behandlung, die von geschulten Fachleuten durchgeführt wird. Sie kommt in erster Linie in ambulanten Einrichtungen zum Einsatz, obwohl es auch einige stationäre und teilstationäre Programme gibt, die FBT beinhalten.

    Das Manual liegt bisher leider nur in englischer Sprache vor.

    Stand der empirischen Forschung

    FBT ist in vielen vergleichenden Studien gut erforscht. Sie ist nachgewiesener Weise erfolgreicher als alle anderen bekannten Behandlungsmetoden bei Magersucht und Standardbehandlungsansatz in vielen angelsächsischen Ländern.

    In einer der größten randomisierten, kontrollierten Studie der Universitäten Chicago und Stanford mit 120 Jugendlichen hat man FBT mit konventioneller Einzeltherapie verglichen. FBT hat sich (mit großem Abstand) dabei als effektivste und effizienteste Behandlungsmethode gezeigt. Eine Übersicht der wichtigsten Forschungsergebnisse wollen wir hier in Kürze veröffentlichen. Leider liegen diese zum Großteil bisher nur in englischer Sprache vor.

    Altersspektrum für den Behandlungsansatz

    FBT ist als Behandlungsansatz bei Essstörungen für junge Menschen bis 18 Jahre entwickelt worden. Aber auch bei jungen Erwachsenen im Altersspektrum bis 25 Jahre wird die Methode in abgewandelter Form erfolgreich angewendet.

    Inzwischen gibt es auch eine nachgewiesenermaßen ebenfalls sehr erfolgreiche Variante zur Anwendung bei Bulimie (FBT-BN), sowie eine modifizierte Variante für junge Erwachsene bis 25 Jahre (FBT-tay, transition age youth) und ein Programm für Erwachsene: MANTRA (Maudsley Anorexia Treatment for Adults).

    „The New Maudsley Approach“ ist kein eigenständiger Behandlungsansatz oder eine neue Variante des ursprünglichen Maudsley Ansatzes. Er stellt zusätzliche Ressourcen für Eltern, Pflegekräfte und Ärzte als Ergänzung zu einer Behandlung bereit. Hauptziel ist es, Stress abzubauen und Familie und Pflegekräfte zu stärken. Besonderes Augenmerk erhalten hier erwachsene Patientinnen und Patienten, die an Bulimie erkrankt sind. Entwickelt wurde und wird die Methode am Maudsley Hospital unter der Führung von Prof. Janet Treasure.

    Das 3-Phasen-Konzept

    Nach dem Manual findet eine FBT-Behandlung in drei Phasen statt, die sich über einen Zeitraum von einem Jahr und circa 20 Sitzungen erstreckt. Die Sitzungen finden wenn möglich in Präsenz statt, es besteht aber auch die Möglichkeit, die Sitzungen als Videokonferenz zu gestalten.

    • In der ersten Phase, der sogenannten Refeeding-Phase, geht es vor allem um die Gewichtswiederherstellung. Die Eltern werden dabei unterstützt, die Gewichtszunahme ihres Kindes voranzutreiben.
    • Wenn ein gesundes Gewicht erreicht ist, sich der psychische Zustand des Patienten und die allgemeine Stimmung innerhalb der Familie signifikant verbessert hat, folgt die zweite Phase. Die altersgemäße Autonomie in allen Lebensbereichen wird wieder an den jungen Menschen zurückgegeben. Beim Essen selbst haben die Eltern noch kontrollierende und unterstützende Funktion, die über die Zeit abgebaut wird.
    • Erst in der dritten Phase werden therapeutische Probleme angegangen, sofern diese noch bestehen. Bei vielen Patienten verschwinden alle psychischen Auffälligkeiten, die mit der Anorexie-Erkrankung einhergegangen sind.

    Einbeziehung der Familie und die „Familien-Mahlzeit“

    FBT-Sitzungen beziehen in der Regel die gesamte Familie ein und umfassen mindestens eine „Familien-Mahlzeit“.

    Dies gibt dem Therapeuten die Möglichkeit, die Verhaltensweisen der verschiedenen Familienmitglieder während einer Mahlzeit zu beobachten und die Eltern zu coachen, ihrem Kind beim Essen zu helfen.

    Eltern sind die Lösung, nicht das Problem

    Generell bricht FBT mit der veralteten und inzwischen widerlegten These, dass die Gründe für die Essstörung in einer dysfunktionalen Familienstruktur zu finden seien.

    Ältere Theorien über Anorexie und Essstörungen (Hilde Bruch und andere) über Magersucht und Essstörungen haben die Entstehung der Krankheit auf familiäre Probleme und Störungen innerhalb der Familie zurückgeführt. Man ging davon aus, dass die Mütter die Hauptursache für die Essstörungen ihrer Kinder sind, wie dies lange auch bei Schizophrenie und Autismus angenommen wurde. Diese Annahmen sind nach dem heutigen Stand der Forschung (auch bei Schizophrenie und Autismus) nicht mehr haltbar und haben viel unnötiges Elend und Leid in die Welt gebracht.

    In modernen Therapieverfahren wie FBT werden Eltern als größte Ressource im Kampf gegen die Magersucht gesehen, da die häusliche Hilfe den Betroffenen ermöglicht, sich gegen diese übermächtige Krankheit zu wehren.

    Die Schuldfrage ist nicht relevant

    FBT fragt nicht nach der individuellen Genese der Erkrankung und stellt auch keine Schuldfrage. Für den Genesungsprozess ist dies nicht relevant.

    Neuere Forschungsergebnisse zeigen auch, dass biologische, genetische und neurologische Faktoren bei der Erkrankung eine viel größere Rolle spielen, als man sich das früher vorstellen konnte. Viele an Magersucht erkrankte Kinder kommen aus völlig normalen und glücklichen Familien, über die die Erkrankung wie eine Naturgewalt hereinbricht.

    Stationäre Behandlungen vermeiden

    Das frühzeitige Erkennen der Erkrankung und ein schneller Behandlungsbeginn sollen stationäre Aufenthalte verhindern oder so kurz wie möglich gestalten.

    Dafür werden Eltern geschult und befähigt, ihrem Kind aktiv helfen zu können, wieder ein gesundes Normalgewicht zu erlangen, dieses zu halten und nachhaltig gesunde Essgewohnheiten zu entwickeln.

    FBT ermöglicht in vielen Fällen eine Behandlung im vertrauten häuslichen Umfeld unter ambulanter medizinischer Aufsicht und mit therapeutischer Unterstützung der Eltern.

    Schnelle Gewichtswiederherstellung – weight restauration

    Eine schnelle Gewichtszunahme wirkt sich positiv auf den Genesungsprozess aus und verbessert das Behandlungsresultat langfristig positiv.

    Das Kind muss ein gesundes Gewicht wiedererlangen und darf nicht im Untergewicht bleiben.

    Externalisierung

    Eltern lernen, ihr Kind von der Krankheit zu trennen. Das sogenannte Externalisieren der Krankheit ist eine zentrale Komponente von FBT: Es bedeutet, dass der junge Mensch nicht für die Erkrankung verantwortlich gemacht werden darf.

    Die Erkenntnis und das Wissen darum, dass nicht das Kind verantwortlich für die Krankheit ist, sondern dass die Krankheit das Kind kontrolliert, hilft den meisten Eltern sehr schnell besser mit der Situation umgehen zu können.

    Psychische Gesundheit, Stärke und Einheit der Eltern erhalten

    Eltern werden befähigt, diese extrem belastende Zeit gut durchzustehen. Die Erhaltung der psychischen Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Eltern ist ein Grundpfeiler der Behandlung.

    Eltern lernen ebenfalls, gemeinsam gegen die Krankheit vorzugehen. Anorexie hat auch die Tendenz Beziehungen zu zerstören. Sowohl durch die extreme psychische Belastung, der das Familiengefüge ausgesetzt ist, als auch durch gegenseitige (oft sehr unterschwellige) Schuldzuweisungen. Anorexie spaltet, auch Beziehungen.

    Zeitweise Übernahme der Autonomie

    Es ist notwendig, dass die Eltern für eine begrenzte Zeit die komplette Autonomie über kritische Lebensbereiche wie Essen und Bewegung übernehmen.

    Das Kind isst nicht, weil es nicht will, sondern weil es nicht kann. Es hat sich diese Krankheit nicht ausgesucht. Die Krankheit hat sich das Kind ausgesucht.

    Es braucht jetzt keine zusätzlich übertragene Verantwortung für das eigene Essverhalten, die es in seinem jetzigen Zustand nicht bewältigen kann. Es benötigt keine psychotherapeutischen Gespräche über Kalorien, Nährwerte und Stoffwechsel. Es benötigt nicht die Suche nach Ursachen, die es in den allermeisten Fällen nicht gibt. Es benötigt praktische und handfeste intensive Hilfe.

    Quellen

  • Eva Musby – Das Bungee-Sprung Video (Vertrauen hilft, nicht Logik)

    Eva Musby – Das Bungee-Sprung Video (Vertrauen hilft, nicht Logik)

    Du findest den Youtube-Kanal von Eva Musby hier: https://www.­youtube.com/­user/­EvaMusby

    Bitte schau dir unbedingt dieses Video an, es hat schon unzähligen Eltern geholfen, zu verstehen, was mit ihrem Kind jetzt plötzlich los ist: Der Bungee-Sprung

  • ANGI – Persönliche Überlegungen und die Bedeutung der ANGI-Ergebnisse für Patienten, Familien und Kliniker heute (Teil 4)

    ANGI – Persönliche Überlegungen und die Bedeutung der ANGI-Ergebnisse für Patienten, Familien und Kliniker heute (Teil 4)

    Kürzlich fragte mich Dr. June Alexander in einem Interview, wie ich mich fühlte, als wir mit ANGI begannen, und wie ich mich heute angesichts der Ergebnisse fühle. Ich antwortete, dass ich vor sechs Jahren, als wir mit ANGI begannen, sowohl entmutigt als auch entschlossen war.

    Einige Leute bezweifelten, dass wir Blutproben von 13 000 Personen mit Anorexia nervosa gewinnen könnten, aber um ehrlich zu sein, habe ich nie daran gezweifelt, dass wir es schaffen würden. Meine Gewissheit kam daher, dass ich seit 1982 in diesem Bereich arbeitete!

    Nachdem ich mit Menschen mit Anorexia nervosa und ihren Familien auf drei Kontinenten und über vier Jahrzehnte hinweg gearbeitet hatte, hatte ich ein ziemlich gutes Gespür dafür, wie verzweifelt sie nach Antworten suchten und wie unzufrieden sie mit unserem derzeitigen Verständnis und unserer Behandlung dieser verheerenden Krankheit waren. Außerdem wusste ich in meinem Herzen, dass das Mitgefühl, das ich bei so vielen Patienten gesehen hatte (oft, bevor sie es bei sich selbst erkennen konnten), ihre Bereitschaft fördern würde, sich zu beteiligen und etwas zurückzugeben, in der Hoffnung, dass andere nicht das gleiche Leid ertragen müssen wie sie selbst.

    Meine Intuition erwies sich als richtig. Ich denke, dass in unseren nächsten Phasen, wenn wir unsere Stichprobengröße erweitern und mit der Rekrutierung für Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung beginnen, die Dinge noch besser laufen werden, da wir keine Blutproben mehr benötigen! Die Technologie hat sich in den letzten sechs Jahren so weiterentwickelt, dass wir mit einer einfachen Speichelprobe die gleichen Analysen durchführen können, für die wir bei ANGI Blut benötigten.

    Ein neuer Erklärungsrahmen.

    Unsere Ergebnisse und unsere Schlussfolgerung, dass Anorexia nervosa am besten als metabopsychiatrische Krankheit verstanden werden kann, sind für Patienten und Familien insofern von Bedeutung, als sie einen neuen Erklärungsrahmen für das Verständnis der Krankheit bieten.

    Seit meinen ersten Tagen in diesem Bereich haben die rein soziokulturellen Erklärungen für Anorexia nervosa einfach nicht gepasst. Sicher, eine Diät, um ein Schlankheitsideal zu erreichen, könnte in einigen Fällen den Prozess in Gang setzen, aber das erklärte nicht, warum nicht alle, die diesem Schlankheitsideal ausgesetzt waren, eine Magersucht entwickelten. Es erklärte auch nicht, warum Menschen mit Anorexia nervosa weit über das gesellschaftliche Ideal hinaus abnahmen, das auf der Titelseite eines Hochglanzmagazins abgebildet ist. Irgendetwas fehlte.

    So oft beschrieben Eltern diese unglaublichen Veränderungen bei ihren Kindern, die ihren Abstieg in die Magersucht kennzeichneten, und ihre Erleichterung während der Genesung, als wieder Anzeichen ihres Kindes sichtbar wurden, die dem Kind vor der Erkrankung glichen. Die Patienten schilderten, dass sie essen und gesund sein wollten, aber nicht in der Lage waren, eine undurchdringliche Barriere zu überwinden, die es ihnen erlaubte, zu essen und an Gewicht zuzunehmen. Man könnte sagen, dass ich in meiner Laufbahn nach einer Erklärung gesucht habe, die den verwirrendsten Aspekten der Anorexia nervosa gerecht wird und sie genau beschreibt.

    Einige der verwirrendsten Aspekte sind: Wie erreichen und halten Menschen mit dieser Krankheit eigentlich ein so niedriges Gewicht? Warum ist eine negative Energiebilanz (mehr Kalorien verbrauchen als sie zu sich nehmen) für die Krankheit förderlich? Warum nimmt ihr Körper selbst nach einer medizinisch überwachten Wiederherstellung des Gewichtes durch Ernährung so schnell ab? Warum scheint körperliche Aktivität stärker zu wirken als Essen? Warum durchlaufen sie während der Nahrungsaufnahme eine hypermetabolische Phase, in der sie Kalorien in einer Weise verbrennen, die unsere Gleichungen einfach nicht vorhersagen können?

    Es gibt so viele unbeantwortete Fragen. Im Nachhinein ist klar, dass alle direkt auf eine metabolische Komponente der Krankheit hinweisen.

    Ernährung – Die Bedeutung der Nahrungsaufnahme

    Unsere Ergebnisse sagen uns noch nichts über die Art der Stoffwechselkomponente, das ist ein wichtiges Thema, das noch erforscht werden muss. Sie bieten jedoch einige wichtige Anregungen für die Behandlung. So konzentrieren sich beispielsweise viele unserer Maßnahmen auf die Bedeutung der Wiederherstellung und Aufrechterhaltung eines gesunden Gewichts als Eckpfeiler der Genesung.

    Die familienbasierte Behandlung (FBT), das spezialisierte unterstützende klinische Management (SSCM), die kognitiv-behaviorale Therapie (CBT-E) und die klinischen Leitlinien konzentrieren sich alle auf die Bedeutung der Wiederherstellung des Gewichts und der Normalisierung des Essverhaltens. Doch aus dem einen oder anderen Grund könnten viele Behandlungen hinter diesen Zielen zurückbleiben, und erreichen nur eine teilweise Wiederherstellung des Gewichts und eine teilweise Normalisierung des Essverhaltens.

    Auch wenn dies spekulativ ist, werfen unsere Ergebnisse die Frage auf, ob diese partiellen Versuche unweigerlich zum Scheitern der Behandlung oder zu einem Rückfall führen, weil sie dem Stoffwechsel keine Gelegenheit geben, sich auszugleichen oder neu einzustellen.

    Wird ein Patient aufgrund fehlender Kostenübernahme durch die Krankenversicherung vorzeitig aus einem stationären Ernährungsprogramm entlassen, stehen die Chancen gut, dass er in naher Zukunft mit einem niedrigen Gewicht wieder auf der Station landet, was letztlich mehr Geld kostet und sowohl für den Patienten als auch für seine Familie mehr Leid bedeutet.

    Vermeiden einer negativen Energiebilanz

    In ähnlicher Weise habe ich Patienten und Familien immer nahegelegt, eine negative Energiebilanz zu vermeiden, auch nach einer langfristigen Genesung. Diese Empfehlung beruhte immer nur auf klinischen Beobachtungen. Zu oft hatte ich erlebt, dass jemand in einer stressigen Phase Mahlzeiten ausfallen ließ oder dass eine Auslandsreise den Essensplan durcheinander brachte, was (selbst nach Jahren der Genesung) zu einem regelrechten Rückfall führte.

    Nun, vielleicht liegt die Erklärung in unseren Ergebnissen. Vielleicht ist die negative Energiebilanz der Schalter, der den Stoffwechselprozess in Gang setzt, der den Abstieg in die Anorexia nervosa einleitet. Wenn überhaupt, dann bin ich angesichts unserer Ergebnisse jetzt zuversichtlicher, was diese Empfehlung angeht. Im Grunde genommen wird die Anorexia nervosa zu einem Teil Ihres gesundheitlichen Erbes. Das heißt nicht, dass man nicht wieder gesund werden kann, aber es bedeutet, dass man wachsam sein muss.

    Ich ziehe eine Analogie zu meiner eigenen Rückenverletzung. Drei Wirbel in meinem Rücken wurden 1978 gebrochen, als mich ein paar betrunkene Fans bei einem Notre-Dame-Footballspiel auf der Tribüne hochhoben, weiterreichten und mich dann fallen ließen. Diese Knochen sind vollständig verheilt, aber seitdem muss ich jeden Tag Übungen zur Stärkung des Rückens machen und auf Positionen oder Aktivitäten achten, die mich dem Risiko eines Rückfalls aussetzen könnten. Die Nervenkitzel suchende Person in mir hätte gerne Bungee-Jumping ausprobiert, aber das Risiko war zu hoch.

    Dieses Ereignis ist ein Teil meines gesundheitlichen Erbes, das ich respektieren muss. Wenn Sie eine Anorexia nervosa hatten, müssen Sie ebenfalls auf eine negative Energiebilanz achten und diese vermeiden, denn das Risiko ist einfach zu hoch.

    Was ist mit dem genetischen Risiko?

    Eine weitere Frage, die unsere Arbeit bei Menschen aufwirft, die an Anorexia nervosa erkrankt sind, ist die Frage, was dies für ihre nächste Generation bedeutet.

    Das Wichtigste ist, daran zu denken, dass Genetik kein Schicksal ist! Anorexia nervosa ist ein klassisches komplexes Merkmal, das von Hunderten, wenn nicht Tausenden von Genen mit geringer bis mittlerer Wirkung sowie von Umweltfaktoren beeinflusst wird. Tatsächlich kann man Ihr Risiko (und das Ihrer Nachkommen) als eine Kombination von vier Faktoren betrachten: genetische Risikofaktoren, genetische Schutzfaktoren, Umweltrisikofaktoren und Umweltfaktoren, die schützen. Um die Komplexität noch weiter zu erhöhen, können Sie epigenetische Faktoren hinzuziehen.

    In der Vergangenheit konnten wir nur umweltbedingte Risiko- und Schutzfaktoren identifizieren. Jetzt können wir diesem Mix die Fähigkeit hinzufügen, das genetische Risiko zumindest zu quantifizieren (und unsere Zuversicht, dies zu tun, wird mit zunehmendem Stichprobenumfang steigen). Die genetischen Schutzfaktoren haben wir immer noch nicht in den Griff bekommen. Es ist durchaus möglich, dass jemand mit einem hohen genetischen Risiko für Anorexia nervosa die Krankheit nie entwickelt, weil es genetische und/oder umweltbedingte Schutzfaktoren gibt. Ebenso kann jemand mit einem geringen genetischen Risiko für Anorexia nervosa die Krankheit entwickeln, weil die Umweltfaktoren übermäßig riskant sind. Weder Genetik noch Umwelt sind also Schicksal.

    Eltern, bei denen Essstörungen in der Vergangenheit aufgetreten sind und die sich fragen, welches Maß an Wachsamkeit angemessen ist, wenn sie beobachten, wie ihre Kinder die Altersstufen durchlaufen, in denen das Risiko für Essstörungen besteht, sollten einen genetischen Berater aufsuchen. In der Vergangenheit haben sich genetische Berater vor allem auf Krankheiten wie Huntington konzentriert, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung eindeutig war. Heute sind sie im Umgang mit komplexeren Krankheiten wie Anorexia nervosa geschult und können Familien dabei helfen, das Risiko zu verstehen und einzuschätzen.

    Generell ermutigen wir Eltern, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Hypervigilanz und Blindheit gegenüber Anzeichen einer Essstörung anzustreben. Wenn Sie sich Sorgen um Ihr Kind machen, ist es am besten, einen Termin für eine Untersuchung zu vereinbaren und mit Ihrem Arzt über Ihre Bedenken zu sprechen und darüber, wie Sie diese am besten angehen können. Die Forschung auf diesem Gebiet ist sehr aktiv, und wir hoffen, in naher Zukunft weitere Hilfsmittel und Anleitungen für Eltern bereitstellen zu können.

    Wir möchten noch einmal allen Patienten, Familienmitgliedern, Klinikern, Befürwortern und Forschern danken, die an ANGI teilgenommen haben. Es war eine bemerkenswerte Reise, und wir freuen uns darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, wenn wir unsere nächste Studie, die Eating Disorders Genetics Initiative (EDGI), auf den Weg bringen. Bleiben Sie dran!

    15.07.2019 – Cynthia Bulik, PhD, FAED

    https://sph.unc.edu/adv_profile/cynthia-bulik/

    https://uncexchanges.org/2019/07/15/personal-reflections-and-what-the-angi-results-mean-for-patients-families-and-clinicians-today-part-4/

    Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung ausserhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.

  • ANGI – Die Zukunft der genetischen Forschung zu Essstörungen (Teil 3)

    ANGI – Die Zukunft der genetischen Forschung zu Essstörungen (Teil 3)

    In diesem Blog befassen wir uns mit der Frage, wie es weitergeht. Das Psychiatric Genomics Consortium (PGC) hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, für alle wichtigen psychiatrischen Störungen eine Stichprobengröße von 100.000 zu erreichen, und Anorexia nervosa ist da keine Ausnahme. Als Arbeitsgruppe für Essstörungen (Eating Disorder – ED) des PGC ist unsere Arbeit sogar noch umfangreicher, da wir für Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Disorder so große Stichprobengrößen ermitteln müssen. Darüber hinaus befinden sich die Mitglieder der PGC-ED im Anfangsstadium der Planung einer GWAS (Genomweite Assoziationsstudie) für die vermeidende/restriktive Nahrungsaufnahme (ARFID), und sobald wir das klinische Phänomen der atypischen Anorexia nervosa (alle Symptome der Anorexia nervosa, aber kein niedriges Körpergewicht) besser verstehen, werden wir auch die Genetik dieser Erkrankung untersuchen.

    Bei unserer Arbeit geht es jedoch nicht nur darum, große Proben zu sammeln und Loci (Anm.d.Red.: die physische Position eines Gens im Genom, der Genort) im Genom zu identifizieren, die mit verschiedenen Krankheitszuständen in Verbindung stehen. Die eigentliche Frage lautet: Wie kommt man von einer GWAS zur funktionellen Biologie und schließlich zur Umsetzung der Erkenntnisse in die Klinik? Um diese Frage zu beantworten, führte ich ein Interview mit Patrick Sullivan, MD, FRANZCP, dem Mitbegründer und Vorsitzenden des Koordinierungsausschusses des PGC. Ich möchte ganz offen sagen, dass Dr. Sullivan sowohl mein Mitarbeiter, als auch mein Ehemann ist (nicht in dieser Reihenfolge!).

    Dr. Bulik: „Wie Sie wissen, haben das PGC-ED und ANGI gerade eine Arbeit (an der Sie als Autor beteiligt sind) in Nature Genetics veröffentlicht, in der acht Loci identifiziert wurden, die signifikant mit Anorexia nervosa assoziiert sind, sowie eine faszinierende Reihe von genetischen Korrelationen, die auf metabopsychiatrische Ursachen hindeuten. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit/Studie?“

    Dr. Sullivan: „Im Großen und Ganzen – das Wichtigste ist, dass diese Methode (GWAS) funktioniert und uns helfen wird, diese Störung zu verstehen, deren Ursache wir mit anderen Methoden nicht ergründen konnten. Ärzte haben sich seit Generationen Gedanken über die Ätiologie der Anorexia nervosa gemacht, und hier haben wir die ersten klaren Erkenntnisse über die Ursache.“

    Dr. Bulik: „Wir hören immer, dass eine große Stichprobengröße für den Erfolg von GWAS entscheidend ist. Wo steht Anorexia nervosa im Vergleich zu den anderen psychiatrischen Störungen, die das PGC untersucht?“

    Dr. Sullivan: „Diese GWAS ist in der Mitte angesiedelt. Schizophrenie, bipolare Störungen und Major Depression liegen vor uns, aber die Arbeit in diesen Bereichen begann schon früher. Das PGC wurde im Jahr 2007 gegründet. ANGI begann erst 2013. Die Anorexia nervosa GWAS liegt irgendwo in der Mitte aller Störungen, die wir derzeit untersuchen.“

    Dr. Bulik: „Man hört Sie oft sagen, dass der Sinn von GWAS darin besteht, die Biologie aufzuklären. Was sagt uns diese Studie über die Biologie der Anorexia nervosa?“

    Dr. Sullivan: „Wir haben in dieser Studie interessante Hinweise gefunden. Wir konnten einige Zelltypen und biologische Wege vorläufig identifizieren, aber das Signal-Rausch-Verhältnis ist noch nicht gut genug. Bei Schizophrenie werden so viele Dinge unglaublich klar, wenn man eine ausreichend große Stichprobe hat. Dies ist ein großartiger Anfang, aber es gibt noch so viel mehr zu tun. Im Gegensatz zu Erkrankungen wie entzündlichen Darmerkrankungen oder Prostatakrebs waren wir bisher nicht in der Lage, eine Gewebeprobe zu entnehmen oder auch nur zu wissen, welches Gewebe wir bei Anorexia nervosa entnehmen sollten, um die Biologie zu untersuchen – ist es das Gehirn, ist es das Fettgewebe – wir wissen einfach nicht, wo der „Sitz“ der Anorexia nervosa ist. Die Arbeit in dieser Studie ist ein erster Schritt in diese Richtung, aber wir brauchen eine größere Stichprobe, um das herauszufinden.“

    Dr. Bulik: „Viele unserer Leser sind an der grundlegenden Frage interessiert: ‚Und jetzt?‘ Was bedeutet es, dass wir 8 Loci identifiziert haben, und was bringt uns das in Bezug auf das Verständnis und die Therapeutik?“

    Dr. Sullivan: „Ich habe zwei Antworten auf diese Frage. Erstens können wir auf der Grundlage von Arbeiten wie dieser den genetischen Risikoscore einer Person berechnen. Im Grunde sagt uns das, wie hoch das individuelle genetische Risiko für eine Krankheit wie Anorexia nervosa ist. Wir sind sehr daran interessiert, genetische Risikowerte in der Klinik anzuwenden, um zu sehen, ob wir zu Beginn der Krankheit vorhersagen können, wer ein Risiko für einen schlechten Ausgang hat. Wenn uns dies gelingt, können wir spezifische Strategien anwenden, um die Entwicklung eines chronischen oder schweren Verlaufs abzumildern. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der personalisierten Medizin. Zweitens: Wenn unsere neurowissenschaftlichen Mitarbeiter mit einer größeren Stichprobengröße Zelltypen ausfindig machen und das Netzwerk oder die Netzwerke identifizieren können, die bei AN gestört oder dysfunktional sind, dann können wir mit klaren Zielpfaden das moderne kombinierte Hochdurchsatz-Wirkstoffscreening nutzen, um Therapeutika zu identifizieren oder zu entwickeln, die direkt auf die Biologie der Krankheit abzielen. Das ist besonders wichtig für Anorexia nervosa, weil es keine wirksamen Medikamente zur Behandlung der Krankheit gibt.

    Dr. Bulik: „Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und für Ihre Arbeit, mit der Sie das Gebiet der psychiatrischen Genetik voranbringen.“

    Dr. Sullivan: „Ich danke Ihnen!“

    15.07.2019 – Cynthia Bulik, PhD, FAED

    https://sph.unc.edu/adv_profile/cynthia-bulik

    https://uncexchanges.org/2019/07/15/the-future-of-genetic-research-on-eating-disorders-angi-part-3-an-interview-with-patrick-sullivan-md-franzcp/

    Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung ausserhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.