Autorin oder Autor: Elternnetzwerk Magersucht

Das Elternnetzwerk Magersucht e.V. hilft seit 2019: Akuthilfe bei Magersucht durch Online-Elterncoaching!
Unser Angebot: eine in dieser Form einmalige Akuthilfe in Deutschland mit Online-Selbsthilfegruppen durch Eltern für Eltern, mit dem Ziel, die Betroffenen im häuslichen Umfeld zu betreuen.
Unsere Botschaft: Eltern können gemeinsam mit professioneller Unterstützung von Kinder- oder Hausärzt:innen und Kinder- und Jugendpsychiater:innen selbst aktiv gegen die Krankheit werden können.
Ein frühzeitiges Eingreifen der Eltern verkürzt zudem nicht nur das Leiden der Erkrankten, sondern erhöht auch die Heilungschancen. Die Unterstützung durch andere Eltern, die das gleiche erleben oder erlebt haben, ist eine große Hilfe und Kraftquelle. 
Wir kümmern uns um Familien vor, während und nach stationären Klinik- und/oder Rehabilitationsaufenthalten und geben Hilfestellung im Umgang mit Behörden und sonstigen Institutionen wie Schule oder Jugendamt.
Unsere Hauptaufgabe sehen wir darin darin, Eltern oder Angehörige von an Magersucht Erkrankten zu ermutigen, eine aktive Rolle bei der Gesundung einzunehmen. Dabei orientiert sich der Verein an Behandlungsansätze, die versuchen stationäre Klinikaufenthalte zu bermeiden und die Eltern als wichtige Stütze im langfristigen Genesungsprozess integrieren:
Betroffene junge Menschen werden kurzfristig zunächst stationär, dann aber anschließend von einem fachkundigen Team – unter Einbindung der Eltern – zu Hause behandelt. Die seit vielen Jahren weltweit eingesetzte Behandlungsmethode Family Based Treatment (FBT) aus den USA oder der Maudsley-Ansatz können so Auswege aus der Anorexie werden. Diese Behandlungskonzepte sind in Deutschland noch wenig verbreitet.
Das Elternnetzwerk Magersucht geht auf eine Initiative von Eltern zurück, die ihren Kindern zu Hause aus der Magersucht helfen konnten und dabei professionell von Therapeuten aus Großbritannien und den USA unterstützt wurden.
Im Zuge der Corona Krise wuchs unser Netzwerk rasant, weil immer mehr Eltern nach Hilfe für ihre an Magersucht erkrankten Kinder und Jugendlichen im häuslichen Umfeld suchten. Die Vereinsgründung 2021 war aus unserer Sicht ein Meilenstein im Hinblick auf alternative Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene in Deutschland. Denn: viele Eltern warten wochenlang auf einen Klinikplatz und sehen zu, wie es ihrem Kind immer schlechter geht.
Unsere wichtigsten Ziele sind die Förderung der Heilungschancen von Kindern und Jugendlichen, die an einer Essstörung, insbesondere Anorexia nervosa, erkrankt oder davon bedroht sind, sowie die Vernetzung von Eltern, Angehörigen und Fachleuten im deutschsprachigen Raum. Wir wollen aktiv daran mitwirken, dass der Ausbau einer bedarfsgerechten Versorgung mit Beratungs- und Therapieeinrichtungen für Menschen mit restriktiven Essstörungen, die nach modernen, evidenzbasierten Methoden arbeiten, in Deutschland vorangebracht wird.

  • Elternnetzwerk Magersucht gewinnt startsocial Beratungs­stipendium

    Elternnetzwerk Magersucht gewinnt startsocial Beratungs­stipendium

    Das Elternnetzwerk überzeugte die Juroren mit einem professionellen Webauftritt und der in Deutschland einmaligen Unterstützung durch eine fast 24/7 online Hilfe für betroffene Eltern.

    Unter dem Motto „Hilfe für Helfer“ vergibt startsocial seit 20 Jahren Beratungsstipendien und 25 Auszeichnungen, darunter sieben Geldpreise, an herausragende soziale Initiativen mit dem Ziel, ehrenamtliches Engagement in Deutschland zu stärken.

    In der Bewerbung punktete das Elternnetzwerk Magersucht u.a. mit seinem großen ehrenamtlichen Aufwand, Eltern, Angehörige und Fachleute im deutschsprachigen Raum zu vernetzen und über das Thema Magersucht sowie moderne Behandlungsmethoden aufzuklären.

    Die 100 geförderten startsocial Initiativen kommen aus 15 Bundesländern und wurden von unabhängigen Jurorinnen und Juroren aus 236 Bewerbungen ausgewählt.

    In jeder Wettbewerbsrunde bringen rund 500 Fach- und Führungskräfte als ehrenamtliche Coaches sowie Jurorinnen und Juroren ihr Know-how ein. Hauptförderer sind die Unternehmen Allianz Deutschland AG, Deutsche Bank AG, SAP SE, ProSiebenSat.1 Media SE und McKinsey & Company.

  • Seminar 2022 – Fortbildung Maudsley Methode

    Seminar 2022 – Fortbildung Maudsley Methode

    Dieses systemische Behandlungsmodell betont die Bedeutung einer guten Kooperation mit Familien, ist stärken- und ressourcenorientiert und will zugleich Eltern als auch die betroffenen Jugendlichen stärken.

    In diesem Workshop werden die theoretischen und empirischen Grundlagen des Maudsley Modell von erfahrenen Mitgliedern des Maudsley Centre for Child and Adolescent Eating Disorders/London vorgestellt. Besonderer Wert wird auf die Vermittlung von praktischen Kenntnissen und Behandlungskompetenzen gelegt. Der Workshop gliedert sich in zwei Teile, einen zweitägigen Workshop im Mai und einen weiteren eintägigen vertiefenden Workshop im November, in dem praktische Erfahrungen der TeilnehmerInnen reflektiert und die Umsetzung der Behandlungstechniken vertieft werden.

    Das Seminar findet in englischer Sprache statt. Das Helm Stierlin Institut ist eines der führenden Weiterbildungsinstitute für Systemische Therapie und Beratung in Deutschland.

    Information und Anmeldung:

  • Das Aachener Modell ist HoT!

    Das Aachener Modell ist HoT!

    Frau Herpertz-Dahlmann ist Klinikleiterin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Universitätsklinik RWTH Aachen.

    2017 begann an der Universitätsklinik RWTH Aachen der Modellversuch „Home treatment bei adoleszenter Magersucht“ (HoT), der sich unter anderem an FBT orientiert. Der Modellversuch wurde von einer Pilotstudie begleitet. Home Treatments sind in vielen Ländern eine stationsersetzende Alternative zur Behandlung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher, bei denen die Indikation für eine stationäre Behandlung vorliegt.

    Der Home Treatment-Ansatz ist eine Behandlungsmethode, die den Übergang von der Klinik nach Hause erleichtern soll und die den Patienten und ihren Betreuern (in der Regel die Eltern) mehr und konkretere Unterstützung bietet als bisherige therapeutische Ansätze. Das Ziel ist außerdem, die Reintegration des jungen Menschen mit Magersucht in den Alltag zu unterstützen.

    Das (aus unserer Sicht wenig überraschende) Ergebnis der Studie:

    • Die Behandlung zu Hause nach einem kurzen stationären Aufenthalt ist für jugendliche Patienten mit Anorexia nervosa machbar und sicher.
    • Die Mehrheit der Patienten konnte während einer 1-Jahres-Nachbeobachtung erfolgreich ein gesundes Körpergewicht halten.
    • Die Fähigkeiten der Eltern, mit der Essstörung ihres Kindes umzugehen, verbesserten sich signifikant.
    • Die Behandlungskosten liegen deutlich unter den Kosten einer klassischen vollstationären Behandlung.

    Aufbauend auf den ermutigenden Ergebnissen der Pilotstudie wurde das Aachener Modell als Behandlungsansatz an der RWTH Aachen etabliert:

    • Aufgenommen werden können Patienten zwischen 12 und 18 Jahren, die noch eigenständig essen, somatisch stabil sind, nicht mehr als zwei Klinikaufenthalte hinter sich haben und im Umkreis von einer (Auto-)Stunde rund um Aachen wohnen.
    • Die Familien müssen bereit sein, sich zu engagieren und mehrere Mahlzeiten täglich konsequent zu überwachen.
    • Das Home Treatment beginnt mit einem 8-wöchigen stationären Start, in dem die Patienten stabilisiert werden.
    • Eltern lernen bereits in der Klinik mit ihrem Kind zu essen und den Umgang mit für die Krankheit spezifischen Verhaltensweisen.
    • Im Anschluss daran geht es direkt nach Hause, mit engmaschiger ambulanter Unterstützung. Bis zu 4x in der Woche besucht ein Team aus Arzt, Krankenschwester, Ergotherapeuten und Ernährungsberater die Familie vor Ort, zuhause. Der Bedarf der einzelnen Kinder und Familien wird individuell ermittelt.

    Das große Ziel von Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann und ihrem Team in Aachen: die Übertragung dieses innovativen Behandlungskonzeptes in die Regelversorgung. Aus diesem Grund wurde unter der Leitung der Uniklinik Aachen ein weiteres großes Projekt mit flankierender Studie auf die Beine gestellt, das nun begonnen hat. Das Innovationsfondprojekt „HoT“.

    Das Konzept „Home Treatment“ wird an vier weiteren großen Kliniken in NRW durchgeführt und evaluiert, konkret sind das die Uniklinik Münster, die Uniklinik LVR Bochum/Hamm, die LVR Klinik Bonn und die LVR Klinik Viersen. Die Behandlungsteams der jeweiligen Kliniken werden durch die Uniklinik Aachen geschult. Um den Erfolg des Konzeptes zu beurteilen, werden unter anderem die Gewichtsstabilisierung, die Lebensqualität und die Rückfallquote untersucht und mit einer Kontrollgruppen verglichen, die an einer normalen Regelversorgung teilnimmt. Am Projekt beteiligt sind auch mehrere Krankenkassen, z.B. die Techniker Krankenkasse, die DAK und die AOK Rheinland/Hamburg.

    Das Forscherteam hat die Hoffnung, dass die gewonnenen Erkenntnisse die Behandlung und Prognose für erkrankte junge Menschen verbessern und zu strukturellen Veränderung und Verbesserungen der allgemeinen Gesundheitsversorgung bei Magersucht-Erkrankungen in Deutschland führen.

    Das bereits bestehehende Home Treatment-Programm in Aachen (und somit die weitere Verbreitung sinnvoller Behandlungskonzepte bei Magersucht im deutschsprachigen Raum) kann man mit einer Spende finanziell unterstützen. Wir bringen Therapie ins Kinderzimmer, so ist das Motto der Uniklinik Aachen: https://www.stiftung-universitaetsmedizin-aachen.de/projekte/detail/home-treatment/

    Quellen:

     
  • Pilotstudie zur Wirksamkeit von FBT an der Charité in Berlin

    Pilotstudie zur Wirksamkeit von FBT an der Charité in Berlin

    Es zeigt, dass in Deutschland sinnvolle und effektive Hilfe für junge Menschen mit einer Essstörung in greifbare Nähe rückt!

    Im Rahmen eines klinischen Forschungsprojektes, einer Pilotstudie zur Machbarkeit und Wirksamkeit von FBT, erhalten 15 Familien aus Berlin und dem Umland die Möglichkeit, nach einem zweitägigen Kurzaufenthalt in der Pädiatrie für ein medizinisches assessment, ein Home Treatment unter professioneller Betreuung durchführen zu können. Die wenigen Plätze sind leider nur für Berliner Familien vorgesehen und es müssen eine Reihe von Einschlusskriterien erfüllt sein. Aber dass es diese Studie gibt, gibt Anlass zur Hoffnung!

    In Deutschland ist üblich, dass bei einer Erkrankung an Magersucht und bestimmten, weiteren Kriterien (z.B. rapider Gewichtsverlust, gefährliches Untergewicht, fehlende Gewichtszunahme trotz ambulanter Behandlung, ausgeprägte Komorbiditäten) erst eine lange stationäre Behandlung erfolgt und sich dann (erneut) eine ambulante Behandlung anschließt.

    Häufig kommt es jedoch nach der stationären Therapie zu einem erneuten Gewichtsverlust, die „Rückfallquote“ bei Anorexie ist bekanntermaßen hoch. Möglicherweise ist dies durch die krankheitsbedingt fehlende Einsicht und Mitarbeit der jungen Patienten bedingt, möglicherweise ist dies auch der nur marginalen Einbeziehung der Eltern in der derzeitigen Standardbehandlung geschuldet.

    Die meisten Eltern sind komplett überfordert, wenn ihr Kind wieder nach Hause kommt, da sie keinerlei Strategien und Wissen darüber haben, wie sie ihrem Kind nun helfen können. Oft führt das zu Rückfällen, erneuten Klinikaufenthalten und wenig Chancen auf einen echten und dauerhaften Heilungsprozess.

    In der Studie werden langfristig Gewichtsverlauf und weitere Essstörungssymptome, sowie Behandlungszufriedenheit und -kosten dem derzeitigen deutschen Behandlungsstandard gegenübergestellt.

    „Durch das Projekt erhoffen wir uns eine signifikante Erweiterung und Verbesserung der Therapieoptionen und -erfolge für unsere jungen Patient*innen mit Magersucht.“
    (Dr. Verena Haas, Forschung/Ernährungstherapeutin Charité – Universitätsmedizin Berlin)

    Fünf erfahrene Therapeutinnen und Therapeuten erhalten aktuell eine FBT-Ausbildung durch die renommierten Spezialisten Prof. Daniel Le Grange (USA) und Dr. Roslyn Hopf (Deutschland).

    Prof. Le Grange ist international renommierter Wissenschaftler, der maßgeblich an der Entwicklung von FBT mitgewirkt hat und bereits viele Studienergebnisse zum Thema FBT veröffentlich hat.

    Er und sein Kollege Dr. James Lock sind Begründer des Training Institute for Child and Adolescent Eating Disorders, das in den USA die Ausbildung zum zertifizierten FBT-Therapeuten anbietet.

    Prof. Le Grange konnte für das Projekt auch als wissenschaftlicher Kooperationspartner gewonnen werden.

    „Als die Kollegen von der Berliner Charité Kontakt mit mir aufgenommen haben mit der Idee, eine Studie zu FBT in Deutschland durchzuführen, war ich sofort begeistert. Denn bislang wurde die Wirksamkeit von FBT noch nicht in einem zentraleuropäischen Land wissenschaftlich untersucht und belegt. Das ist ein wichtiger Schritt, bei dem ich das Berliner Team überaus gerne unterstütze!“
    (Prof. Daniel Le Grange)

    Als weitere Kooperationspartnerin und FBT Ausbilderin konnte Dr. Roslyn Hopf gewonnen werden. Sie erhielt ihre Ausbildung zur FBT Therapeutin bei Prof. Le Grange in Chicago und ist unseres Wissens nach aktuell die einzige zertifizierte FBT-Therapeutin in Deutschland.

    Sie forscht und publiziert schon seit langem zum Thema FBT und ist seit 10 Jahren als niedergelassene Psychotherapeutin im Frankfurter Raum tätig.

    „Ich freue mich sehr, dass die Charité in Berlin dieses Forschungsprojekt plant, und es bald mehr deutschsprachige FBT-Therapeuten geben wird. Das wird langfristig dazu führen, dass mehr deutsche Familien, deren Kinder eine Essstörung haben, eine alternative Behandlungsmethode in Betracht ziehen können.“
    (Dr. Roslyn Hopf)

    Alle Informationen zu diesem sehr begrüßenswerten Projekt findet man hier: