Kategorie: Ressourcen

  • Der Kampf am Tisch (Bericht über FBT in der FAZ)

    Der Kampf am Tisch (Bericht über FBT in der FAZ)

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    Benutzer: faz@elternnetzwerk-magersucht.de
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    https://www.faz.net/­aktuell/­gesellschaft/­gesundheit/­magersucht-therapie-­der-kampf-amtisch-­12848669.html

    Bei dieser hierzulande vergleichsweise unbekannten Therapie handelt es sich um einen ambulanten Ansatz aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien, der mit traditionellen Behandlungen insofern bricht, als die Eltern die komplette Verantwortung für Essen und Gewicht ihrer Kinder übernehmen, nicht Ärzte oder Therapeuten. „Life stops until you eat“, lautet ein Prinzip: Das Leben steht still, bis du gegessen hast. Die Wiederernährung der oft erschreckend abgemagerten Kinder ist das dringlichste Ziel, Essen die wichtigste Medizin.
    (Zitat aus dem Bericht)

  • Anorexia nervosa – Verzehrende Suche nach Sicherheit (Jürg Liechti)

    Anorexia nervosa – Verzehrende Suche nach Sicherheit (Jürg Liechti)

    Ein reicher Schatz an Erfahrung und voll feinfühligem Verständnis für den Patienten und dessen Heilung.

    Als Taschenbuch und eBook, z.B. bei Amazon: Link

  • Die Rolle der Motivation bei der Behandlung von Magersucht

    Die Rolle der Motivation bei der Behandlung von Magersucht

    Da Anosognosie (die Unfähigkeit, eine Erkrankung der eigenen Person wahrzunehmen) ein Hauptsymptom von Anorexia nervosa (AN) ist, haben die meisten Patienten während ihrer Erkrankung wenig oder gar keine Einsicht oder Motivation.

    Wenn nun eine Person sich selbst nicht als krank wahrnimmt, wird sie auch nicht motiviert sein, wieder gesund zu werden. Wenn eine Person sich selbst als überlegen wahrnimmt, während sie unterernährt, abgemagert und hyperaktiv ist, wird sie wiederum einen hohen Antrieb haben, ihre AN aufrechtzuerhalten.

    Glücklicherweise ist Motivation nicht notwendig, um mit der Genesung von AN zu beginnen. Bei der Familienbasierten Behandlung (FBT) wird Motivation von den Patienten in Phase I (Refeeding und Gewichtswiederherstellung) weder erwartet noch verlangt. Solange die Eltern hoch motiviert sind, ihr Kind wieder gesund zu machen (was bei den meisten Eltern sicherlich der Fall ist), ist eine Motivation des Patienten nicht erforderlich.

    Es gibt zwei Arten von Motivation:

    Extrinsische Motivation ist der Antrieb, eine Tätigkeit auszuführen, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Extrinsische Motivation kommt von außerhalb des Individuums. So ist ein Oberstufenschüler beispielsweise motiviert, zu lernen, um gute Noten zu erzielen und zum Studium zugelassen zu werden.

    Intrinsische Motivation ist ein innerer Antrieb, eine Tätigkeit aus persönlichen Gründen auszuführen, welche auf dem Interesse oder der Freude an der Aufgabe selbst beruht. Intrinsische Motivation besteht auch dann, wenn es keine äußere Belohnung gibt. Beispielsweise verbringt eine junge Künstlerin, die leidenschaftlich gerne malt, viele Stunden im Atelier und vertieft sich in ihre Kunst.

    In der Erziehung wird oft schon früh auf extrinsische Motivation gesetzt, um die intrinsische Motivation zu entwickeln. Ein Kleinkind wird motiviert, auf die Toilette zu gehen, indem es zur Belohnung einen Sternaufkleber auf seiner Karte bekommt; ein Vorschulkind wird motiviert, die Regeln der Eltern zu befolgen, um eine Bestrafung zu vermeiden; ein Teenager wird motiviert, zur verabredeten Zeit zu Hause zu sein, um keinen Hausarrest zu bekommen.

    Das oberste Ziel der Erziehung ist natürlich, dass die Kinder zu unabhängigen Erwachsenen heranwachsen, die nicht mehr auf extrinsische Motivation angewiesen sind, um in der Gesellschaft zu bestehen. Schließlich fühlt sich das Kind intrinsisch motiviert, die Toilette zu benutzen, weil es unangenehm ist, in einer schmutzigen Unterhose zu sitzen; es ist freundlich zu seinen Freunden und Geschwistern, weil es moralisch richtig ist und es gute Beziehungen zu ihnen pflegen will; es kommt zu einer angemessenen Zeit nach Hause, damit es gut schlafen kann und am nächsten Tag fit ist.

    In ähnlicher Weise besteht ein langfristiges Ziel der Behandlung von Anorexia nervosa darin, dass die Patientin oder der Patient intrinsisch motiviert ist, gesund zu bleiben und sich zu erholen. Doch während wir darauf warten, dass sich eine intrinsische Motivation entwickelt, ist es völlig in Ordnung und in vielen Fällen sogar absolut notwendig, externe Motivationen zu schaffen, um die Person auf dem Weg zur Genesung vorwärts zu bringen.

    Patienten mit Anorexia nervosa haben in der akuten Krankheitsphase oft keine oder nur eine geringe intrinsische Motivation zur Genesung. Vielmehr sind die meisten Patienten getrieben, ihr Essverhalten fortzusetzen, weil sie durch starke biologische, psychologische und soziale Kräfte dazu gezwungen werden. Aus diesem Grund ist es oft unabdingbar, extrinsische Motivationen zu nutzen, um die Patienten dazu zu bringen, genesungsorientiertes Verhalten an den Tag zu legen, z.B. Mahlzeiten zu essen, Gewicht zuzunehmen, sich nicht zu übergeben und die Termine mit dem Behandlungsteam wahrzunehmen.

    AN-Patienten sind oft gehorsame, regelkonforme Menschen, die es allen recht machen wollen. Wir können diese Eigenschaften positiv nutzen, um die Genesung zu fördern. Häufig berichten Patienten, dass sie essen und zunehmen, um ihre Eltern glücklich zu machen oder um ihren Ärzten zu gefallen. Noch häufiger kommt es vor, dass Patienten sich an die Ernährungsumstellung halten und ihr Idealgewicht beibehalten, um einen Krankenhausaufenthalt zu vermeiden oder den Sport, den sie lieben, weiter betreiben zu können.

    Eltern haben oft Sorgen, dass ihr Kind, wenn es sich selbst überlassen bliebe, sicher zu wenig essen, zu viel Sport treiben, wieder mit dem Erbrechen beginnen und ein weiteres Mal einen Rückschlag erleiden würde. Diese Sorge ist durchaus berechtigt. Genau deshalb brauchen die Patienten lange Zeit nach der Diagnose sehr viel Unterstützung und Überwachung. Im Übrigen besteht dieser Bedarf nach einem hohen Maß an Unterstützung und Überwachung noch viel, viel, viel länger, als es die meisten Behandlungsprogramme vorsehen oder die meisten Versicherungen bezahlen. Einer der Gründe, warum die Patienten so lange viel Unterstützung benötigen, ist, dass eine intrinsische Motivation für die meisten Patienten weder realistisch noch möglich ist, bis sie in der Genesung weiter fortgeschritten sind.

    Während akut erkrankten Patienten oft die Motivation zur Genesung fehlt, sind viele Patienten, die ihr Gewicht wiederhergestellt haben und in ihrer psychologischen Genesung weiter fortgeschritten sind, sehr motiviert, gesund zu bleiben. Meiner Meinung nach gibt es mehrere Gründe für diesen Motivationswandel:

    1. Die Fähigkeit, klarer zu denken, dank eines gut ernährten Gehirns und Körpers.
    2. Reife. Die Patienten werden mit fortschreitender Genesung älter und reifer, und dank eines besser entwickelten präfrontalen Kortex‘ können sie vorausschauend denken, Pläne machen und ihre Absichten durchsetzen.
    3. Perspektive. Patienten in den späteren Phasen der Genesung sind oft durch die Hölle und zurück gegangen. Sie haben sich ihr Leben zurückerobert. Obwohl sie sich vielleicht nicht mehr an die akute Phase ihrer Krankheit erinnern können, wissen sie, dass diese schrecklich war und sie haben nicht die Absicht, dorthin zurückzukehren.
    4. Elterliche Intervention. Eltern, die ihre Kinder bei der Genesung von AN unterstützt haben, sind in der Regel äußerst motiviert, ihnen zu helfen, gesund zu bleiben. Vielleicht noch wichtiger ist, dass die Eltern sich befähigt fühlen, die in der Behandlung erlernten Hilfsmittel und Strategien einzusetzen, um ein Umfeld aufrechtzuerhalten, das der Genesung förderlich ist, und jedem Verhalten, das die Genesung gefährdet, ohne zu zögern Grenzen zu setzen.

    Motivation scheint die natürliche Folge von wiederhergestellter Gesundheit und verbesserter Einsicht zu sein. Sobald ein Jugendlicher oder junger Erwachsener nicht mehr durch die AN belastet ist, beginnt er zu erkennen, wie krank er einst war und wie sehr die AN sein Leben ruiniert hat. Mit der Rückkehr in die Schule, zum Sport, zu Hobbys und zu einem aktiven sozialen Leben beginnt er, sich ein lebenswertes Leben aufzubauen. Dieses neue Leben motiviert ihn, den Genesungsprozess aufrechtzuerhalten. Es hält ihn gleichzeitig davon ab, Verhaltensweisen an den Tag zu legen, die zu einem Rückfall führen könnten.

    Ich habe festgestellt, dass ältere Jugendliche und junge Erwachsene oft motiviert sind, gesund zu bleiben, um ihre Ziele zu erreichen. Sie wollen zum Beispiel Abitur machen, sie wollen im Ausland studieren, sie wollen heiraten und Kinder haben, sie wollen die Welt bereisen, sie wollen ein reiches und sinnvolles Leben führen, welches nicht von aufdringlichen Gedanken über Kohlenhydrate, Kalorien oder den Umfang ihrer Oberschenkel beherrscht wird.

    Wie kann man nun die Motivation von Menschen, die sich von AN erholen, steigern? Nun, intrinsische Motivation muss per Definition von innen heraus wachsen und gedeihen. Sie kann nicht von außen aufgezwungen werden. Es gibt jedoch einige Dinge, die Familienmitglieder und Ärzte tun können, um die Entwicklung einer intrinsischen Motivation zu fördern:

    Der Person helfen, ein erfülltes, reiches und sinnvolles Leben aufzubauen. Erinnern Sie die Person regelmäßig (nicht aufdringlich oder häufig) daran, dass ihr neues Leben ohne kontinuierliche Genesung nicht möglich wäre. Heben Sie die persönlichen Eigenschaften hervor, die der Person geholfen haben, ihre Genesung zu erreichen und aufrechtzuerhalten (z. B. „Du bist ein so starker, mutiger und engagierter Mensch, dass Du es geschafft hast, diese Krankheit zu überwinden“)

    Helfen Sie der Person, ihre Grundwerte zu erkennen und unterstützen Sie sie dabei, ein Leben zu führen, das mit diesen Werten übereinstimmt. Was ist das Wichtigste im Leben? Wie möchte er von seinen Angehörigen nach seinem Tod in Erinnerung behalten werden? Sofern die Person nicht akut an AN erkrankt ist, wird sie wahrscheinlich nicht sagen, dass es zu ihren Grundwerten gehört, schlank zu sein, übermäßig viel Sport zu treiben oder Zucker und Mehl zu vermeiden.

    Die Konzentration auf die Grundwerte und das Streben nach einem sinnvollen Leben sind starke Motivatoren und wirksame Gegenmittel gegen die anorektischen Gedanken, die Zeit zu Zeit auftauchen werden.

    Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
    https://blog.drsarahravin.com/­eating-disorders/­after-weight-restoration-­the-role-of-motivation

  • Eva Musby’s anorexia­family.com

    Eva Musby’s anorexia­family.com

    Du findest die Webseite hier:
    https://anorexiafamily.com/magersucht-anorexie-essstorung

  • Der Junge, der Äpfel liebte: Wie mein Sohn seine Magersucht besiegte (Amanda Webster)

    Der Junge, der Äpfel liebte: Wie mein Sohn seine Magersucht besiegte (Amanda Webster)

    Die Mutter (selbst Ärztin) lehnt eine stationäre Unterbringung wegen der hohen Rückfallquoten und den geringen Erfolgsaussichten ab. Der Zustand des Jungen wird immer lebensgefährlicher und die ganze Famile droht daran zu zerbrechen. Einfühlsam schreibt Amanda Webster über ihren Weg ihres Sohnes und ihrer Familie zurück ins Leben.

    Als Taschenbuch und eBook, z.B. bei Amazon: Link

  • Elternabende und Lehrerfortbildungen

    Elternabende und Lehrerfortbildungen

    Wir haben ein Paket für Elternabende und ein Paket für die Lehrerfortbildung geschnürt, die in jeweils 90 Minuten einen Einblick in aktuellen Erkenntnisse rund um die Krankheit Anorexie und aktuell empfohlene Therapieansätze geben.

    Lehrkräfte, Medien und Ärzte beschreiben eine augenscheinlich zunehmende Zahl von erkrankten Jugendlichen und gerade Eltern fühlen sich oft hilflos. Eltern, Lehrern und pädagogischen Fachkräften fehlt Wissen, um die Erkrankung Magersucht frühzeitig zu erkennen, um schnell handeln zu können. Wie bei vielen Erkrankungen sind Prävention und Früherkennung ganz entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Behandlung.

    Es werden relevante Themen für Prävention, wie „Gesunde Ernährung, Sport und Bodyimage“ sowie der Einfluss sozialer Medien in Hinblick auf Essstörungen reflektiert und diskutiert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten nützliche Adressen und Informationen, die betroffene Eltern auf ihrem schwierigen Weg weiterhelfen können.

    Die kompletten Ausschreibungen und weitere Informationen:

    Download Ausschreibung Elternabend (PDF) Download Ausschreibung Fortbildung Lehrkräfte (PDF)

  • Elternnetzwerk Magersucht gewinnt startsocial Beratungs­stipendium

    Elternnetzwerk Magersucht gewinnt startsocial Beratungs­stipendium

    Das Elternnetzwerk überzeugte die Juroren mit einem professionellen Webauftritt und der in Deutschland einmaligen Unterstützung durch eine fast 24/7 online Hilfe für betroffene Eltern.

    Unter dem Motto „Hilfe für Helfer“ vergibt startsocial seit 20 Jahren Beratungsstipendien und 25 Auszeichnungen, darunter sieben Geldpreise, an herausragende soziale Initiativen mit dem Ziel, ehrenamtliches Engagement in Deutschland zu stärken.

    In der Bewerbung punktete das Elternnetzwerk Magersucht u.a. mit seinem großen ehrenamtlichen Aufwand, Eltern, Angehörige und Fachleute im deutschsprachigen Raum zu vernetzen und über das Thema Magersucht sowie moderne Behandlungsmethoden aufzuklären.

    Die 100 geförderten startsocial Initiativen kommen aus 15 Bundesländern und wurden von unabhängigen Jurorinnen und Juroren aus 236 Bewerbungen ausgewählt.

    In jeder Wettbewerbsrunde bringen rund 500 Fach- und Führungskräfte als ehrenamtliche Coaches sowie Jurorinnen und Juroren ihr Know-how ein. Hauptförderer sind die Unternehmen Allianz Deutschland AG, Deutsche Bank AG, SAP SE, ProSiebenSat.1 Media SE und McKinsey & Company.

  • Seminar 2022 – Fortbildung Maudsley Methode

    Seminar 2022 – Fortbildung Maudsley Methode

    Dieses systemische Behandlungsmodell betont die Bedeutung einer guten Kooperation mit Familien, ist stärken- und ressourcenorientiert und will zugleich Eltern als auch die betroffenen Jugendlichen stärken.

    In diesem Workshop werden die theoretischen und empirischen Grundlagen des Maudsley Modell von erfahrenen Mitgliedern des Maudsley Centre for Child and Adolescent Eating Disorders/London vorgestellt. Besonderer Wert wird auf die Vermittlung von praktischen Kenntnissen und Behandlungskompetenzen gelegt. Der Workshop gliedert sich in zwei Teile, einen zweitägigen Workshop im Mai und einen weiteren eintägigen vertiefenden Workshop im November, in dem praktische Erfahrungen der TeilnehmerInnen reflektiert und die Umsetzung der Behandlungstechniken vertieft werden.

    Das Seminar findet in englischer Sprache statt. Das Helm Stierlin Institut ist eines der führenden Weiterbildungsinstitute für Systemische Therapie und Beratung in Deutschland.

    Information und Anmeldung:

  • Das Gehirn nach der Gewichts­wiederherstellung

    Das Gehirn nach der Gewichts­wiederherstellung

    Gehirnveränderungen

    AN wird von Stimmungsänderungen und affektiven Störungen des Denkens begleitet. Patienten haben häufig Angst- und Depressionssymptome, die nicht vor der Essstörung aufgetreten sind oder die von der AN verschlimmert werden. Die Minnesota-Studie von Ancel Keys dokumentierte, dass Angstzustände und Depressionen zu den Symptomen gehörten, die bei gesunden Männern auftraten, die sich im Rahmen einer Studie halb zu Tode hungerten.

    Darüber hinaus ziehen sich Menschen mit AN häufig sozial zurück, werden starrer und rigider in ihrem Denken und haben häufig wenig Einsicht in ihre Krankheit.

    Ein Elternteil beschrieb ihre Tochter wie folgt: „Als ob der körperliche Verfall nicht beängstigend genug wäre, wurde sie eine andere und angstauslösende Person. Sie würde lügen und manipulieren, um nicht mehr essen und trainieren zu müssen. Sie würde lügen und manipulieren, um die zunehmende Isolation von Freunden zu erklären. Wenn ich versuchen würde, meinem Ehemann zu berichten, wie es gelaufen sei als ich versucht habe sie zum Essen zu bewegen, dann müsste ich sagen: „Ihr Kopf drehte sich dreimal wie bei einem Exorzisten, und Gift begann aus ihrem Mund zu spritzen.“

    Forschungsergebnisse

    Es besteht allgemeine Übereinstimmung, dass zur Genesung von AN eine Wiederherstellung des Gewichts und eine Rehabilitation des Ernährungsverhaltens erforderlich ist. Dies muss Vorrang vor einsichtsorientierter therapeutischer Arbeit haben. Drei aktuelle Studien zum Gehirn veranschaulichen, warum dies so wichtig ist.

    Eine Studie von Roberto und Kollegen (2010) verwendete MRT-Bildgebungstechniken, um das Gehirn von 32 erwachsenen Frauen mit AN vor und nach der Wiederherstellung des Gewichts (auf 90 Prozent ihres idealen Körpergewichts) zu untersuchen und sie mit dem Gehirn von 21 Frauen zu vergleichen, die nicht an AN erkrankt waren. Die Ergebnisse zeigten:

    • Untergewichtige Personen mit AN hatten im Vergleich zu gesunden Kontrollenpersonen signifikante Defizite beim Volumen der grauen Hirnsubstanz.
    • Diese Defizite beim Volumen der grauen Hirnsubstanz verbesserten sich bei der kurzfristigen Wiederherstellung des Gewichts, normalisierten sich jedoch im Verlauf der 51-wöchigen Studie nicht vollständig.
    • Die Forscher folgerten: „Die Korrelation zwischen BMI und Volumenänderungen lässt darauf schließen, dass das Verhungern bei Patienten mit AN eine zentrale Rolle bei Defiziten im Gehirn spielt, obwohl der genaue Mechanismus, durch den das Verhungern das Gehirnvolumen beeinflusst, unklar bleibt.“

    Eine Studie von Wagner und Kollegen (2005) führte MRT-Gehirnscans bei 40 Frauen durch, die sich langfristig von Essstörungen erholten (Patienten mit AN und Bulimia nervosa). Ihre Genesungsdauer lag zwischen 29 und 40 Monaten (viel länger als in der Roberto-Studie). Die Ergebnisse zeigten:

    • Alle Hirnstrukturen der erholten Frauen waren normal und denen der Kontrollpersonen ähnlich.
    • Diese Studie legt nahe, dass strukturelle Gehirnanomalien bei einer langfristigen Wiederherstellung des Gewichts reversibel sind.

    Eine Studie von Chui und Kollegen (2008) bewertete 66 erwachsene Frauen mit einer AN-Vorgeschichte in ihrer Jugend und verglich sie mit 42 gesunden weiblichen Frauen. Die Teilnehmer erhielten eine MRT und eine kognitive Auswertung. Die Ergebnisse zeigten:

    • Teilnehmerinnen mit AN, die bei niedrigem Gewicht blieben, hatten abnormale MRT-Scans.
    • Patientinnen bei denen das Gewicht wieder vollständig hergestellt wurde, hatten normale Gehirnvolumina.
    • Teilnehmerinnen, die gegenwärtig ihren Menstruationszyklus verloren hatten oder eine unregelmäßige Menstruation hatten, zeigten signifikante Defizite in einem breiten Spektrum von kognitiven Bereichen, einschließlich verbaler Fähigkeiten, kognitiver Effizienz, Lesen, Mathematik und verzögerter verbaler Erinnerung (selbst wenn die strukturellen Gehirnveränderungen abgeklungen waren).

    Wiederherstellung des Gehirns

    Zusammengenommen legen diese Studien ein komplexes Zusammenspiel zwischen Gewichtsstatus, Gehirnstruktur und optimaler Gehirnfunktion nahe. Hirnsubstanz schrumpft tatsächlich während der AN und braucht Zeit, um sich zu erholen. Sechs Monate nach der Wiederherstellung des vollen Gewichts ist das Gehirn oft noch nicht wieder normal aufgebaut. Doch mit genügend Zeit bei einem gesunden Gewicht scheint das Gehirn völlig zu genesen. Die Forschung legt nahe, dass drei Jahre nach dem Erreichen der Gewichtswiederherstellung das Gehirn der meisten Personen wahrscheinlich physisch wieder komplett normal erscheint.

    Obwohl des Gehirns nach der Gewichtswiederherstellung wieder normal aussieht, ist die normale Funktion des Gehirns möglicherweise noch nicht wiederhergestellt. Es scheint, dass die Menstruationsfunktion ein besserer Anzeiger für die kognitive Erholung ist als das Gewicht (bei Frauen), und dass die volle kognitive Funktion möglicherweise erst wieder hergestellt wurde, wenn die Menstruation mindestens sechs Monate lang aufrechterhalten wurde. Dies ist ein Grund, warum die Rückkehr und fortgesetzte Menstruation ein so wichtiger Marker für die Genesung ist.

    Eltern von Patienten mit Anorexie berichten von einem Zeitraum von sechs Monaten bis zu 2+ Jahren, in dem eine vollständige „Hirnheilung“ stattfindet. Was Eltern normalerweise meinen, wenn sie über Hirnheilung berichten, ist, dass sie einen verbesserten Zustand bemerken, „als ob der Patient aus einem Nebel herauskommt.“ Darüber hinaus berichten Eltern, dass Hirnheilung Veränderungen in der Stimmung und im Verhalten mit sich bringt, in denen Patienten stabiler erscheinen bei ihrer Genesung und „zurück zu ihrem früheren (vor der Krankheit) Selbst finden“. Ein Buch für Eltern trägt sogar den Titel „Mein Kind ist zurück“.

    Es ist wichtig, die Zwickmühle einer AN-Erholung zu erkennen. Personen mit AN sind in der Regel kognitiv beeinträchtigt und benötigen eine längere Zeit bei einem gesunden Gewicht, damit sich die kognitiven Beeinträchtigungen vollständig verbessern können. Zum Teil sind es jedoch die kognitiven Symptome von AN, die die Betroffenen zu der Annahme bringen, dass „nichts falsch“ mit ihnen ist, und so die Behandlung ablehnen, was als „Anosognosie“ bezeichnet wird.

    Implikationen für Patienten und Familien

    Laut Dr. Ovidio Bermudez, Chief Clinical Officer und Ärztlicher Direktor der Abteilung für Kinder- und Jugendhilfe im Eating Recovery Center in Denver, können es sich Eltern und Behandler nicht leisten, bei der Gewichtszunahme Kompromisse einzugehen. Dr. Bermudez lehrt, dass kranke untergewichtige Patienten zuerst eine „Gehirnrettung“ benötigen, damit dann „Psychotherapie und Verhaltensänderungen einen Unterschied machen können“.

    Dies ist wahrscheinlich ein Grund dafür, dass FBT (Familienbasierte Therapie) für jüngere Patienten häufig erfolgreicher ist als eine konventionelle Therapie. Eltern müssen häufig die schwere schwere Arbeit für ihre Kinder tun, die unterernährt sind. Es zeigt auch die Herausforderung der Behandlung für ältere Patienten mit Anorexie, die möglicherweise versuchen, sich mit einem verhungernden Gehirn zu erholen. Untersuchungen belegen, dass Personen nur mit einer vollständigen und dauerhaften Gewichtszunahme in der Lage sind, ihre eigene Genesung aufrechtzuerhalten.

    22.05.2020 Lauren Muhlheim, Psy.D., FAED, CEDS-S
    https://www.verywellmind.com/brain-starvation-and-recovery-in-anorexia-nervosa-1138303
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