Kategorie: Großbritannien

  • Eva Musby – Das Bungee-Sprung Video (Vertrauen hilft, nicht Logik)

    Eva Musby – Das Bungee-Sprung Video (Vertrauen hilft, nicht Logik)

    Du findest den Youtube-Kanal von Eva Musby hier: https://www.­youtube.com/­user/­EvaMusby

    Bitte schau dir unbedingt dieses Video an, es hat schon unzähligen Eltern geholfen, zu verstehen, was mit ihrem Kind jetzt plötzlich los ist: Der Bungee-Sprung

  • Wie ihr eurer Kind anleitet, um von einer Essstörung vollständig zu genesen

    Wie ihr eurer Kind anleitet, um von einer Essstörung vollständig zu genesen

    Die jungen Leute fühlen sich insgeheim wie Versager. Die Mahlzeiten fallen ihnen immer noch schwer, sie haben immer noch zwanghafte Gedanken und fühlen sich immer noch schrecklich in ihrem Körper. Wenn die Behandlung abgeschlossen ist, bedeutet das dann, dass sie ihr Leben lang mit ihrer Essstörung zu kämpfen haben werden? Was fehlt, ist, dass ihnen nie beigebracht wurde, Vertrauen in „normale“ Verhaltensweisen zu gewinnen, und dass ihr Gehirn keine Zeit hatte, sich neu zu programmieren.

    Stellt Euch Phase 1 so vor, als hätte euer Kind ein gebrochenes Bein in Gips und würde an Krücken gehen. Bevor ihr von eurem Kind erwartet, dass es hüpft und rennt, gibt es eine zweite Phase mit Physiotherapie und sanften Spaziergängen.

    „FBT wird oft nur als Phase eins angesehen […] und das wäre eine Verkennung der Komplexität und der Wichtigkeit der Phasen zwei und drei und der Heranführung der Jugendlichen an einen Punkt, an dem sie nun viel weniger durch die Essstörung belastet sind und ihre eigene Stimme zu hören beginnen und gehört werden und Teil des Behandlungsprozesses sein sollten“
    Daniel Le Grange

    Phase 2 schlecht gemacht: zu viel Verantwortung zurückgeben, zu früh

    Phase 2 kann ernsthaft schief gehen, wenn jungen Menschen gesagt wird, dass sie jetzt ihre eigenen Entscheidungen in Bezug auf Essen oder Bewegung treffen können, obwohl sie eigentlich noch ziemlich verloren und noch nicht so weit sind, dies vernünftig zu tun. In der Zwischenzeit wurden die Eltern entmachtet, so dass die Eltern sich unfähig fühlen, etwas dagegen zu unternehmen, wenn das Kind wieder zu winzigen Mahlzeiten in sein Zimmer verschwindet oder wenn sich alles darauf konzentriert, unter einem bestimmten Gewicht zu bleiben.

    Einige Monate später sagen sie, ihr Kind sei „rückfällig“ geworden, obwohl die Behandlung in Wirklichkeit nie abgeschlossen wurde. Dies kann passieren, wenn Menschen wegen einer Essstörung aus einer stationären Behandlung entlassen werden.

    Stationäre Einrichtungen schließen die Behandlung nicht ab. Das muss in einer normalen häuslichen Umgebung geschehen, und höchstwahrscheinlich wird euer Kind noch eine Weile eure Unterstützung und Betreuung brauchen.

    Gewichtswiederherstellung ist nicht genug

    Die richtige Wiederherstellung des Gewichts ist für die Genesung notwendig. Aber es ist nicht ausreichend. Euer Kind braucht Phase 2.

    Eltern, informiert Euch über Phase 2

    Die Ärzte haben vielleicht keine andere Wahl, als euer Kind zu früh zu entlassen, denn viele haben Wartelisten mit sehr verzweifelten jungen Menschen. Oder sie glauben, ihr seid übermäßig ängstlich und sie müssten euch drängen, die Verantwortung für die Genesung eures Kindes abzugeben.

    Möglicherweise müsst ihr euch also selbst weiterbilden, entweder um es allein zu schaffen oder um eure Zusammenarbeit mit dem Arzt zu verstärken.


    Was ihr lernen könnt

    • wie ihr eurem Kind beibringen könnt, mit Essensportionen und vernünftiger Bewegung umzugehen.
    • wie ihr alle „nicht normalen“ Verhaltensweisen, einschließlich Fearfood (angstauslösende Lebensmittel) und beängstigende Situationen, im Auge behalten und daran arbeiten könnt.
    • wie man auf das zurückgreift, „was zuletzt funktioniert hat“.
    • wie man kleine Experimente durchführt, um herauszufinden, wie viel Autonomie euer Kind schon hat.
    • intuitives Essen zu verstehen und warum ihr nicht erwarten könnt, dass euer Kind einfach so damit anfängt.
    • wie man mit den Unsicherheiten dieser Phase umgeht, damit man am Ende klug loslassen und sein Leben weiterführen kann, aber auch jederzeit wieder einsteigen kann, wenn es nötig ist.


    Wo ihr lernen könnt

    Originaltitel: Phase 2 – how to guide your child to complete recovery from an eating disorder
    Originalfassung: https://anorexiafamily.com/phase-2-complete-eating-disorder-recovery
    Mit freundlicher Genehmigung der Autorin

  • Auf eine vollständige Genesung hinarbeiten (Phase II)

    Auf eine vollständige Genesung hinarbeiten (Phase II)

    Wenn Essen und Gewichtszunahme gesichert sind, was ist dann noch zu tun? Wie führen wir unsere Kinder zu Normalität und Eigenständigkeit? Was ist zu viel, zu früh? Welche Sicherheitsvorkehrungen sind erforderlich, während wir experimentieren? Wir befassen uns mit den Themen Schule, Sport, Ferien, Wiedererlangung von „normalem“ Essverhalten, Verhaltensweisen, Überzeugungen und Körperbild, Vorbereitung auf das Studium, Rückfallprävention und vollständige Genesung.

    Schritte zur Unabhängigkeit und vollständigen Genesung

    Bisher haben wir uns mit der ersten Phase der Behandlung befasst, in der wir die Verantwortung für Mahlzeiten und alle Verhaltensweisen übernehmen, welche die Gesundheit unseres Kindes beeinträchtigen. Letztlich sollen unsere Kinder altersgemäß unabhängig werden und frei von Essstörungsgedanken sein. Dies erfordert Üben, Experimentieren, Beobachten und Korrigieren. Sowohl Körper als auch Geist brauchen Zeit zur Heilung und Festigung.

    Hat sich jemand das Bein gebrochenen, so kann und sollte er niemals sofort laufen, nachdem ihm der Gips abgenommen wurde. Genauso braucht es eine Zeit des Lernens, des Übens und der Festigung nach dem Refeeding. Hier sind einige Meilensteine auf dem Weg zur Genesung oder Gründe, warum dein Kind vielleicht nicht weiterkommt:

    • Sein Gewicht oder Fett-/Muskel-Verhältnis muss möglicherweise höher sein (seine persönlichen Bedürfnisse – nicht die BMI-Tabellen – sind entscheidend).
    • Wenn du Gewicht hochgefüttert hast, wird dein Kind gelernt haben, dass uneingeschränktes Essen zu einer Gewichtszunahme führt. Jetzt muss es noch die Erfahrung machen, dass sein Gewicht stabil bleibt, wenn es frei isst (und nicht durch Sport kompensiert).
    • Dein Kind muss die Erfahrung machen, dass es sicher (und angenehm ) ist, eine große Auswahl an normalen Lebensmitteln in normalen (oder geselligen) Mengen zu essen.
    • Es muss die Freude erfahren, die Bewegung dann bereitet, wenn sie von körperlicher Veränderung und Gewichtskontrolle losgelöst ist.
    • Der Stoffwechsel deines Kindes wird sich möglicherweise erst nach einer Weile wieder normalisieren. Daher wird dein Kind weiterhin ähnliche Mengen essen müssen wie zur Zeit, in der Gewichtszunahme das Ziel war. Tatsächlich kann es immer noch sehr hungrig sein und braucht nun die Erfahrung, dass es sicher ist, zu essen, wenn es hungrig ist.
    • Möglicherweise hat dein Kind für eine (lange) Zeit keine normalen Sättigungsgefühle, so dass es Unterstützung braucht, um ausreichende Mengen zu wählen. Andernfalls könnte es ungewollt Gewicht verlieren.
    • Möglicherweise muss dein Kind die Zwischenmahlzeit beibehalten, da eine lange Pause zwischen den Mahlzeiten die Essstörung wieder aktivieren kann.
    • Dein Kind braucht Zeit, um die Erfahrung zu machen, dass seine Körperform in Ordnung ist, dass es dadurch nicht definiert wird und dass es ein wunderbares Leben zu leben gibt jenseits einer Welt von Essensregeln und Körperfokussiertheit. Es braucht auch Zeit, um Weisheit und Widerstandsfähigkeit in einer Welt zu entwickeln, die von Gewicht und Diäten besessen ist.
    • Wenn dein Kind trotz alledem weiterhin unter Ängsten oder Depressionen leidet oder wenn es in seinem frühen Leben Traumata erlitten hat, könnte es jetzt von einer Psychotherapie profitieren.

    Du bist für die Unabhängigkeit deines Kindes verantwortlich

    Allzu oft wird die Behandlung kurz nach der Wiederaufnahme des Essens oder der Gewichtszunahme beendet. Die Therapeuten entlassen das Kind aus der Betreuung, als gäbe es nichts mehr zu tun. Die Eltern ziehen sich pflichtbewusst zurück. Die Jugendlichen verlassen ihr Zuhause. Wenn es dann im Leben dieses Menschen bergab geht, nennt man das „Rückfall“, obwohl die Behandlung in Wirklichkeit nie abgeschlossen wurde.

    Du solltest auch jetzt weiterhin das Sagen haben. Jedoch experimentierst du nun damit, deinem Kind Unabhängigkeit in kleinen Schritten zurückzugeben. Stell eine Liste all der „normalen“ Dinge zusammen, die durch die Krankheit aus der Spur geraten sind, und arbeite dich deinen Weg durch diese Liste. Du könntest dein Kind zum Beispiel bitten, zwischen zwei Gerichten zu wählen und sich so auf jenen Tag vorzubereiten, an dem im Restaurant wählt. Du könntest es seine Zwischenmahlzeiten selbst auswählen lassen. Wenn es zu einem Hauptgericht Erbsen gibt, könntest du dein Kind bitten, sich eine angemessene Portion davon zu nehmen, während du den Rest servierst. Du könntest dein Kind fragen, ob es Lust auf einen Nachschlag hat. Am Anfang wirst du dein Kind genau beobachten. Bewahre dir die Autorität, dein Kind anzuleiten und zu korrigieren. Fällt das Ergebnis negativ aus, wird so kein großer Schaden entstanden sein. Übernimm an dieser Stelle dann wieder Kontrolle und versuche es Tage oder Wochen später erneut. Gib deinem Kind nicht die Schuld, bewahre die Ruhe, es war nur ein Experiment.

    Für manche Kinder ist es nötig, dass die Eltern in bestimmten Bereichen lange Zeit die Kontrolle behalten. Wenn sie noch jung sind, sollte kein Druck entstehen, den Prozess zu beschleunigen. Und in der Tat zeigen manche Kinder wenig Verlangen, selbst über Lebensmittel oder Mahlzeiten zu entscheiden. Lass dich eher von den Bedürfnissen, Fähigkeiten und dem emotionalen Alter deines Kindes leiten als von seinem kalendarischen Alter. Gleichzeitig gibt es am anderen Ende des Spektrums auch Kinder, die mehr Freiheiten verlangen, als sie sicher bewältigen können.

    Geh besser nicht davon aus, dass dein Kind plötzlich mit jeder Situation klug umgehen kann. Geh auch nicht davon aus, dass es dir die Wahrheit sagen wird, wenn etwas misslingt. Schon frühzeitig sollte dein wissen, dass es seine Freiheit nicht missbrauchen kann, weil andere für dich mit aufpassen. Ich beschreibe hierzu zum Beispiel weiter unten, wie die Mahlzeiten in der Schule überwacht werden können. Später kannst du dann mehr Risiken eingehen (z. B. auswärtige Mahlzeiten mit Freunden erlauben) und gleichzeitig überwachen, dass sich Gewicht, Verhalten, Überzeugungen und Stimmung verbessern. Die Kontrolle durch dich sollte dabei so unauffällig und unaufdringlich sein, dass dein Kind stolz auf seine Autonomie und seine Fähigkeit sein kann, gut für sich selbst zu sorgen.

    Normalität üben

    Diese gesamte Behandlungsphase einschließlich der Festigung des Erlernten beruht auf den Prinzipien der Exposition (Kapitel 9). Verhaltensweisen werden routiniert und sicher, wenn sie wiederholt werden und das Gehirn sich umprogrammiert.

    Wenn dein Sohn oder deine Tochter bald bei dir auszieht, kannst du seine oder ihre Autonomieentwicklung beschleunigen, indem du dein Kind systematisch allem aussetzt, was es selbständig können muss. Wenn dein Kind bei diesen Schritten nicht mithalten kann, ist es letztendlich besser, wenn du es jetzt herausfindest und nicht erst, wenn dein Kind bereits ausgezogen ist. […]

    Zu früh oder zu schnell

    Vieles von dem, was ich beschrieben habe, fällt in die Phase II der FBT (Family-Based Treatment). Es ist schockierend, wie oft Kinder nach der Gewichtswiederherstellung aus der Behandlung entlassen werden, als gäbe es diese Phase überhaupt nicht.

    Ein weiteres häufiges Problem besteht darin, dass Therapeuten die Phase II überstürzen, ohne die Eltern zu konsultieren, und zu früh oder zu schnell auf die Unabhängigkeit des Kindes drängen. Laut des FBT-Manuals sollten Therapeuten die Eltern jedoch rasch dazu motivieren, die Kontrolle über das Essen wieder zu übernehmen, sobald das Kind wieder eine Diät beginnt oder Gewicht verliert. Im Prinzip seid ihr also im selben Team. Manchmal hat ein Therapeut nicht das komplette Bild. Wenn er dich nicht konsultiert, sieht er vielleicht nur ein kluges Kind, das sich gut präsentiert und sich darüber beklagt, dass seine Eltern zu bevormundend sind. Ich empfehle, den Therapeuten allein aufzusuchen und die Verhaltensweisen deines Kindes zu schildern.

    Was ist zu früh? Nach dem FBT-Manual kann Phase II nicht beginnen, bevor das Gewicht des Kindes ein Mindestmaß erreicht hat und die Eltern berichten, dass sie keine nennenswerten Probleme mit den Mahlzeiten mehr berichten und ein Gefühl der Erleichterung zeigen darüber, dass sie mit der Krankheit umgehen können. […]

    Wie mit der Schule umgehen?

    Die Schule spielt eine wichtige Rolle. Daher beschreibe ich im Folgenden die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Ärzten und der Schule – und zwar von den ersten Tagen des Refeedings bis zur Genesung.

    Wirkt sich die Schule positiv auf die Stimmung deines Kindes aus?

    Oberste Priorität in der Anfangsphase der Behandlung haben Ernährung und Gesundheit. Wenn die Schule dem im Wege steht, sollte dein Kind auch nicht am Unterricht teilnehmen.

    Allerdings möchten wir, dass unsere Kinder so bald wie möglich am normalen Leben teilnehmen und Freundschaften pflegen, was auch Teil der Behandlung ist. In der Regel erfordert dies wiederum, dass sich die Schule an der Teamarbeit beteiligt. […]

    „Gesundheitsförderung“ in Schulen: Warum nur, warum?

    Ich werde versuchen, mich hierzu kurz zu fassen. Ich befürchte nämlich , dass sich dies sonst zu einer Schimpftirade auswächst.

    In den Schulen stehen in der Regel „Gesunde Ernährung“ und Sport auf dem Lehrplan. Lebensmittel werden als „gesund“ oder „Fast Food“, „gut“ oder „schlecht“ bezeichnet. Man kann nie mager genug essen, man kann nie zu viel Sport treiben. Schlankheit ist heilig, während ein dicker Körper ein sicheres Zeichen für Faulheit und schlechte Gesundheit ist. Die Schulen werden (Anmerkung: in Großbritannien) von der Regierung gezwungen, die Kinder zu wiegen, und bekommen den Eindruck, dass ein niedriges Gewicht am besten ist. Eltern erhalten Briefe, in denen ihnen mitgeteilt wird, dass ihr Kind „fettleibig“ sei und abnehmen solle, ausschließlich auf der Grundlage einer statistischen BMI-Berechnung. Kliniker und Eltern beklagen oft, dass Botschaften zur Gesundheitsförderung ein Hauptauslöser für die Essstörung eines Kindes seien.

    In der Schule wurde meiner Tochter gesagt, dass Süßigkeiten schlecht seien (sie erhielt sie jedoch als Belohnung für gute Leistungen). Sie musste ein Ernährungstagebuch führen, Nährwertkennzeichnungen lesen, Nahrungsfetteinheiten zählen und sich ein „ekliges“ Video über Fettabsaugung ansehen. Ich wette, du hast deine ganz eigenen Horrorgeschichten. […]

    Regel-basiertes oder intuitives Essen?

    Es ist wahrscheinlich, dass dein Kind nach Regeln essen muss – mindestens ein Jahr lang nachdem du ihm die Kontrolle übergeben hast . Während dieser Zeit sind weder seine Biologie noch sein Verstand in der Lage, intuitiv zu essen.

    Wir wissen, dass es ein Jahr dauern kann, bis sich die Hormone, welche den Appetit regulieren, nach einer Diät zur Gewichtsreduzierung stabilisieren (ein physiologischer Grund, warum Diäten generell nicht auf Dauer funktionieren). Außerdem braucht der Verstand deines Kindes Zeit und Übung, um Hunger- und Sättigungssignale zu erkennen und ihnen zu vertrauen. Während die Essstörung wütete, wusste das Gehirn nur, dass es die Signale des Körpers bekämpfen müsse. Deshalb sind Regeln für ausgewogenes, regelmäßiges und ausreichendes Essen anfangs unerlässlich und ganz allmählich wirst du sehen, welche Regeln du getrost weglassen oder lockern kannst . Im Idealfall werden die Regeln zu groben Richtlinien, und in einigen Jahren wird dein Kind vielleicht erkennen, dass seine Intuition ein verlässlicher Freund ist. Überstürz es hierbei nicht. Behandel es wie eine Reihe von kleinen, risikoarmen Experimenten. Wenn etwas schief geht, greif auf das zurück, was funktioniert hat, und warte eine Weile, bevor du es erneut versuchst. […]

    Die Denkweise deines Kindes verändern

    Wahrscheinlich weißt du inzwischen sehr genau, wieviel besser es unseren Kindern geht, wenn wir ihnen helfen, ihre Ängste zu überwinden und sie dazu bringen, „normal“ zu handeln. Wenn gesunde Verhaltensweisen immer und immer wieder wiederholt werden, verändern sich auch entsprechende Hirnstrukturen und diese Verhaltensweisen werden zur neuen Normalität

    Es ist wie eine immer tiefer werdende Spur im Schnee. Gleichzeitig erhalten Körper und Gehirn die Botschaft, dass die Zeit des Hungers (oder der unregelmäßigen Ernährung) vorbei ist, so dass die normalen Funktionen (wie Hunger- und Sättigungsgefühle) wieder in Gang kommen können. All dies braucht Zeit. Es ist selten, dass eine Essstörung verschwindet, sobald das Gewicht wiederhergestellt wurde. […]

    Rückfallprävention, Pläne und Verträge

    Als meine Tochter im Alter von 12 Jahren entlassen wurde, sprachen wir über Rückfallprävention. Da sie nie wieder an Magersucht erkranken wollte, nahm sie diese Vorsichtsmaßnahmen problemlos an. […]

    Sicherheitsvorkehrungen, wenn dein Kind das Nest verlässt – ist dein Kind bereit für einen Auszug?

    Ist der Genesungsprozess deines Kindes so stabil, dass es sein Zuhause sicher verlassen kann? Ist die Behandlung abgeschlossen? Wie läuft die Vorbereitung auf die Unabhängigkeit? Ist es seit, sagen wir, guten sechs Monaten symptomfrei?

    Wenn ja, ist es wahrscheinlich so weit, wie es jemals nur sein kann, und du kannst wirklich optimistisch sein. Wenn nicht, besteht die Gefahr, dass es bis Weihnachten wieder in deine Obhut muss und den Rest des Jahres verpasst. […]

    Originalfassung: https://anorexiafamily.com/anorexia-stages-recover
    Originaltitel: The work towards fill recovery: school, exercise, appetite, eplapse prevention and the rest Phase 2)
    This is a section from Chapter 10 of ‚Anorexia and other eating disorders – how to help your child eat well and be well‘
    Mit freundlicher Genehmigung der Autorin

  • Eva Musby’s anorexia­family.com

    Eva Musby’s anorexia­family.com

    Du findest die Webseite hier:
    https://anorexiafamily.com/magersucht-anorexie-essstorung

  • Seminar 2022 – Fortbildung Maudsley Methode

    Seminar 2022 – Fortbildung Maudsley Methode

    Dieses systemische Behandlungsmodell betont die Bedeutung einer guten Kooperation mit Familien, ist stärken- und ressourcenorientiert und will zugleich Eltern als auch die betroffenen Jugendlichen stärken.

    In diesem Workshop werden die theoretischen und empirischen Grundlagen des Maudsley Modell von erfahrenen Mitgliedern des Maudsley Centre for Child and Adolescent Eating Disorders/London vorgestellt. Besonderer Wert wird auf die Vermittlung von praktischen Kenntnissen und Behandlungskompetenzen gelegt. Der Workshop gliedert sich in zwei Teile, einen zweitägigen Workshop im Mai und einen weiteren eintägigen vertiefenden Workshop im November, in dem praktische Erfahrungen der TeilnehmerInnen reflektiert und die Umsetzung der Behandlungstechniken vertieft werden.

    Das Seminar findet in englischer Sprache statt. Das Helm Stierlin Institut ist eines der führenden Weiterbildungsinstitute für Systemische Therapie und Beratung in Deutschland.

    Information und Anmeldung:

  • Wie bringe ich mein Kind zum Essen?

    Wie bringe ich mein Kind zum Essen?

    Vielleicht hält Deinem Kind ein „innerer Tyrann“ eine Pistole an den Kopf und schikaniert es, um es einzuschüchtern. Solange es nicht isst, verschafft sich Dein Kind eine kurze Pause von der Panik und der Angst, die es fühlt.

    Als liebende Mutter oder als liebender Vater kannst Du es Deinem Kind ermöglichen, trotz seiner Angst zu essen.

    Wenn Du dich verurteilend verhälst, Deinem Kind Schuld an seinem Verhalten gibst, wenn Du panisch oder aggressiv bist, dann machst Du es Deinem Kind schwerer zu essen. Das vegetative Nervensystem Deines Kindes gerät immer mehr in den „Kampf-, Flucht- oder Totstell-Modus“. Das vegetative Nervensystem kann nicht bewußt gesteuert werden.

    Deine Hilfe besteht darin, die Verantwortung zu übernehmen und Dein Kind mit ruhiger, liebevoller Zuversicht zu unterstützen. Selbst während Dein Kind gegen Dich kämpft, gibt es einen Teil in ihm, der verzweifelt hungrig und schwach ist, der sich nach Essen sehnt, der Angst vor dem Zustand hat, in dem er sich gerade befindet, der verwirrt ist und der sich nach Wohlbefinden sehnt.

    Deshalb sind die Mahlzeiten in der Regel erfolgreicher, wenn die Eltern komplett die Verantwortung für das Essen übernehmen.

    Wenn Dein Kind an vermeidender/restriktiver Nahrungsaufnahme (ARFID) oder einer Autismus-Spektrum-Störung (ASD) leidet, dann ist wahrscheinlich nicht alles aus diesem Artikel anwendbar. Besprich das bitte mit Deinen Spezialisten.

    Benutze direkte Aufforderungen

    Der Verstand Deines Kindes ist voll von lärmenden Widersprüchen. Durchbrich die Verwirrung, indem Du klare, direkte Aufforderungen gibst, wie zum Beispiel

    • Fang mit den Nudeln an, mein Liebling.
    • Nimm jetzt Deine Gabel.
    • Iss weiter.
    • [Bewege den Teller auf Dein Kind zu, biete ihm eine Umarmung an, füttere es mit dem Löffel, setze Dich nah zu ihm.]
    • Mein Schatz, mach weiter mit den Nudeln.
    • Nimm noch einen Bissen, mein Schatz.
    • Und noch einen.
    • Ja, ich möchte, dass Du das jetzt nimmst.
    • Mach die Bissen jetzt größer.
    • Ich sehe, dass Du Dein Essen zermatschtst. Bitte mach das nicht. Iss jetzt weiter, Liebes.

    Biete auch Ablenkung an, oder vielleicht benötigt es Stille und Empathie. Aber wiederhole alle paar Minuten eine direkte Aufforderung, wenn Dein Kind nicht isst.

    Was kannst Du sonst noch sagen?

    Bis Du Deinen eigenen Stil gefunden hast, hier ein paar weitere Vorschläge, die oft helfen:

    • Vertraue mir.
    • Ich bin bei Dir. Ich bin auf Deiner Seite. Ich werde dir weiter helfen.
    • Es ist okay. Es ist sicher. Es ist völlig in Ordnung. Du schaffst das.
    • Ja, das ist es, was du brauchst.
    • Nur noch ein paar Bissen. Wenn dein Teller leer ist, dann können wir gehen und [lustige Aktivität]
    • Ich glaube/fühle/stelle mir vor, dass das sehr schwer für Dich ist. Das tut mir sehr leid. Nimm jetzt noch einen Bissen.
    • Ich kann mir gut vorstellen, wie schwer das jetzt ist. Das hast Du schon eine Weile nicht mehr gegessen. Nimm noch einen Bissen.
    • Es tut mir wirklich leid, dass Dein Bauch weh tut. Lass uns 2 Minuten lang entspannen/durchatmen [und dann weitermachen].
    • Konzentrier Dich auf einen Bissen nach dem anderen (wenn Dein Kind verhandeln will)

    Das hier funktioniert bei manchen, bei anderen nicht. Experimentiere!

    • Du brauchst das, damit Du Energie hast, um die Sachen zu machen, die Du gerne tust.
    • Sobald Du gegessen hast, machen wir [lustige Aktivität].
    • Denk daran, wie wichtig Dir die Reise im nächsten Monat ist!
    • Nicht-Essen ist nicht möglich. Mach weiter.
    • Ich vermute/fühle/ glaube, dass Du Dich [so und so] fühlst. Ist das so? Es tut mir sehr leid. Das ist normal in diesem Stadium. Es wird vorbeigehen. Das wird leicht und einfach werden. Und jetzt mach weiter mit den Nudel, Süsse.
    • Das Essen ist Deine Medizin (kann predigend und unsympathisch klingen)

    Die folgenden Punkte sind in der Regel nicht hilfreich, um während eines Essens darüber zu sprechen. Mach Dir keine Vorwürfe, wenn Du sie benutzt hast. Keiner von uns hat das gewußt, bis wir es gelernt haben.

    • Was willst Du essen?
    • Iss einfach, was Du schaffst/die Hälfte.
    • Willst Du noch mehr? (Wenn Dein Kind noch nicht genug zu Essen hatte, dann gib ihm mehr)
    • Es ist schwer, aber Du musst es essen! (Viel mehr unterstützend ist: „Es ist schwer und gleichzeitig musst Du es leider essen“)
    • Versuch es zu essen! (Dein Kind soll es nicht „versuchen“ zu essen, sondern es essen.)
    • Da sind nur x Kalorien drin und Dein Körper verbraucht y Kalorien nur zum Schlafen.
    • Es ist genau dasselbe wie beim letzten Mal.
    • Ich habe es gewogen/die Kalorien überprüft/keine Butter hinzugefügt.
    • Lass mich erklären, warum Kohlenhydrate so wichtig für Dich sind.
    • Aber Du bist nicht fett!
    • Du musst zunehmen!
    • Dein Bauch tut weh, weil Du nicht genug isst.
    • Andere werden fett, weil […] und das wird Dir nicht passieren.
    • Wenn Du nichts isst […] (Wechsele zu „Wenn Du gegessen hast…“)
    • Wenn Du nicht essen, dann [Horrorszenarien, die die Kampf-oder-Flucht-Reaktion erhöhen]
    • Du ruinierst unser Leben/Du bist egoistisch/Du versuchst es ja nicht einmal!
    • Iss einfach!!!!
    • Du bist verantwortlich, ich kann dich nicht zwingen zu essen! Es muss von dir kommen.
    • Mir ist das egal, ich gebe auf!
    • Ich hasse Deine Essstörung! Ich rede nicht mit der Essstörung! (Dann trennst Du die Essstörung nicht von Deinem Kind, Stichwort: Externalisierung)
    • Gut gemacht! (Lob während einer Mahlzeit kann bei Deinem Kind widersprüchliche Gefühle und Reue hervorrufen)

    Ablenkung

    Zwischen und während Deinen direkten Aufforderungen zum Essen: redet über lustige Dinge, schaut Fernsehen, spielt Spiele. Pausiere die Ablenkungsaktivitäten sofort, wenn Dein Kind aufhört zu essen. Mach erst weiter, wenn es wieder isst. Ablenkung funktioniert, weil sie die ängstlichen oder selbstzerstörerischen Gedanken Deines Kindes unterbricht.

    Wenn Dein Kind damit beschäftigt zu sein scheint, sich für den nächsten Bissen bereit zu machen, dann können ein oder zwei Minuten Stille oft helfen. Wenn nicht, dann gib weiter direkte Aufforderungen.

    Plane auch etwas Ablenkung vor und nach den Mahlzeiten ein, wenn Dein Kind (vorher) voller Angst oder (danach) voller Selbstvorwürfe ist.

    Güte und Freundlichkeit

    Güte und Freundlichkeit sind Deine besten Werkzeuge, um dem überdrehten Nervensystem Deines Kindes zu signalisieren, dass keine Gefahr besteht. Dass es aus seinem Kampf-, Flucht- oder Totstellzustand heraus kommen kann. Du machst es ihm ein wenig leichter, zu essen (obwohl es Deine Aufgabe ist, Deinem Kind auch dann beim Essen helfen, wenn es Angst hat).

    Das vegetative Nervensystem reagiert auf Berührungen, den Tonfall Deiner Stimme, Deine Körpersprache. Wenn Dein Kind es Dir erlaubt, dann lege einen Arm um es (Du musst vielleicht prüfen: „Darf ich deine Hand halten, Schatz?“).

    Benutze eine liebevolle Stimme und Körpersprache. Versuche, ruhig und selbstbewusst zu wirken (täusche es vor, bis Du es schaffst: Fake it until you make it!). Sage freundliche Dinge, die zeigen, dass Du auf der Seite Deines Kindes bist, und gib ihm keine Schuld.

    Mitfühlende Beharrlichkeit

    Du kannst freundlich und hartnäckig sein. Es ist nicht gut, sein Kind ohne die Nahrung, die es so sehr braucht, gehen zu lassen. Es ist nicht förderlich, Dein Kind in dieser Hölle zu lassen, weil Du sowohl Angst hast, durch sie hindurchzugehen, als auch aus ihr herauszukommen.

    Hör nicht auf, nur weil Dein Kind gegen Dich kämpft oder weil es weint und zittert. Benutze weiterhin alle Hilfsmittel, um einen weiteren Bissen zu erreichen. Dann noch einen weiteren. Eine Essstörung wird mit einem (schmerzhaften) Bissen nach dem anderen überwunden, trotz all der Angst.

    Menschen, die gesund geworden sind, haben später berichtet, dass sie damals trotz ihres Widerstandes insgeheim erleichtert waren, dass man sie zum Essen zwang, weil sie so schwach, hungrig und verängstigt waren.

    Verwende keine Logik

    In seinem Zustand der Angst und Vermeidung wird Dein Kind viele Fragen stellen und viele Argumente vorbringen. Es ist ganz normal, dass man sich da hineinziehen lässt und anfängt, viele Informationen und logische Gründe zu geben, warum es nun essen muss. Wenn Logik funktionieren würde, dann hätten unsere intelligenten Kinder keine Essstörung! Logische Argumente haben selten eine Auswirkungen auf ein Gehirn, das sich in einem Zustand kompletter Angst befindet.

    Dieses Video soll Dir das noch einmal verdeutlichen:

     

    Soll ich mit einfachen Mahlzeiten beginnen?

    Wenn dein Kind abgenommen hat, dann hat eine schnelle Gewichtszunahme jetzt die höchste Priorität. Wenn du langsam angefangen hast, dann steigere die Energiezufuhr schnell. Versuche, den Ernährungsbedarf durch eine schnelle Einbeziehung aller Nahrungsmittelkategorien zu decken, auch wenn Dein Kind Angst vor Fetten oder Kohlenhydraten hat. Sobald du mit dem Aufpäppeln einigermaßen zurechtkommst, werden sich deine Prioritäten auf die weitere Gewichtszunahme und auf die Erhöhung der Nahrungsvielfalt verlagern.

    Wenn es nicht funktioniert

    Das Aufpäppeln ist normalerweise am Anfang am schwierigsten, oder wenn man angstbesetzte Lebensmittel und Essen einführt. Einige junge Menschen geben nach einigen Tagen oder Wochen den Widerstand weitestgehend auf, es ist oft sogar eine versteckte Freude am Essen spürbar. Dein Kind stöhnt dann: „Muss ich das essen?“ und Du sagst einfach „Ja“ und es isst ohne weiteren Widerstand.

    Wenn Du innerhalb von ein paar Wochen Dein Kind nicht dazu bewegen kannst, genug für eine Gewichtszunahme zu essen (wenn es abgenommen hat), dann brauchst Du unverzüglich mehr professionelle Unterstützung. Es ist nicht Dein Versagen: Du hast noch nicht die richtige Unterstützung für die Art und Weise erhalten, wie Dein Kind von der Essstörung betroffen ist. Sei offen für einen kurzen Krankenhausaufenthalt, um Dein Kind wieder zum Essen zu bewegen. Übernimm dann so schnell wie möglich wieder die Verantwortung.

    Der Beitrag erschien in englischer Originalfassung am 18.03.2020 unter https://www.feast-ed.org/tips-for-helping-your-child-to-eat

    Mit freundlicher Genehmigung der Autorin und von FEAST.