Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

Anfang dieser Woche haben wir eine freudige Nachricht aus Berlin erhalten: Wir haben die Jurymitglieder des startsocial-Wettbewerbs mit unserem Anliegen und unserem professionellen Vorgehen überzeugt und sind in der startsocial-Bundesauswahl!

Die Berater-Jury hat uns attestiert, dass wir im letzten halben Jahr deutliche Fortschritte in der Beratungsphase erzielt haben.

Im Juni 2021 hatten wir uns Hals über Kopf in einer Nacht-und-Nebel-Aktion als frisch gegründeter Verein beim startsocial-Wettbewerb beworben und eigentlich nicht wirklich daran geglaubt, dass daraus irgendetwas erwachsen könnte.

Über startsocial e.V.

startsocial ist ein bundesweiter Wettbewerb zur Förderung des ehrenamtlichen sozialen Engagements. Die laufende Wettbewerbsrunde steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Olaf Scholz. Unter dem Motto „Hilfe für Helfer“ vergibt startsocial jährlich 100 viermonatige Beratungsstipendien und 25 Auszeichnungen, darunter sieben Geldpreise, an herausragende soziale Initiativen. In jeder Wettbewerbsrunde bringen rund 550 Fach- und Führungskräfte als ehrenamtliche Coaches sowie Jurorinnen und Juroren ihr Fachwissen und ihre Erfahrung ein. Der Wettbewerb wird seit 2001 veranstaltet und hat bereits über 1.800 soziale Initiativen bei ihrer Weiterentwicklung begleitet und unterstützt. Hauptförderer des Wettbewerbs 2022/23 sind die Unternehmen Allianz Deutschland AG, Deutsche Bank AG, SAP SE, ProSiebenSat.1 Media SE und McKinsey & Company.
(https://startsocial.de)


Aber: es kam alles ganz anders. Wir wurden als eine von 100 sozialen Initiativen ausgewählt und erhielten ein 4-monatiges Beratungsstipendium. Unsere beiden versierten und sehr erfahrenen Coaches haben uns geholfen, unseren Verein in der Gründungsphase auf eine gute und solide Basis zu stellen, uns zu strukturieren, zu organisieren und zu professionalisieren.

In vielen, vielen gemeinsamen Treffen haben wir um finanzielle, inhaltliche, organisatorische und technische Themen gerungen, und schlussendlich geholfen, dass wir das rasante Wachstum des jungen Elternnetzwerkes stemmen können. Zum Wohl all der Eltern und jungen Menschen, die so dringend auf sinnvolle und funktionierende Hilfsangebote angewiesen sind! An vielen Abenden haben wir uns wie ein junges Start-up gefühlt und sind nach den Video-Konferenzen müde aber glücklich ins Bett gefallen.

Von den vielen hundert Bewerbungen für den Wettbewerb, über die 100 ausgewählten sozialen Initiativen, die das Beratungsstipendium erhalten haben, sind wir nun also in der startsocial-Bundesauswahl gelandet und werden im September von Bundeskanzler Olaf Scholz, der Schirmherr des Wettbewerbs ist, ausgezeichnet. Zusätzlich haben wir noch die Chance auf einen der Geldpreise darunter auch der Sonderpreis des Bundeskanzlers.

Der Abschlussbericht am Ende der Beratungsphase wurde noch einmal ein Kraftakt, aber wir haben es geschafft den Bericht pünktlich einzureichen! Die Chance auf so viel Publicity für unser Anliegen und auf einen Geldpreis von 5.000 Euro konnten wir uns nicht entgehen lassen!

Wo immer wir diese Öffentlichkeit in den nächsten Monaten erhalten werden, wir werden auf jeden Fall versuchen, das zu nutzen unsere Kernanliegen dort zu platzieren:

  • Wir benötigen den Ausbau einer bedarfsgerechten Versorgung in Deutschland: Familienbasierte Ansätze zur Behandlung von Essstörungen, wie zum Beispiel der Maudsley Ansatz, müssen für junge erkrankte Menschen und deren Familien flächendeckend zur Verfügung stehen.
  • Präventive Angebote und ein gutes System zur Früherkennung könnten so viele schlimme und schwere Krankheitsverläufe verhindern: Die hohen Prävalenzraten von Esstörungen, die hohe Häufigkeit der Chronifizierung und die furchtbaren Mortalitätsraten sollten uns aufrütteln, dass dies ein Thema ist, das mit hohem Nachdruck in die Schulen, in Kinder- und Jugendeinrichtungen, in die Familien und generell in die Öffentlichkeit gehört. Lehrer, Pädagogen, Kinderärzte und alle anderen Fachpersonen, die mit Kindern und jungen Menschen arbeiten, sollten im frühzeitigen Erkennen von Essstörungen und dem schnellen Einleiten hilfreicher Maßnahmen geschult sein. So wie dies in anderen Bereichen in der Jugendarbeit und für andere Erkrankungen wie Diabetes bereits Standard ist. 
  • Bei der Behandlung von restriktiven Essstörungen ist Autonomie das Ziel, und nicht der Weg. Im akuten Krankheitszustand kann der junge Mensch die Verantwortung für sein Gewicht, das Essverhalten und in vielen Fällen auch die Bewegung  und weitere Lebensbereiche nicht übernehmen. Es ist kein mangelnder Wille oder neurotisches Verhalten. Erst nach der Wiederherstellung des Gewichtes ist es möglich, den Wiedereingliederungsprozess ins Leben zu starten. Eine komplett fehlende Krankheitseinsicht ist eines der Hauptsymptome dieser furchtbaren Art von Erkrankung. Diese simple Erkenntnis, die sich im Ausland aufgrund von Erfahrung und Forschung teilweise schon vor Jahrzehnten durchgesetzt hat, muss endlich auch in unserem Gesundheitssystem ankommen.
  • Oberstes Ziel muss es sein, Klinikaufenthalte zu vermeiden. Die Familie ist der beste Platz für einen erkrankten jungen Menschen, um gesund zu werden. Die Eltern sind nicht das Problem, sondern die größte Ressource wenn das Desaster einer Essstörung über eine Familie hereinbricht.
  • Verschiedenene Eltern brauchen unterschiedlich viel Unterstützung bei diesen Behandlungskonzepten. Generell müssen geeignete Schulungsmethoden für pflegende Angehörige schnell und effizient zur Verfügung stehen, unter Ausschöpfung aller verfügbaren Bildungsmöglichkeiten (Online-Kurse).
  • Erkenntnisse vieler aktueller Forschung (Neurobiologie, Genetik, Makrobiom uvm) müssen publiziert und bekannt werden.
  • Direkte und indirekte Schuldzuweisungen an Eltern, wie sie leider immer noch gang und gebe sind, sind nach dem heutigen Stand der Forschung nicht mehr haltbar und verursachen so viel Leid. Eltern haben nichts falsch gemacht, wenn ihr Kind an einer Essstörung erkrankt. Man muss sie dabei unterstützen, dass sie ihrem Kind helfen können!

 

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